Evangelische Jugend baut eine Kapelle
Gotteshaus als Gemeinschaftswerk

Heute steht hier der Bulldog. Im nächsten Jahr soll an dieser Stelle die Kapelle eröffnet werden. Die Jugendlichen der evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg packen gemeinsam an, um das Gotteshaus zu bauen. Bilder: hfz (4)
 
Ein echter Knochenjob. Die Arbeiten sind nicht leicht, aber alle Mitwirkenden sind mit Eifer bei der Sache.
 
Mona Böhm.

Die Jugend von heute - baut Kirche! Am Anfang sei es eine verrückte Idee gewesen, geben die Macher zu. Aber nun hat die evangelische Jugend Sulzbach-Rosenberg konkrete Pläne für ihr Bauprojekt erarbeitet. Sie wollen eine eigene Kapelle auf dem Knappenberg bei Neukirchen errichten.

(pwom/pjon) Bei der evangelischen Jugend finden viele Jugendliche an Wochenendtreffen, bei Schulungen und Freizeiten zusammen. Sie sind gemeinsam in der Natur unterwegs, feiern zusammen und entwickeln mitunter außergewöhnliche Ideen - wie die, eine Kapelle zu bauen. "Wir haben uns daraufhin zusammengesetzt und das Vorhaben weitergesponnen", erklärt Projektleiter Bernd Deyerl. "Das Ganze kam von unseren Jugendlichen selbst. Man kann sozusagen von einem Bürgerprojekt sprechen."

Jeder packt mit an


Wie finanziert sich das Vorhaben? Wie wird der Bau organisiert? Und was genau macht einen sakralen Raum aus? Um alle Aufgaben und Fragen zu bewältigen, haben sich die Mitglieder der evangelischen Jugend im Dekanat Sulzbach-Rosenberg in verschiedene Arbeitskreise aufgeteilt. Dabei kümmern sich die Teams um wichtige Bereiche wie Organisation und Umsetzung, Finanzierung, Gestaltung des Innenraums und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Kapelle soll direkt am Jugendhaus Knappenberg zwischen Erkelsdorf und Etzelwang entstehen. Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren: Nach Absprache mit der Naturschutzbehörde und dem Forstamt haben ein paar fleißige Helfer bereits den Boden vor Ort gerodet: "Die Fichte hat an diesem Standort zwecks Klimaerwärmung auf Dauer sowieso keine Chance", sagt Deyerl "Ökologisch gesehen ist es also nur von Vorteil, wenn diese Baumart zurückgenommen wird."

Ob es ein typischer Raum für Gottesdienste wird oder die Freizeitgestaltung im Vordergrund steht, wollen die Jugendlichen bei ihrem nächsten Treffen konkretisieren. "Wie der Innenraum genau aussieht, steht noch nicht fest", sagt Jana Stohwasser, Vorsitzende der Evangelischen Jugendkammer "Wir haben bereits viele Ideen, aber bisher ist noch alles offen." Den Großteil der Kapelle wollen die Mitglieder der evangelischen Jugend jedoch selbst gestalten und zusammenbasteln. Natürlich sind neben vielen motivierten jungen Leuten auch Fachkräfte gefragt, die den Bauvorgang professionell begleiten. Mit dabei ist bereits ein Zimmermann und Bautechniker, der das Projekt tatkräftig unterstützt. Trotzdem suchen die jungen Initiatoren nach weiteren Leuten vom Fach, die Interesse und Spaß am Kapellenprojekt zeigen. Zum Beispiel könnte ein Tiefbauer, der den Bauplatz überprüft, gerade wertvolle Dienste leisten.

Platz für 40 Personen


Als Schirmherrn gewann das Organisationsteam Landrat Richard Reisinger. Eine Anfrage an Heinrich Bedford-Strohm, den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, ist noch in Planung. "Wenn alles so läuft, wie wir es uns vorgestellt haben, entsteht hier 2017 - rechtzeitig zum Lutherjahr - ein Ort der Andacht und Predigt", erklärt Deyerl. "Der Raum ist aber offen für jede Religion. Er soll nicht abgrenzen, sondern integrieren." Geplant ist eine achteckige Form mit einem Durchmesser von rund zehn Metern. Um die 40 Personen sollen in dem Bauwerk einmal Platz finden. Die selbstgebauten Bänke stehen dabei im Kreis um einen Altar in der Mitte. Auf dem Dach der Kapelle soll ein kleiner Turm mit bunten Glasfenstern entstehen, so dass Licht direkt von oben durchscheint. "Für den Bau benötigen wir rund 80 000 Euro. Einen großen Teil der Kosten versuchen wir, über das Leader-Förderprogramm der Europäischen Union zu finanzieren", erläutert Deyerl. "Außerdem hoffen wir, dass der Kreisjugendring etwas beisteuert." Das übrige Geld wollen die Jugendlichen durch Spenden auftreiben. Eine Tafel vor der Kapelle soll großzügige Geldgeber namentlich würdigen.

Raum für Begegnung


Unter anderem hat die evangelische Jugend beim Altstadtfest in Sulzbach-Rosenberg ein Improvisations-Theater aufgeführt, um so Geld für das Projekt zu sammeln. Weitere Benefizveranstaltungen, wie zum Beispiel ein Konzert, sind in Planung. Die evangelische Jugend möchte die Kapelle nutzen, um dort ihre Gottesdienste nahe des Jugendhauses zu feiern. In erster Linie wollen die jungen Menschen hier aber einen Raum für Begegnung erschaffen.

___



Weitere Informationen im Internet:

www.kapelle.ej-suro.de

Drei FragenMit vollem Herzen dabei

Amberg-Sulzbach. (pwom) Eine der vielen Jugendlichen der Evangelischen Jugend Sulzbach-Rosenberg ist Mona Böhm. Sie ist ebenfalls in das Projekt "Jugend baut Kirche" involviert. Mona ist schon von Anfang an mit dabei. Sie begleitet das Bauvorhaben seit der Ideenfindung und Konzeption. Die 19-jährige Studentin hilft tatkräftig mit, damit der Traum von einer eigenen Kirche in die Realität umgesetzt wird.

Warum wollt Ihr eure eigene Kirche bauen?

Mona Böhm: Die Idee kam ziemlich spontan auf, als wir ein Wochenende in unserem Jugendhaus am Knappenberg verbrachten. Wenn wir Gottesdienste feiern, müssen wir immer ziemlich weit zur nächsten Kirche laufen. Da kam der Gedanke auf, wie cool es doch eigentlich wäre, dort eine eigene Kirche zu haben.

Was sind deine Aufgaben?

Ich setze mich insbesondere als Leiterin des Arbeitskreises Öffentlichkeitsarbeit für unser Bauprojekt ein. Wir organisieren die Spendenkampagne und sorgen dafür, dass die Menschen von unserem Vorhaben Verfahren. Außerdem helfe ich gerne überall mit, wo ich gebraucht werde. Beim Bau packe ich natürlich auch selbst mit an.

Was bedeutet das Projekt für dich?

Ich stehe voll und ganz hinter unserem Projekt! Das ist eine Riesensache, die wir da gemeinsam anpacken. Und es fühlt sich super an, zusammen mit anderen an etwas so Großem zu arbeiten. Man merkt, wie alle mit vollem Herzen dabei sind. Es ist eine Chance, einmal nach außen zu tragen, wer wir sind und was wir glauben.


Ein Schirmherr?Auch das Kapellen-Projekt auf dem Knappenberg braucht einen Schirmherrn. Ein Schirmherr ist ein Patron, der eine Organisation, eine Veranstaltung oder ein Projekt mit seinem Namen unterstützt. Die Beteiligten erhoffen sich dadurch einen Image-Gewinn. Viele Schirmherrn setzen ihre Kontakte dafür ein, weitere Unterstützer zu gewinnen. Das macht auch Landrat Richard Reisinger, der aktiv für das Vorhaben wirbt. (pjon)


Das ist eine Riesensache, die wir da gemeinsam anpacken. Und es fühlt sich super an, zusammen mit anderen an etwas so Großem zu arbeiten.Mona Böhm
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.