Joachim Kendzia, einst evangelischer Pfarrer in Neunburg, stellt Gedichtband vor
Leben in Lyrik verpackt

Groß war das Interesse, als Joachim Kendzia in der Buchhandlung am Tor Auszüge aus seinem Gedichtband vortrug. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
10.11.2016
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Die Stühle in der Buchhandlung am Tor reichten bei weitem nicht aus, um allen Gästen einen Sitzplatz zu bieten. Der Autor, der hier sein lyrisches Lebenswerk vorstellte, war einst als Pfarrer in Neunburg tätig.

Wegen des enormen Andrangs mussten einige Interessierten, die zur Lesung von Joachim Kendzia gekommen waren, sogar auf Sitzwürfeln, Kinderstühlchen, Treppen und Podesten Platz nehmen, auch Bürgermeister Martin Birner bekam gerade noch einen freien Platz auf den Stufen.

"Hommage an die Stadt"


Mit dem Gedichtband "Ich war noch nie in Abrams Schoß" stand die Vorstellung des lyrischen Lebenswerks des früheren evangelischen Pfarrers (bis 2001 wirkte er in Neunburg) im Herbstprogramm des Kunstvereins "Unverdorben". Vorsitzende Beate Seifert, die zum Buch das Titelbild beigesteuert hatte, begrüßte die vielen Gäste und freute sich, dass Neunburg zur engeren Heimat des in Schönthal wohnenden Dichters geworden ist. Kendzia bezeichnete den Gedichtband auch als "Hommage an die Stadt Neunburg".

Die "Frage nach Gott" steht über dem Büchlein mit religiöser Lyrik. "Religiöse Lyrik ist kein Renner auf dem Büchermarkt, aber sie ist die ehrlichste Gattung", darauf wies Kendzia hin. Sie gebe etwas von der inneren Spannung des Schreibers wieder, sie sei der Kampf um die Aufrichtigkeit dem unsichtbare Gott gegenüber, bekannte er. "Am Himmel reift Unendlichkeit zwischen Angst, Trotz und Glück kommst du mir nah", lauteten Gedichtzeilen, die der Lyriker auf dem Sofa sitzend vortrug.

Die eingefangene "Stimmung an der Ostsee" mit Freude an der warmen Luft führte zu dem Ausspruch: "Mein Gott, wie ist das schön!" Dankbarkeit an der schönen Natur spürte man bei vielen der 127 Gedichte des Büchleins, sei es, dass sich die Sonne fortgemacht habe "wie eine müde Kerze" oder die Blätter wirr vom Baum wirbeln in ungeahnte Ferne. Auch schwierige Lebensabschnitte wie ein Krankenhausaufenthalt oder seine Jugend in Berlin-Kreuzberg wurden in Gedichten und Sonetten verarbeitet ("Sehnsüchte schwankten wie Ebbe und Flut.").

Episoden zum Schmunzeln


Aus der Zeit, als Kendzia vor seinem Theologiestudium Erzieher in der Jugendstrafanstalt war, stammte das Gedicht "Heim(weh)kinder": "Sie tragen Trauerflor im Blick und schreien nach dem großen Glück. Vom Heimweh abgetrieben - wer wird sie lieben?" Aus der "Weihnachtsecke" und aus der "Sammelkiste" trug der Schriftsteller alltägliche Vorkommnisse vor, die auch zum Schmunzeln anregten.

In der gut halbstündigen Lesung, die durch Alfred Weiß und seine Gattin sowie Kulturbeauftragten Karl Stumpfi zustande gekommen war, erhielt das Publikum einen Einblick in das breite Repertoire des Gedichtbandes. Wer in Ruhe zu Hause die Gedichte nachlesen und durchdenken wollte, konnte das Büchlein kaufen und signieren lassen.
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