Birgit Symader, Vorsitzende des Arbeitskreises Erdstallforschung, führt Besucher durch den ...
„Schrazllöcher“ beflügeln Phantasie

Imposant, aufregend und den Forschergeist weckend sind die geheimnisvollen Erdställe ("Schrazln"), die man in der Umgebung Neunburgs besichtigen kann. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
15.11.2016
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Neunburg vorm Wald/Stamsried. Erdställe, im Volksmund auch "Schrazllöcher" genannt, standen im Mittelpunkt eines interessanten Themennachmittags der Akademie Ostbayern-Böhmen. Birgit Symader, Vorsitzende des Arbeitskreises Erdstallforschung, führte die Besucher durch den Erdstall Rabmühle bei Stamsried, wo die Dimensionen der von Menschenhand geschaffenen Erdhöhle tiefe Eindrücke hinterließ.

Im Schein der mitgebrachten Taschenlampen konnte man teilweise aufrecht stehen, musste aber auch durch enge Schlupfe kriechen, um weitere Gänge und Räume zu erreichen. Im Schießl-Anwesen in Neukirchen-Balbini erfuhr die Besuchergruppe Näheres über das dort geplante Zentrum zur Erdstallforschung.

Lebendig und mit aussagekräftigem Bildmaterial erläuterte Frau Symader anschließend im Gasthaus Decker in Anwesenheit von Bürgermeister Thomas Dauch und Ortsheimatpfleger Karl-Heinz Probst den aktuellen Forschungsstand. Seit etwa 42 Jahren werden diese unterirdischen künstlich geschaffenen Gangsysteme erforscht, die meist ein Alter von mindestens 1000 Jahren haben und die in Europa weit verbreitet sind, besonders auch in der Oberpfalz. Die niedrigen, engen Gangsysteme mit Schlupfen, Nischen, Seiten- und Rundgängen geben Anlass für eine Fülle von Theorien, die kultische Zwecke oder pragmatische Gründe für ihre Entstehung vermuten.

Die fehlenden Befunde für all diese Annahmen ließen im Laufe der Zeit eine umfangreiche Märchen- und Sagenwelt mit Kobolden, Zwergen, Schrazln und Geistwesen entstehen. Zu diesem Komplex trug Erika Eichenseer, Autorin, Sammlerin und Herausgeberin von Schönwerth-Sagen, in freier Erzählung mehrere typische Geschichten vor, in denen kleine, sehr unterschiedlich beschriebene unterirdische Wesen mit Menschen in Kontakt kamen.

Die Geschichten, ähnliche gibt es übrigens auch in anderen Teilen Europas, lassen meist eine tiefenpsychologische Deutung zu, die mit wichtigen Lebensabschnitten und Verhaltensweisen korrespondieren. Bezüge lassen sich auch herstellen zu den Geschichten um die Venezianer-Mandln und Totenbräuche aus der Völkerwanderungszeit.
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