Diskussionen um die Unterbringung minderjähriger Flüchtlinge
Auf die jungen Leute zugehen

Lange Zeit verlief die Bürgerversammlung beim "Ramm" in ruhigen Bahnen. Als die bevorstehende Ankunft junger Flüchtlinge in Neukirchen zur Sprache kam, nahm die Diskussion Fahrt auf. Ablehnende Worte eines Redners gegen die neuen Nachbarn wollten andere nicht so stehenlassen.

Die Entscheidung, ab Frühjahr 2016 im Wohntrakt des Seniorenstifts Weißenstein unbegleitete minderjährige Kinder und Jugendliche aus Bürgerkriegsländern unterzubringen, sei gefallen, erklärte Bürgermeister Winfried Franz. Als Träger tritt das Christliche Jugenddorfwerk Deutschland (CJD) auf.

Gemeinschaft gefragt


"Das ist kein Einzelfall im Landkreis Amberg-Sulzbach, der derzeit rund 100 junge Flüchtlinge versorgt", fügte Franz hinzu. Zwar betreffe die Gemeinde das nicht unmittelbar, doch sei hier die Gemeinschaft im alltäglichen Zusammenleben von Einheimischen und Flüchtlingen gefragt. "Deshalb sollte man diesen Menschen, die akut vom Tod durch Gewalt, Hunger und Flucht bedroht sind, unvoreingenommen entgegen treten", bat der Bürgermeister.

In einer Wortmeldung behauptete ein Diskussionsredner, dass die Aufnahme von jugendlichen Männern eine Gefahr für Mädchen und Frauen bedeute und dies auch negative Auswirkungen auf die Preise von Immobilien in Neukirchen haben werde. Sein Beitrag gipfelte schließlich in der Aussage, er wolle solche Nachbarn nicht.

Dagegen sprachen sich die Gemeinderäte Birgit Berendes und Peter Achatzi dafür aus, dass Vereine im Interesse einer Integration auf die jungen Flüchtlinge zugehen sollten: "Wenn man sich kennt, hat man auch keine Angst mehr voreinander." Ähnlich äußerte sich der Schatzmeister des 1. FC Neukirchen, Werner Ertl. Vielleicht wären unter den jungen Flüchtlingen ja auch Fußballer.

Im Bericht über die Entwicklung der Gemeinde skizzierte Bürgermeister Winfried Franz für den Zeitraum von 2005 bis 2015 einen Rückgang um 230 Einwohner. Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter der Bürger von 42 auf 46 Jahre. Aktuell stehen 2678 Menschen im Melderegister, davon 137 mit einem Zweitwohnsitz. Hauptsächlich machten sich die Bevölkerungsverluste im Hauptort Neukirchen bemerkbar.

Keine 7. Klasse mehr


Den Kindergarten in Neukirchen besuchen 58 Mädchen und Buben. In die Grundschule Neukirchen/Etzelwang werden 66 Kinder unterrichtet, in der Mittelschule Neukirchen/Königstein 82. Franz bedauerte, dass wegen zu geringer Schülerzahlen keine 7. Klasse mehr zustande kam.

440 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte gehen in der Gemeinde Neukirchen einer Arbeit nach, davon 206 im produzierenden Gewerbe, 53 im Handel und im Gastgewerbe sowie 181 in sonstigen Dienstleistungen und in der Landwirtschaft (181). Insgesamt wohnen in der Gemeinde 951 Arbeitnehmer. 808 verdienen ihr Geld auswärts; 297 Einpendler kommen nach Neukirchen.

Haushalt 2015 ohne neue Schulden"Auf Bundesebene sprudeln die Steuereinnahmen. Es kommt jetzt darauf an, dass diese so verteilt werden, dass auch die Städte und Gemeinden davon etwas haben", forderte Bürgermeister Winfried Franz, bevor er den Haushalt der Gemeinde vorstellte.

2015 umfasste er ein Volumen von 6,1 Millionen Euro. Für 50 000 Euro bekam die Feuerwehr Neukirchen ein neues Mannschaftsauto; Digitalfunkgeräte kosteten 30 000 Euro. In die Sanierung der Brücke in Mittelreinbach flossen 30 000 Euro, für die Verbindungsstraße von der Bundesstraße 14 nach Büchelberg gab die Gemeinde 350 000 Euro aus. Die neue Wasserleitung in Niederricht stand mit 60 000 Euro zu Buche.

Trotz dieser Investitionen und anderer Ausgaben seien keine neuen Kredite nicht nötig gewesen, informierte Bürgermeister Winfried Franz. Im Vergleich zu 2014 habe die Kommune ihre Schulden von 4,7 auf 4,4 Millionen Euro abgebaut. (bt)
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