Hannes Ringlstetter in der Schwarzachtalhalle
Burnout ohne Dialekt

Der "Allrounder Ringlstetter" begeisterte sein Publikum mit Wortwitz, Liedern, Mimik und Gestik. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
03.11.2014
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Zwei Stunden lang sprang Kabarettist und Musiker Hannes Ringlstetter von einer Pointe zur nächsten und schlüpfte blitzschnell in verschiedene Rollen. Das Publikum in der Schwarzachtalhalle war begeistert.

Eigentlich stand nicht nur Hannes Ringlstetter auf der Bühne, sondern gleich vier Typen. Da war der "Landwirt" aus Niederbayern, der "Sprache als Medium der Leute sah, die zu faul zum Schweigen sind". Die "paranoide Lehrerin" aus Franken und der "Wiener", dessen einziger Lebensinhalt Frauen sind, bildeten zusammen mit dem Kabarettisten die Charaktere, die in allen Lebenslagen "ihren Senft" dazugeben und die der "Allrounder Ringlstetter" mit Wortwitz, Liedern, verschiedenen Dialekten, Mimik und Gestik darstellte.

Cham "wie Gaza-Streifen"

Kabarett, Revue, Musikshow und Stand-Up-Comedy wurden im "Fünf-Sterne-Hotel Zum Ringlstetter" dargeboten. "Wer ist aus Cham?", fragte der Kabarettist und bezog das Publikum von Anfang an in seine Show mit ein. Cham sei für Niederbayern wie der Gaza-Streifen - "eigentlich ein besetztes Gebiet, aber sie mucken auf". Steuern, Lehrer, Energiewende, Burnout, Werbung, Wellness und Klimawandel - Ringlstetter ließ kein brisantes Thema aus und fand seine eigenen Interpretationen und Lösungen.

Lösung für den Klimawandel

So sah er im niederbayerischen Landwirt die "Säule des Klimawandels" - ohne ihn gäbe es keinen. "Dann bauen wir vier Mal pro Jahr Kartoffeln an", lautete die einfache Lösung. Oder man baue jetzt "Solar" an, der trage das ganze Jahr. Sogleich griff Ringlstetter wieder zu seiner Gitarre und stimmte das Heimatlied "Solareinheit" an. Wo früher Kühe lebten und Hopfen angebaut wurde, stehen jetzt Hallen "ohne was drin", aber mit "Solar" am Dach. Vor der Einsturzgefahr der Hallen müsse man keine Angst haben, sie seien ja "so laar". Das Publikum klatschte begeistert mit, was Ringlstetter spöttisch mit seinen Auftritten in Hessen verglich: "Da hams koa Stimmung!"

Noten statt Schläge

Lehrer hätte er werden sollen, so wie sein Vater, der heute immer noch Wikipedia korrigiert. Aber nach seinem Studium habe er erkannte, dass das Lehrerzimmer ein "sozialer Brennpunkt" sei. Sein Lied "I bin a Lehrer" gefiel mit dem listig gesungenen Refrain "Ich hau' keinem auf die Pfoten, meine Mittel sind die Noten." Nicht nur Lehrer haben Burnout, sondern auch Tiere wie der Biber seien davon betroffen. Burnout entstehe, wenn Menschen nicht heimatverbunden seien und keinen Dialekt mehr sprechen. Die Stammtischparole "Think global, bedrink yourself regional" könne hier helfen. Allerdings werde es mit dem Dialekt manchmal auch übertrieben. So sei in Landgasthäusern statt "Dessert" häufig "Ebbs Siaß" lesen. Konsequenterweise müsse der Zahnarzt dann auch "Fotznspangla" heißen.

Mit einem "Lied für die Oma" schloss er sein offizielles Programm. Natürlich gab es eine Zugabe mit der "Oberpfalz-Hymne". Für sein zweistündiges Nonstop-Programm erntete er frenetischen Applaus.
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