Kabarettist Hans Klaffl nimmt Auswüchse des Schulalltags aufs Korn
Lachen über Lehrplan-Frust

Hans Klaffl, der als pensionierter Lehrer den Schulalltag wie seine Westentasche kennt, versteht es vortrefflich, diesen als Kabarettist so darzustellen, dass es dem Publikum vor Lachen Tränen in die Augen treibt. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
09.05.2016
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Hans Klaffl ist in zweierlei Hinsicht ein Meister seines Fachs: Als Lehrer kennt er die Auswüchse des Schulalltags, als Kabarettist versteht er es, Schülerausreden, Probleme mit Pubertierenden, aber auch Lehrer mit ihren Eigenheiten so genial und scharfzüngig darzustellen, dass das Publikum Tränen lacht.

Apropos Publikum: Gefühlte 90 Prozent der Zuschauer schienen Lehrer zu sein, die zum Soloprogramm "Restlaufzeit: Unterrichten bis der Denkmalschutz kommt" in die Schwarzachtalhalle gekommen waren. Klaffl stellte den "Lehrkörper am Lukas-Podolski-Gymnasium" vor, die alle kurz vor der "Begnadigung" stehen. Da ist der Sedlmaier, der durch seinen Sprachtick "Ja, pf" auffiel. Kollege Gütlich hingegen, der noch "am längsten abzusitzen hat", leidet an Burn-out und hat "einen mehrstimmigen Tinnitus". Gmeinwieser ist ein "langsamer Brüter, der noch Restlaufzeit hat" und Altphilologe Gregorius weist ständig darauf hin, dass Cicero mit zwei K gesprochen wird.

Pädagogik aus dem Panzer


Neu an der Schule und auch im Programm ist Hausmeister Grantinger, der Panzerfahrer bei der Bundeswehr war und somit "pädagogisch vorbelastet" ist. Diese schrägen Typen baute Klaffl immer wieder in sein Programm ein und erzeugte dadurch wahre Lachsalven. Mit vollem Körpereinsatz zeigte Klaffl die sieben Möglichkeiten, eine Folie falsch auf den Overheadprojektor zu legen. Powerpoint, die "Fortsetzung des Frontalunterrichts mit verschärften Mitteln", verursache bei den Schülern ein Schleudertrauma, wenn Buchstaben einfliegen, wippen und dann auf ihrem Platz landen.

In Liedern, die er mit Kontrabass oder am Flügel begleitete, verarbeitete er manchen Frust über Schüler, Lehrpläne, Eltern oder moderne Technik. Der Wandertag zähle wie der Feueralarm zu den "kulturellen Veranstaltungen an der Schule", seine Grundlage finde sich bereits in der Bibel: "Sie trugen seltsame Gewänder und irrten umher." Heute nähmen die Schüler ihr Smartphone mit, um sich beim Wandern einen Naturfilm anzuschauen. Zum Schießen, wie Klaffl eine Methode entwickelte, um die Schülergruppe zusammenzuhalten: "Einen Ohrstöpsel ins eigene Ohr, den anderen ins Ohr des Nachbarn." Den vordersten Stöpsel bekomme der Lehrer. Seine Meinung zum Kompetenzerwerb des neuen Lehrplans äußerte Klaffl eindeutig: "Statt fundiertes Grundwissen wird grundiertes Fundwissen vermittelt." Für Lacher sorgten auch die durch Computer-Bausteine zusammengesetzten Zeugnisbemerkungen.

Wenn der Metzger lehrt


Nach der Pause trat er als grantelnder Hausmeister im blauen Arbeitsmantel auf und beschwerte sich über die Vegetarier unter den Lehrern, die immer "eine Extrawurst" brauchen. "Quereinsteiger" helfen als Lehrer, die Schule am Laufen zu halten. Da könne ein Metzger Biologie unterrichten oder ein Banker Ethik. Leute, die alles können, gehen allerdings in die Politik, besonders ins Kulturministerium. "Karl Theodor zu Guttenberg - nicht der Drucker, sondern der Kopierer - wäre die Traumbesetzung als Kultusminister." Analog zur Bundeswehrreform würde er die Schulpflicht abschaffen und mit 15 000 Freiwilligen weitermachen.

Nach dem Lied "Ich bin Lehrer von Beruf", in dem die "Wertschätzung der Gesellschaft" zum Ausdruck kam, und weiteren brisanten Themen wurde Klaffl mit viel Applaus vom Publikum verabschiedet. Ob die Eintrittskarten zu dieser "überregionalen Lehrerfortbildung" von der Steuer abgesetzt werden können, war an diesem Abend nicht zu klären.
Statt fundiertes Grundwissen wird grundiertes Fundwissen vermittelt.Kabarettist Hans Klaffl zum Thema "Kompetenzerwerb des neuen Lehrplans"
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