Regen hilft Panzersoldaten bei Grafenwöhr
Training für den Einsatz

Die Rauchwolke aus dem Kanonenrohr des amerikanischen Kampfpanzer Typ "Abrams" M1A2 kündet noch vom Schuss, den die Besatzung zuvor abgefeuert hat. Am Dienstag übte eine Kompanie aus Fort Hood in Texas auf einer Schießbahn in Grafenwöhr. Bild: paa
Grafenwöhr: Truppenübungsplatz |

Grafenwöhr. (paa) Regen ist das perfekte Wetter für Panzersoldaten. Nicht, dass die Männer und Frauen aus dem heißen Texas Regen lieben. Aber er macht es ihnen leichter, Ziele auf der Schießbahn zu erkennen. Und am Dienstag gab es auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Kreis Neustadt/WN) Dauerregen.

Schwieriger ist es in der Wüste: Felsen heizen sich auf und lassen sich schwerer von Zielen unterscheiden. Rund 2000 Soldaten der 1. Brigade der 1. US-Kavalleriedivision aus Fort Hood üben seit gut zwei Monaten in Grafenwöhr und auf dem Truppenübungsplatz Hohenfels (Kreis Neumarkt). Der Panzerverband ist in diesem Jahr dem Europäischen Kommando der US-Streitkräfte unterstellt. Mit dieser Maßnahme füllt die US-Armee jene Lücke, die der Abzug der 170. US-Brigade aus Baumholder (Rheinland-Pfalz) und der 172. US-Brigade aus Grafenwöhr gerissen hat.

Nur für Übungen

Ähnlich wie bei Reforger-Übungen im Kalten Krieg kommen die US-Truppen nur zu Übungen nach Deutschland - allerdings nicht nur für eine Großübung, sondern mehrfach. Nach zwei bis drei Monaten in der Oberpfalz kehren sie in die USA zurück. Später geht es ins Baltikum und nach Polen. Dort sind seit April rund 600 US-Soldaten stationiert. Eine Rückversicherung für die verunsicherten Nato-Verbündeten und eine Warnung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Hilfe für Baltikum

Diesen "Atlantic Resolve" (Atlantische Entschlossenheit) genannten US-Einsatz unterstützt auch das Gemeinsame Multinationale Trainingskommando der US-Armee in Grafenwöhr. Es hat Trainings-Abteilungen entsandt. Und noch etwas ist anders als im Kalten Krieg: Unter den 18 Ländern, die Soldaten entsandt haben, sind viele, die bis zum Jahr 1989 noch auf der anderen Seite gestanden hatten. An der seit Mitte Oktober laufenden Übung "Combined Resolve III" nehmen 4000 Soldaten aus 18 Ländern teil - darunter auch Soldaten der Panzerbrigade 12 "Oberpfalz" aus Amberg. Es ist diese Zusammenarbeit mit der Bundeswehr, aber auch mit den anderen Verbündeten der USA innerhalb und außerhalb der Nato, die Brigadegeneral Christopher G. Cavoli, Kommandeur des Gemeinsamen Multinationalen Trainingskommandos (JMTC) in Grafenwöhr, als den großen Vorteil hervorhebt. Gemeinsame Übungen auf Brigadeebene sollen die Fähigkeit zur Zusammenarbeit bewahren, die in den mehr als zehn Jahren in Afghanistan erworben wurde. Ein Ziel, das auch die Nato ausgegeben hat.

Nächstes Jahr womöglich größer

Im nächsten Jahr könnten die Übungen noch größer ausfallen. Das US-Heer prüft, ob es eine komplette schwere Brigade mit mehr als 4000 Soldaten nach Europa verlegt. In diesem Jahr war es nur eine halbe Brigade. Und noch etwas soll sich ändern. Die US-Soldaten sollen nicht nur die Militärgelände sehen, sondern auch Bayern erkunden dürfen.

Manöver zwischen den beiden Truppenübungsplätze, wie im Herbst 2012, sind nicht geplant, macht Brigadegeneral Cavoli deutlich. Zur Begründung verweist er auf die "sozialen Kosten", das heißt die Belastungen für die deutsche Bevölkerung, und auf die betriebswirtschaftlichen Kosten. Über Simulationen ließen sich verschieden Übungsgebiete von Hohenfels, Grafenwöhr bis zum Baltikum gemeinsam nutzen. Das sei wesentlich kostengünstiger.
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