Wandern auf dem Kuppenalb-Weg
Freiluftkino mit Fernblick

Pfingstsonntagmorgen, Lufttemperatur 7 Grad, da waren keine Zuschauer im Freilichtkino bei Hilzhofen. Freie Auswahl auf allen Plätzen also.
 
Drastisch und plastisch hat Johann Michael Wild das Wallfahrtsgeschehen im Deckenfresko dargestellt. Unfälle passieren, Kranken wird die letzte Ölung gespendet, Behinderte mit Krücken, Adelige mit Perücken und allerlei Volk zieht hinauf zur Mutter Gottes.

Als Naturgenuss mit Weitblick wird dieser Weg von den Touristikern angepriesen. Hier haben sie einmal nicht übertrieben. Die Route führt abwechslungsreich durch eine idyllische Landschaft, wo manchmal nur die Windräder am Horizont leisen Wehmut aufkommen lassen.

Von Günter Moser

Start ist unterhalb der Wallfahrtskirche am Parkplatz des Waldfriedhofs. Einige stille Minuten sind hier angezeigt, um die kunstvollen schmiedeeisernen Kreuze zu bestaunen, die von Oberpfälzer Dorfschmieden einst geschaffen wurden. Nur wenige Minuten sind es von hier hinauf zur Kirche "Maria Heil der Kranken". Die kleine Gnadenkapelle und die Kirche selbst sollte man vor Beginn der Wanderung besuchen. Jetzt ist man noch aufnahmefähig für all die Pracht des Rokoko.

Im Deckenfresko des Amberger Malers Johann Michael Wild von 1764 könnte man stundenlang mit den Augen spazieren gehen. Musizierende Engel an den Orgelemporen geleiten uns wieder hinaus.

Direkt neben dem Diözesanjugend- und Tagungshaus des Bistums Eichstätt führt der mit "1" markierte Rundweg einen Buchenwald mit hoch aufragenden Stämmen hinab. Goldnesseln setzen farbige Akzente im frischen Grün; die erste Hinweistafel nimmt uns mit auf Entdeckungstour im Buchenwald. Nach einigen Hundert Metern geht es kurz auf einem Teersträßchen weiter, die Straße nach Velburg queren und dann rechts abbiegen in Richtung "Auf der Heid". Der ganze Weg ist mustergültig markiert, mit Richtungspfeilen versehen, sodass man kaum irrgehen kann, wenn man einigermaßen die Augen offen hält.


___ Rückschau genießen
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Auf dem folgenden Wegstück lohnt es sich öfters mal, sich umzudrehen, die Rückschau zu genießen. Die dominante Lage der Kirche auf dem 620 Meter hohen Bergkegel inmitten von Wiesengrün, Rapsgelb, Ackerbraun und Waldesdunkel ergibt immer wieder wechselnde harmonische Landschaftsbilder. Nur das Wummern der Maschinenkanonen vom Übungsplatz Hohenfels stört hier die Stille. Der Weg führt an Waldrändern entlang, auf Wiesenwegen, stückweise durch den Wald wie bei einer Allee, immer abwechslungsreich. Nach einer halben Stunde wird die Landschaft offener, mit Blick auf Oberwiesenacker und seiner Kirche St. Willibald.

Der Weg führt nun am Hang des Schanzberges entlang, der auf einer Infotafel als "Schatzkammer der Natur" bezeichnet wird. Von hier aus empfehlen wir einen Abstecher hinauf zur frühgeschichtlichen Wallanlage. Der Ausblick ins obere Tal der Schwarzen Laber ist gigantisch, die zerzausten Kiefern am Hang bilden zusammen mit den Wacholderstauden das Jurabild schlechthin. Ein idealer Platz, um eine erste Rast einzulegen. Auf einem geteerten Weg geht es nach Unterwiesenacker. Am Ortsanfang ist rechts des Wegs eine Kreuzigungsgruppe mit Blechschnittfiguren. Das Besondere daran: Engelchen und Teufelchen über den Häuptern der Schächer. Also klar zu erkennen, zu wem Jesus gesagt haben soll: "Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein".


___ 25 Klappstühle
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Der nun folgende, etwa 15-minütige Hatscher durch den Ort ist nicht berauschend. Am Ortsende jedoch ein schöner Rückblick nach Nordwesten zum Schanzberg. Jetzt wandert man etwa 20 Minuten durch offenes Gelände, vorbei an einem Wegkreuz, wo auf einem Blechbild arme Sünder im Fegefeuer schmoren. Kontrast dazu: Lerchen steigen auf, trillern ihre Lieder.

Bei der nun folgenden Teerstraße links abbiegen, nach etwa 200 Metern dann nach rechts in die Flur einbiegen. Zwei Stelen mit Sehschlitzen lenken die Blicke auf bewaldete und unbewaldete Dolomitkuppen. An Waldrändern entlang und auf Feldwegen erreichen wir nach etwa zwei Stunden Hilzhofen. Der Wind pfeift durchs Dorf, es regnet Apfelblüten und eine Bäuerin berichtet stolz von ihren selbst gezogenen Stiefmütterchen.

Ganz neu und bisher einmalig in der Region ist das am Ortsende von Hilzhofen gelegene Juradistl-Landschaftskino. Was man sich darunter vorstellen muss? Ganz einfach: Auf 25 Klappstühlen erlebt der Zuschauer von privilegierter Warte aus neben dreidimensionalen Bewegtbildern in der Kuppenalb noch Wind, Sonne oder Regen live dazu. Eine Idee, die Werner Thumann vom Landschaftspflegeverband aus Südtirol mitgebracht hat. Der nun folgende leichte Anstieg ist mit das schönste Wegstück: Leicht gewunden der Schotterweg, blühende Bäume, Wacholderstauden, bizarre Kiefern. So könnte es endlos weitergehen. Doch bald tauchen wir ein in den Wald, dann am Waldrand des Pfaffenbergs entlang, kurz auf einer Teerstraße nach rechts, dann wieder links. Ein kurzes Stück am Waldrand entlang, dann rechts hinauf, den Eichelberg queren und bald darauf stehen wir am nördlichen Ende eines Golfplatzes.

Bei der Infotafel Wallfahrtswege sehen wir unser Ziel, den Habsberg, wieder. Bis zu 35 000 Pilger besuchen jährlich die Wallfahrtsstätte. Stille und Besinnung erfahren, Gemeinschaft im Gebet, Bitten oder Danken, auf dem Weg zur Mutter Gottes sind viele unterwegs, die Zuflucht und Hilfe suchen.
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