Ockerstubbe in Neukirchen
Der Farberde auf der Spur

Als Blickfang erwies sich bei der erstmaligen Öffnung der Ockerstube in der Alten Post in Neukirchen die Schachtausrüstung der ehemaligen "Faagrower" der Region Königstein-Neukirchen. Bild: wsl

Der bundesweite Tag des offenen Denkmals ist allemal auch ein Tag der Spurensuche. So folgten denn auch zahlreiche interessierte Bürger der Einladung zu einer Erkundung der in den letzten beiden Jahren entstandenen Ockerstube in der Alten Post am Neukirchener Bahnhof.

Anliegen der hiesigen Heimatkundler und Initiatoren war es, die nach 70 Jahren nur mehr spärlich vorhandenen Spuren einer einstmals blühenden kleingewerblichen Bergbautradition zwischen Königstein und Neukirchen zu sichern und der Nachwelt zu erhalten.

Oft Landwirte


Wenngleich in diesem Raum insbesondere in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen Hunderte von Klein- und Kleinstbergwerken sich der Farberdegewinnung widmeten, steht ein Vergleich mit der industriellen Erz- und Eisenförderung in der Region Amberg-Sulzbach mit ihren beiden Schwergewichten Luitpold- und Maxhütte zweifelsfrei außer Frage. Es waren oftmals Landwirte und Bauunternehmer, die die Ockergruben im Nebenerwerb betrieben und sich und den Beschäftigten auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einen lohnenden Zuverdienst sicherten. Viele der jüngeren Besucher der Ausstellung waren beeindruckt von der Bedeutung und der Leistungsfähigkeit des Ockerbergbaus im Westen des Landkreises an der Grenze zu Mittelfranken. Dass man mit purer Handarbeit, ohne jeglichen Einsatz von Maschinen, und mit einfachster, ja mittealterlicher Technik die wertvolle Farberde zumTeil aus beachtlichen Tiefen fördern konnte, überraschte sicherlich viele.

Vorgestellt wurden eine rustikal und mit einfachsten Mitteln gefertigte Schachtausrüstung mit Haspelbock und handgearbeiteten Holzeimern zur Hebung des Ockers sowie Bohrgeräte zur Aufspürung der meist in der Tiefe lagernden Farberde. Beides waren Leihgaben des Sulzbach-Rosenberger Stadtmuseums. Staunen lösten auch längst in Vergessenheit geratene Begriffe der Bergmannssprache wie Gezähe (Werkzeuge des Bergmanns), gutes Wetter (ausreichende Atemluft unter Tage), Fahrung (Leiter zum Abstieg in die Grube) aus. Eine Vielzahl von historischen Aufnahmen - Ansichten von Bergwerken, Personen und Farbmühlen - sowie zahlreiche Hinweistafeln und Erläuterungen vermittelten zudem einen Eindruck von dieser großartigen Bergbautradition.

Weiterhin konnten sich die Besucher anhand von Proben über die große Bandbreite der verschiedenen Ockerarten und deren Verwendung überzeugen. Heutigen Maßstäben zufolge erhielte der Ocker als natürlicher und mineralischer Farbträger wohl das höchste Umwelt- und Ökosiegel. Wer wollte, konnte sogar eine selbstgemahlene Probe Rötelocker mit nach Hause nehmen. Eine Abteilung der Sammlung widmete sich auch dem Geleucht des Bergmanns. Nur mit einer entsprechenden sicheren Lichtquelle, wie der legendären Karbidlampe, war ein Arbeiten unter Tage möglich.

Durch die Sammlung führten Heimatpfleger Walter Schraml, unterstützt von Ernst Pickel aus Schnellersdorf, einem der letzten "Faagrower" der Region. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte ein Team des Freundeskreises St. Martin, das ebenso wie die Mitarbeiter des Bauhofes für den Aufbau der Ockerstube verantwortlich zeichnete.
Weitere Beiträge zu den Themen: Bergbau (7)Bahnhof Neukirchen (2)Ockerstube (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.