LTO zeigt Stück "Glorious" in der Schwarzachtalhalle
Traum von Musikkarriere gelebt

Regisseur Till Rickelt hat mit einer Top-Besetzung eine bemerkenswerte Komödie geschaffen. Die LTO-Darsteller (von links) Juliane Lang, Valentina Locci, Adnan Barami, Claudia Lohmann, Sophia Mindel und Uli Scherr bedanken sich für den Applaus des Publikums. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
12.03.2016
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Mit der Komödie "Glorious" von Peter Quilters brachte das Landestheater Oberpfalz (LTO) die Geschichte der Florence Foster Jenkins auf die Bühne. Die amerikanische Sopran-Sängerin wurde für ihre Auftritte vielfach belächelt, da sie weder Ton noch Rhythmus der vorgetragenen Kompositionen traf.

Mit Ohrensessel und Grammophon wurden die Gäste in der Schwarzachtalhalle auf das New York der 1940er Jahre eingestimmt, in dem Titelheldin Florence Foster Jenkins (Claudia Lohmann) als Gesellschaftsereignis gefeiert wird. Cosme McMoon (Adnan Barami), ein junger Pianist, wird als Begleiter für die Gesangsdarbietungen von "Madame" engagiert, realisiert aber bereits bei der ersten Probe, worauf er sich eingelassen hat.

"Nektar der Götter"


Er ist hin- und hergerissen zwischen Entsetzen über ihre "musikalischen Fähigkeiten" und der Bewunderung für ihren starken Willen und das Festhalten an ihrem Lebenstraum. Er begleitet sie bei ihren Auftritten auf Wohltätigkeitsveranstaltungen der High Society. Mit von der Partie ist Foster Jenkins' Lebenspartner, St. Clair Bayfield, der von Uli Scherr grandios dargestellt wird. Er verehrt seine Partnerin ("Sie ist der Nektar der Götter", "Sie ist nicht von dieser Welt"), lebt er doch als wenig erfolgreicher Theatermime recht gut vom Nachlass ihrer Eltern. "Sie ist ein Symbol für alle, die einen Traum haben und es nicht wagen, ihn zu leben", so charakterisiert St. Clair die Willensstärke von "Madame".

Für Lacher im Publikum sorgt die stets missgelaunte Haushälterin Maria (Valentina Locci), die mit spanischem Temperament über die Bühne wirbelt und lautstark ihren Unmut kundtut. Ihr kommt bei der Inszenierung des Stücks, das Regisseur Till Rickelt bearbeitet hat, auch die Rolle des Kulissenumbaus zu. Rollende Wände, die hin- und hergeschoben werden, bilden die jeweilige Location. Farbe bringt auch die schillernde, exzentrische "beste Freundin" des Hauses, Dorothy (Sofia Mindel), mit ihrem apathischen Pudel Ricky ins Geschehen. Als Ricky zu Grabe getragen werden muss, sorgt eine Verwechslung für schaurig-lustige Momente.

Glamourös meistert die Titelheldin ihre Rolle. Sie hegt zu keiner Sekunde Zweifel, dass ihre engelsgleiche Stimme die ganze Welt bezaubert - auch nicht, als sich Kritik und Zweifel immer stärker bemerkbar machen und Mrs. Verindah-Gedge (Juliane Lang) sogar eine Petition vorbringt. "Mein Publikum ist immer sehr laut und liegt unter den Stühlen, aber bei Frank Sinatra fallen auch viele in Ohnmacht", ist ihr lapidarer Kommentar dazu.

Gram über Kritik


Die Situation spitzt sich zu, als Florence einen Aufritt in der Carnegie Hall annimmt. Das Konzert ist ausverkauft, auf dem Schwarzmarkt kosteten die Eintrittskarten Unsummen. Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein absolviert sie diesen Auftritt im Engelskostüm. Kurze Zeit später stirbt Florence an einem Herzinfarkt, vermutlich aus Gram über vernichtende Kritiken. Einen berühmten Satz, der auch auf ihrem Grabstein steht, soll sie stets Kritikern vorgehalten haben: "Die Leute sagen vielleicht, dass ich nicht singen kann. Aber niemand kann behaupten, dass ich nicht gesungen habe."

Mut zum FalschsingenNach dem großen Zuspruch und den begeisterten Reaktionen auf die Produktion "Ladies Night", die im vergangenen Jahr in der Schwarzachtalhalle gezeigt wurde, und das Stück "Die lustigen Weiber von Windsor", das im Burghof aufgeführt wurde, setzte das LTO mit diesem Stück seine Kooperation mit Neunburg fort. Wie bei "Ladies Night" galt es auch hier, eine Gruppe von Darstellern zu finden, die sich den besonderen Herausforderungen stellt, allen voran Claudia Lohmann, Darstellerin der Diva.

Ihr und Gesangscoach Sandro Augustin kam die undankbarste Aufgabe zu: Die im Stück vorgesehenen Gesangspartien mussten erst zeitintensiv "richtig" einstudiert werden, um sie dann in der Vorstellung "falsch" zu singen. Dies erforderte viel Mut und darstellende Courage. (weu)
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