Unfall beendet eine kurze Unternehmer-Karriere
Besteck und Waschbretter aus Resten von Kriegsgerät

Groß war die Produktpalette von Max Neudert nicht. Sie reichte von Besteck über Eis- und Trinkbecher bis zum Waschbrett. Bild: wsl

1968 wich das frühere Brauhaus an der Schönlinder Straße einem Kfz-Betrieb. Gleich nach dem Krieg hatte sein Kamin noch einem anderen Nutzer gedient.

Die Brautradition an dieser Stelle währte von 1809 bis in den Zweiten Weltkrieg. 1941 wurde das letzte Neukirchener Bier getrunken. Kurz nach dem Ende des Krieges siedelte sich dann an der Westseite des markanten Brauhauses eine kleine Aluminiumgießerei an. Sie nutzte zur Rauchgasabführung den hohen Kamin des Sudhauses. Als Unternehmer fungierte der aus dem Sudetenland vertriebene Max Neudert.

Dem findigen Spengler gelang es, trotz der großen Rohstoffknappheit jener Zeit das begehrte Aluminium für die Besteck- und Hausgeräteherstellung aufzutreiben. Bei Händlern gebunkerte Flugzeugteile und leichtmetallhaltige Reste von Kriegsgerät und Schrott ließ er mit einfließen. Den Ofen und die Gussformen stellte Neudert selbst her. Sein Know-how hatte er sich zuvor im Probebetrieb in der ehemaligen Trondorfer Schmiede Högner selbst angeeignet.

Gelagert wurden die "Rohstoffe" in der alten Kegelbahn des nahe gelegenen Bräukellers am Totenbergl. Im früheren Keglerheim wohnte auch die Familie des Heimatvertriebenen aus Aberthan nördlich von Karlsbad.

Lange hatte die Aluminiumgießerei allerdings nicht Bestand: Max Neudert und sein nur 15-jähriger Sohn Franz kamen im September 1950 durch einen tragischen Unfall ums Leben. Sie wurden beim Abbau von Sand unweit von Trondorf verschüttet. Der eben aus der Schule entlassene Franz hätte wenige Tage später eine Lehre als Kfz-Mechaniker in Sulzbach-Rosenberg angetreten.
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