Hauptversammlung des Schweineprüfrings Amberg-Sulzbach
Preise derzeit eine Schweinerei

Der niedrige Schweinepreis macht den Züchtern momentan stark zu schaffen. Das wurde bei der Hauptversammlung des Schweineprüfrings Amberg-Sulzbach in Gaisheim deutlich. Ein Ausweichen auf Marktnischen wie Direktvermarktung oder Bioproduktion bringt nach Meinung des Vorsitzenden Herbert Pilhofer ebenfalls kaum etwas. Bild: Steinbacher

Die Landwirtschaft hat finanzielle Probleme, das ist bekannt. "Ein Patentrezept, wie die Misere beim Schweinepreis zu lösen ist, gibt es nicht." Auch dessen war sich der Vorsitzende des Schweineprüfrings Amberg-Sulzbach, Herbert Pilhofer, sicher.

Neunkirchen/Gaisheim. "Nach 50 Jahren wagt es der Schweineprüfring zum ersten Mal zur Jahreshauptversammlung in den westlichen Landkreis einzuladen", bekundete Vorsitzender Herbert Pilhofer in Gaisheim. Die Resonanz war groß.

Obwohl sich die Preismisere bei den Erzeugerpreisen für Milch, Ferkel und Schweinefleisch herumgesprochen habe, sei es fast schon peinlich, alle Jahre über diesen Missstand zu klagen. "Aber zurzeit ist die Situation für die Landwirte schon krass", monierte Pilhofer in seinem Vorstandsbericht.

Ebbe-und-Flut-Zyklus


Als Erzeuger kenne man den sogenannten Schweinezyklus, wo nach einer Ebbe auch wieder die Flut komme. Und deshalb seien die Bauern nicht immer auf die Straße gegangen, um zu demonstrieren. "Aber dieses Spiel hat sich nun geändert, denn die Ebbe hält immer länger an und die Flut lässt auf sich warten."

Der derzeitige niedrige Erlös zwingt die Schweinezüchter, von der Substanz zu leben, mit den Folgen, dass notwendige Investitionen zurückgestellt und der Kapitaldienst kaum geleistet werden kann. "Ein Ausweichen auf Marktnischen wie Direktvermarktung oder Bioproduktion bringt nicht viel, weil es keine Nischen mehr sind, wenn alle Landwirte diese Umstellung praktizieren." Auch die private Lagerhaltung des Staates führe höchstens kurzfristig zu einer Entlastung des Marktes, sobald der Angebotsdruck aber nachlasse, werde der Markt wieder belastet, war sich Pilhofer sicher.

"In der Klemme"


"Die Landwirte sind in der Klemme, einerseits werden sie gezwungen, die Betriebskapazitäten auszuschöpfen, andererseits wäre es marktwirtschaftlich europaweit aber notwendig, die Produktion um 20 Prozent zu reduzieren", beklagte der Vorsitzende. Ein Patentrezept, um dieses Problem zu lösen, sei nicht erkennbar. Über die finanziellen Probleme der Schweinemast werde in der Öffentlichkeit weniger gesprochen als über den Milchpreis, erläuterte der Fachberater für Fleischerzeuger, Franz List. Dies könne daran liegen, dass die Schweinezüchter weniger als andere Landwirte für ihre Interessen auf die Straße gehen, meinte der Referent vom Fachzentrum Schweinezucht und -haltung aus Schwandorf, der auch die Jahresergebnisse der Wirtschaftlichkeitskontrolle in der Oberpfalz von 1995 bis 2015 vorstellte. Während 1995 im Durchschnitt pro Jahr und Sau 481 Euro erwirtschaftet wurden, waren es 2015 436 Euro. Der durchschnittliche Erlös der letzten zehn Jahre betrug 544 Euro. "Schweinezüchter, die immer nur den durchschnittlichen Deckungsbeitrag bekamen, können nicht investieren." Dies zu ändern, beispielsweise durch Kosteneinsparungen und die bessere wirtschaftliche Nutzung von Futtermitteln, sollte daher Priorität genießen, riet List den Erzeugern.

StatistikBei der Getreidereinigung und der Futteruntersuchung bestehe bei vielen Schweinemästern Nachholbedarf, erklärte Fachberater Werner Gollwitzer. Laut Statistik bezogen 65 Prozent der Züchter in der Oberpfalz die Ferkel aus einen Betrieb und zu 25 Prozent aus zwei bis drei Betrieben. Nur etwas mehr als drei Prozent holten sich Ferkel aus vier und mehr Betrieben. In der Oberpfalz und auch in Bayern stehe bei der Vermarktung der Tiere der Handel mit rund 33 Prozent an der Spitze. Den zweiten Rang nehmen in der Oberpfalz die Metzger mit 25 Prozent, gefolgt von Erzeugergemeinschaften mit 19 Prozent ein. "Diese wiederum kaufen auf bayerischer Ebene 30 Prozent der Schlachttiere ab", fügte Gollwitzer hinzu. (bt)


Neue EU-Öko-VerordnungBei der Förderung der ökologischen Landwirtschaft müsse der Bauer verschiedene Prioritäten beachten, erläuterte der Fachberater für Pflanzenbau Bayern, Axel Lämmermann. Darunter falle beispielsweise die Einhaltung der EU-Öko-Verordnung im Gesamtbetrieb. Neuantragsteller müssen alle Vorgaben zur Tierhaltung spätestens ab dem 1. Januar 2017 einhalten. In wasserwirtschaftlich sensiblen Gebieten dürfen keine Intensivfrüchte angebaut werden. Ebenfalls ist in einem Gewässer- und Erosionsstreifen jegliche Düngung und der flächendeckende chemische Einsatz von Pflanzenschutz sowie Bodenbearbeitung untersagt. Ob die Novellierung der Düngeverordnung so verabschiedet werde, wie der derzeitige Stand sei, könne niemand sagen, betonte der Referent.

Nach dem Ausbringen von flüssigen organischen Düngemitteln auf unbestelltes Ackerland muss spätestens nach vier Stunden eine Einarbeitung erfolgen. Ab dem 1. Januar 2018 könnte diese Frist auf eine Stunde verkürzt werden. Bereits seit 1. Januar 2016 dürfen verschiedenen Maschinen und Geräte, wie ein Gülle- und Jauchewagen mit freiem Auslauf auf Verteiler, nicht mehr eingesetzt werden, wies der Referent ebenfalls hin, der auch über geplante Obergrenzen beim Einsatz von chemischen Nährstoffen und Sperrfristen informierte. (bt)

Möglichkeiten der Vermarktung

Neukirchen/Gaisheim. (bt) "Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe beteiligen sich bundesweit nicht an der Dokumentationspflicht über den Einsatz von Medikamenten und des Tierbestands oder buchen nicht vollständig ein", erklärte Veterinärdirektor Dr. Werner Pilz vom Landratsamt Amberg-Sulzbach. Deshalb könnten diese Ergebnisse auch nicht als repräsentativ gewertet werden. Pilz war einer der Redner bei der Hauptversammlung des Schweineprüfrings im Gasthaus Reinbachtal in Gaisheim. Ferkelerzeuger- und Zuchtbetriebe sollten sich am Projekt Bio-Sicherheit beteiligen, das nach dem Bayerischen Produktionshygieneverfahren gemacht werde, forderte Dr. Serdar Alpyilmaz vom Tiergesundheitsdienst Bayern auf. Dies diene der landesweiten seuchenhygienischen Absicherung der Schweinebestände und der Vermarktung der Tiere, wie er in der Versammlung sagte. Wenn der Landwirt will, werden im Zuge des Projektes Diagnose die Tierbestände und das betriebliche Management untersucht.

Landwirtschaftsdirektor Josef Schmidt vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, lobte die Arbeit der landwirtschaftlichen Selbsthilfeorganisationen wie dem Schweineprüfring. "Ohne solche Einrichtungen wäre die Situation der Landwirtschaft noch schlechter."

"Die Fusion zur EG-Südostbayern lief erfolgreich ab. Obwohl es zunächst bei einigen Landwirten Bedenken gab", war der Abteilungsleiter für Ferkelvermarktung der Erzeugergemeinschaft für Ringferkel, Peter Nißl, überzeugt. Denn eine größere Organisation könne naturgemäß bessere Preise durchsetzen.

Da die Erzeugergemeinschaft für Schlachtvieh Oberpfalz die Öko-Zertifizierung besitze, könne sie Bio-Schlachttiere mit Preiszuschlägen verkaufen, informierte schließlich Geschäftsführer Heinrich Bromberger die Versammlungsteilnehmer.
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