Ausbildung in Grafenwöhr
US-Schützenhilfe für Deutsche

Sie sind gute und zielsichere Schützen.
Grafenwöhr: Truppenübungsplatz |

Seit Anfang dieses Jahres bildet die Bundeswehr im Nordirak Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus. Jetzt bekommt sie dafür Schützenhilfe des US-Heeres in Grafenwöhr.

Die Nervosität ist den beiden deutschen Soldaten ins Gesicht geschrieben. Nicht wegen des bevorstehenden Irak-Einsatzes, sondern weil sie in wenigen Minuten zum ersten Mal mit der Granatmaschinenwaffe schießen sollen - mit der amerikanischen, nicht mit der deutschen. Die Waffe vom Kaliber 40 Millimeter flößt selbst geübten Schützen Respekt ein. Es ist der letzte Tag für Feldwebel David* und Unteroffizier Ronny* beim US-Heer in Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN).

In einem fünftägigen Crashkurs haben die Soldaten vom Gemeinsame Waffen Ausbildungszentrum (CATC, Combined Arms Training Center) die Deutschen mit sechs amerikanischen Infanteriewaffen vertraut gemacht: von der Pistole, über das Sturmgewehr M4, die Maschinengewehre verschiedenen Klaibers bis hin zur Granatmaschinenwaffe. Auf dem Lehrplan standen unter anderem das Lernen der technischen Spezifikationen, der Waffendrill, mit Zusammensetzen und Zerlegen der Waffen sowie zum Abschluss das Schießen auf der Schießbahn 114 des Truppenübungsplatzes. In der Regel dauert der Kurs drei Wochen. Für die beiden Deutschen wurde er abgekürzt, da sie schon in den nächsten beiden Wochen nach Erbil fliegen, um dort Peschmerga für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auszubilden. Allerdings nicht an von Deutschland gelieferten Waffen, sondern an amerikanischen.

Weiterer Kurs geplant

Deshalb der Kurs am CTAC des Gemeinsamen Multinationalen Ausbildungskommando des US-Heeres in Grafenwöhr. Der Feldwebel und der Unteroffizier bleiben nicht die einzigen Deutschen. Im Herbst sollen noch 25 Bundeswehr-Soldaten den Lehrgang absolvieren, sagt Oberstleutnant Jeffery Holloman, der Kommandeur des CTAC. Auch sie werden für den Einsatz im Irak fit gemacht.

"Wir sollen ein kurdisches Bataillon ausbilden, das mit amerikanischen Waffen ausgerüstet ist", erklärt der 30-jährige Feldwebel David. Bislang haben deutsche Soldaten die Peschmerga in der kurdischen Autonomieregion an von der Bundesrepublik gelieferten Waffen ausgebildet. Zudem unterwiesen sie die Kurden in Kampftaktiken, etwa im Häuserkampf. Der internationale Ausbildungseinsatz im Nordirak begann bereits im Januar unter deutscher Führung. Erster Kommandeur war Oberst Jochen Schneider, der damalige stellvertretende Kommandeur der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg. Im Juni übernahmen die Italiener die Führung.

Feldwebel David und Unteroffizier Ronny, ebenfalls 30 Jahre alt, gehören zur Panzergrenadierbrigade 37 aus dem sächsischen Frankenberg einer Schwesterbrigade der "Zwölfer". Beide blicken zuversichtlich auf ihren fünfmonatigen Einsatz im Irak. Für den Feldwebel ist es der erste Einsatz, für den Unteroffizier der zweite. Er war bereits im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Damals musste er Patrouille fahren, in Erbil sind sie nur im Ausbildungslager bei den Kurden.

Bei den Amerikanern fühlten sich die Deutschen bestens aufgenommen. Sie loben die Ausbildung und sagen: Immer wenn sie etwas gebraucht hätten sei ein US-Soldat zur Stelle gewesen, um zu helfen - etwa, wenn es galt sich auf dem großen Gelände der Garnison zu orientieren.

Gute Schützen

Nahezu alle Schüsse liegen im Ziel. Der US-Ausbilder klopft Feldwebel David anerkennend auf die Schulter. Sergeant First Class Daniel Burke ist begeistert von den Deutschen: "Sie sind gute und zielsichere Schützen." In wenigen Tagen müssen die beiden Bundeswehrsoldaten dieses Können den Peschmerga vermitteln.

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* Die Namen der deutschen Soldaten sind auf Wunsch der Bundeswehr zu deren Sicherheit abgekürzt
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