Der ewige Rebell: Hans Söllner begeistert in der Schwarzachtalhalle
Ein Quertreiber, der fasziniert

Die Fangemeinde in der Schwarzachtal feierte "ihren" Hans Söllner. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
04.05.2016
201
0

Menschenmengen strömten in die Schwarzachtalhalle, um den Auftritt von Hans Söllner zu erleben. Auch mit 60 Lebensjahren und 35 Jahren Bühnenerfahrung ist er sich treu geblieben: Als Quertreiber, bayrisches Urgestein und "wilde Sau aus Reichenhall" kämpft er weiterhin gegen staatliche Bevormundung und von ihm empfundene Ungerechtigkeit.

Was ist das Geheimnis von Hans Söllner, dass er bei all seinen Auftritten volle Häuser vorfindet? Bereits beim Betreten der Bühne empfängt ihn ein Begeisterungssturm von Hunderten von Gästen. Mit Jeans und T-Shirt nimmt der Künstler auf dem Hocker Platz, die Gitarre liegt auf seinem Schoß, der Marshall-Verstärker steht daneben. Mehr braucht Söllner nicht; die Gitarre, auf der er immer wieder herumzupft, kommt bei den wenigen Liedern nicht oft zum Einsatz.

Es sei heutzutage nicht einfach, Unterhaltungskünstler zu sein, stellt Hans Söllner fest, alles "da draußen" sei so ernst. Damit ist er mitten im Geschehen und bei seinem Lieblingsthema - der Polizei. Den Führerschein habe er bis jetzt nicht hergegeben, es sei ja sein Eigentum und er würde ihn vielleicht nicht wiederbekommen. Beifallsrufe begleiten Aussagen wie diese: "Als ich vier Tage nach einer Gerichtsverhandlung über Richter im Allgemeinen herzog, bekam ich vier Anzeigen." Die Stimmung im Saal ist bestens, genau solche Angriffe auf die Obrigkeit sind es, die das Publikum hören will.

Das Publikum liebt den charmant lächelnden Revoluzzer und seine wilden Ideen. Wenn er die Leute aufruft, die Polizisten zu ärgern, oder wegen der Massentierhaltung ein Jahr auf das Essen von "Hendln" zu verzichten. Er tut dies nicht schulmeisterlich, sondern auf nette, lockere Art. Der Erdogan hätte ein Gegengedicht an Böhmermann schreiben sollen, anstatt ihn anzuzeigen, empfiehlt Söllner. Oder Böhmermann hätte besser ein Liebesgedicht an den türkischen Staatsmann schicken sollen, das hätte ihn tiefer getroffen, nimmt er zu aktuellen Themen Stellung.

Das Heimatlied "Mir san no so richtige Bayern" wird von den Fans schon erwartet. Sie klatschen und singen mit, wenn er vom Fensterln, Schmalzler und "30 Liter Stoff" singt und begleiten den Text, der von Disco und den Kiffern handelt. Dieses Lied stammt aus seinem erfolgreichen Album "Hey Staat", das Ende der 1980er Jahre erschien, und ist durch die Textpassage "Heit fahr ma a boar Asylanten zam, mit unsana BMW" nach wie vor brisant und aktueller denn je. Gelegentlich redet der Künstler sich in Rage und schüttelt den Kopf über die "Rindviecher" und "Drecksäue". Dann fängt er wieder an zu lachen, greift zur Gitarre und singt von "Blumen und Farben" und "Ihr seids alle gleich".

Hans Söllner ist sich in all den Jahren treu geblieben. Jahrelange Prozessflut, Verfolgungen, Hausdurchsuchungen und Strafen in Rekordhöhe haben ihn nicht gebrochen. Er kämpft weiter für die Freiheit der Worte und der Lebenseinstellungen - nach dem Motto: "Man kann die Welt nicht verändern, nur die Sichtweise." Dafür lieben ihn seine Fans. Erst nach einigen Zugaben und tosendem Applaus lassen sie ihn abtreten.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.