Ausstellung über Wilhelm Lehmbruck
Suche nach einem neuen Menschenbild

"Knieende". Bilder: Museum Lothar Fischer (6)
 
"Kopf einer alten Dame".

Die Zeitenwende um 1900 mit deutlichen morbiden Erscheinungsformen in Politik und Gesellschaft bedeutete für die Kunst eine besondere Herausforderung: Sie antwortete mit einem neuen vergeistigten Menschenbild.

Von Rudolf Barrois

Der in Duisburg geborene Maler und Bildhauer Wilhelm Lehmbruck war einer der wichtigsten Protagonisten dieser Bewegung, hat als solcher ganzen Generationen von Künstlern einen neuen Weg gewiesen, so auch Lothar Fischer, der in seinem plastischen Werk den Grundgedanken eines neuen Menschenbildes fortführte. Das Museum Lothar Fischer in Neumarkt würdigt bis 22. Mai in einer Lehmbruck-Ausstellung den bedeutendsten deutschen Vertreter der Klassischen Moderne.

Thema des im Jahr 1881 bei Duisburg geborenen Bildhauers ist der Mensch. Geprägt wurde der Sohn eines Bergmannes an der Kunstakademie Düsseldorf von seinem Lehrer Karl Jansson, zog aber 1910 in die avantgardistische Kunstmetropole Paris. Dort entwickelte er unter dem Einfluss von Aristide Maillol, Amedeo Modigliani und anderen seinen eigenen charakteristischen Stil mit langgestreckten, aber immer noch ausgewogenen Proportionen. Sie drücken eine Vergeistigung der Figur aus und propagieren das neue Menschenbild des Expressionismus.

Zart und anmutig


Lehmbruck war im Grunde nicht viel Zeit gegeben: Ihm blieben bis zu seinem Freitod im März 1919 nur 20 Jahre, in denen er jedoch ein Werk von beachtlichem Umfang und großer Ausdrucksstärke schuf. Es beinhaltet nicht nur zahlreiche Plastiken, die von Kollegen Lehmbrucks mit dem Attribut "gotisch" bedacht wurden. Der Künstler hinterließ zahlreiche Zeichnungen und Gemälde, in denen er beispielsweise harmonische oder konfliktbeladene Geschlechterbeziehungen thematisiert. Im Museum Lothar Fischer werden einige dieser zarten, anmutigen Arbeiten gezeigt, die einmal mehr zeigen, wie sensibel und individuell Lehmbruck ein so intimes Sujet an allen künstlerischen Gattungen umsetzen konnte. Die Porträts belegen zudem die Verbindung des Künstlers zu zahlreichen prominenten Freunden und Kollegen.

Blickfang der Ausstellung in Neumarkt ist ohne Frage die Bronzeplastik "Die Knieende", die 1911 entstand und ihm zum internationalen Durchbruch verhalf im "Salon d' Automne". 1955 war diese Plastik, die einen besonderen Zauber ausübt, Blickfang der documenta I und der documenta III in Kassel. In gestalterischem Zusammenhang dazu steht die Bronzebüste "Geneigter Frauenkopf" als Teilstück der "Knieenden". Bezogen auf eine Großplastik ist auch die Jünglingsbüste als Teil des "emporsteigenden Jünglings".

Fotos von der Frau


Die Neumarkter Ausstellung kann mit einer Besonderheit aufwarten: Einige der Zeichnungen werden hier zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Bemerkenswert auch die Fotos von Lehmbrucks Frau Anita die offensichtlich einen unmittelbaren Bezug zu entsprechenden Porträts haben. Dabei stellt sich immer wieder die Frage, ob es (nur) um Porträts handelt oder um eine im expressionistischen Sinne vergeistigte Darstellung eines Menschentypus. Erschüttert nahm Lehmbruck, nachdem er in Berlin als Lazaretthelfer eingesetzt war, die Schrecken des Krieges war. Dokumentiert ist dies nicht nur in etlichen Zeichnungen, sondern auch in den Plastiken "Der Gestürzte" und "Sitzender Jüngling". Viele seiner Figuren drücken die Sehnsucht nach Liebe und Menschlichkeit aus.

Umfangreiches Programm


Auch Lehmbrucks Werk ist nicht das Schicksal sogenannter "entarteter Kunst" in der Nazizeit erspart geblieben. Die Familie des Künstlers hatte jedoch schon bald nach seinem Tod im Jahr 1919 dafür gesorgt, dass Lehmbrucks Erbe nicht in Vergessenheit gerät. Dies dokumentiert sich nicht zuletzt in dem Museum, das Lehmbrucks Sohn Manfred in Duisburg für seinen Vater und dessen Werk baute.

Mit der Ausstellung verbunden ist auch diesmal ein umfangreiches Programm für Schulen. Am Donnerstag, 18. Februar (14.30 Uhr und 16.30 Uhr) wird eine Einführung für Lehrer und Erzieher angeboten. Es geht dabei unter anderem um Porträtzeichnen und Weitermalen von Details aus der Ausstellung. Am Donnerstag, 7. April (19 Uhr), spricht Dr. Ursel Berger, ehemalige Direktorin des Georg Kolbe Museums Berlin über "Lehmbruck - Zwischen Pariser Moderne und deutschem Expressionismus."

ServiceAusstellung: "Wilhelm Lehmbruck - Porträts und anderes...". Bis 22. Mai.

Ort: Museum Lothar Fischer, Weiherstraße 7a, 92318 Neumarkt i.d.OPf.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr.

Information: Telefon 09181/510348 (während der Öffnungszeiten).

Weitere Informationen:

www.museum-lothar-fischer.de
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.