Max Bögl und das Unglück von Werneck
Schwierige Ermittlungen

Ein Pfeiler eines eingestürzten Teilstücks des Ersatzneubaus der Talbrücke Schraudenbach der Autobahn 7. Bild: dpa

2008 in Tschechien, 2012 in der Slowakei, jetzt in Unterfranken: Bei drei Einstürzen von Brücken kamen insgesamt 13 Menschen ums Leben. Bei allen Unglücken gehörte das Oberpfälzer Unternehmen Max Bögl mit zu den Bauträgern.

Neumarkt/Werneck. (dpa/nt/az) Vor einer Woche war ein 40 Meter langes, frisch betoniertes Segment der neu gebauten Brücke an der A7 bei Werneck (Kreis Schweinfurt) in die Tiefe gestürzt. Ein 38 Jahre alter Bauarbeiter kam dabei ums Leben, 15 weitere wurden verletzt. Die Aufräumarbeiten sollen in der kommenden Woche starten. Bis dahin würden Gefahrenstellen am Unglücksort beseitigt, sagten Sprecher von Polizei und Autobahndirektion. Die Polizei bestätigte am Mittwoch, dass drei bis vier der verletzten Bauarbeiter noch immer in Lebensgefahr sind.

Bevor die Unglücksstelle gefahrlos betreten werden kann, müssen nach Angaben der Autobahndirektion Fachleute die durch das Unglück bis zum Boden gespannten Stahlseile kappen. Außerdem müssen sie Teile von einem Pfeiler entfernen, die abstürzen könnten. Das soll am Sonntag geschehen. Die alte Brücke, über die der Verkehr läuft, soll dafür kurzzeitig gesperrt werden.

Langwierige Ermittlungen


Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Sie beauftragte eine Gutachterin mit der Ermittlung der Unglücksursache. Nach Aussage der leitenden Oberstaatsanwältin wird das aber Monate dauern. "Ich rechne damit nicht vor in einem Vierteljahr", sagte Ursula Haderlein.

Ab Montag sollen die Trümmer schichtweise abgetragen werden. Die Arbeit müsse "in sehr kleinen Schritten" erfolgen, um die Unfallursache feststellen zu können, sagte ein Polizeisprecher. Ob die Brücke anschließend weitergebaut wird oder komplett abgerissen werden muss, blieb zunächst unklar.

Die Baufirma Max Bögl in Neumarkt, die den Bau der neuen Brücke ausführt, konnte den Schaden durch das Unglück auf Nachfrage nicht beziffern. Ein Sprecher bestätigte schriftlich, dass die Baumaßnahmen versichert seien, jedoch sei noch nicht klar, wer für den Unfall haften müsse. Man warte die Ermittlungsergebnisse ab. Nach eigenen Angaben hat sich die Firmengruppe Bögl seit ihrer Gründung im Jahr 1929 von einem Bauunternehmen zu einem Technologie- und Dienstleistungsunternehmen mit 6000 Mitarbeitern an fast 40 Standorten entwickelt.

Der Name Bögl taucht auch bei zwei Unglücken in der Vergangenheit auf. Bei Kurimany in der Slowakei stürzte am 2. November 2012 eine Brücke ein. Die Betonarbeiten führte die tschechische Firma Bögl a Krýsl aus. Beim Betonieren der Autobahnbrücke stürzte damals die Schalung ein, vier Arbeiter kamen ums Leben, drei weitere wurden schwer verletzt. Dass Bögl ein Teil das tschechischen Firmennamens ist, hat einen einfachen Grund: "Die Beteiligung von Max Bögl an Bögl a Krýsl ist 63,7 Prozent", informiert auf Nachfrage eine Sprecherin des Neumarkter Konzerns.

Und auch, dass bei beiden Brücken vergleichbare Konstruktionen oder Bauverfahren angewendet wurden, bestätigt sie: "Es wurde jeweils ein Traggerüst verwendet, was jedoch bei sehr vielen Brückenbauwerken der Fall ist und ein lange erprobtes und bewährtes Bauverfahren darstellt."

Zug rast in Trümmer


Ähnlich schreckliche Bilder von Unglücken gab es auch vier Jahre zuvor: Bei einer Brückenrenovierung stürzte am 8. August 2008 bei Studenka (Studenze) in Tschechien die Brücke auf eine darunterliegende Bahnstrecke. Einen Moment später fuhr der Eurocity Comenius von Krakau nach Prag in die Trümmer; zuvor hatte der Lokführer eine Notbremsung vollführt. Trotzdem waren acht Tote und 95 teils Schwerverletzte zu beklagen. Auch damals war Bögl a Krýsl mit den Betonarbeiten betraut gewesen.

"Die Hauptursache für den Unfall waren fehlende geodätische Messungen vor dem Baubeginn und während des Baus", wird Jirí Jícha, der die Ermittlungen geleitet hatte, von Radio CZ zitiert. Die Baufirma Bögl a Krýsl war mit diesen Ergebnissen nicht einverstanden. Der Fall ist bis heute in Tschechien vor Gericht anhängig.
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