Luise Kinseher in der Schwarzachtalhalle
Leberkäse hilft gegen Stress

Luise Kinseher schlüpfte in der Schwarzachtalhalle in verschiedene Rollen und überzeugte das Publikum mit Schlagfertigkeit, lockerer Unterhaltung sowie schauspielerischem Talent. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
13.03.2016
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Als "Bavaria" liest sie regelmäßig den Politikern auf dem Nockherberg die Leviten. In der Schwarzachtalhalle schlüpfte die niederbayrische Kabarettistin und Schauspielerin Luise Kinseher in mehrere Rollen und ließ ihre Bühnenfiguren lebendig werden.

"Haben Sie Stress?" Mit dieser Frage trat Luise Kinseher in der Schwarzachtalhalle vor die Zuhörer. Ein Elektriker, eine Hausfrau, ein Agraringenieur und ein IT-Betreuer aus dem Publikum beantworteten diese Frage und waren bereits mitten im Geschehen. Die Kabarettistin sei froh, ein normales Publikum vor sich zu haben, am Nockherberg sei das nicht so.

Das Leben ist hektisch


Das Leben sei hektisch und geprägt von Problemen wie Krieg, Luftverschmutzung, Flüchtlingen und der CSU. Da gelte: "Ruhe bewahren", der Titel ihres Programms. Mit Radler und Leberkässemmel sei alles durchzustehen. Sie sinnierte über ihre barocke Figur, die in dem knappen schwarzen Kleid gut zur Geltung kam: "Mit 47 haben viele ein Haus, Kinder und einen erwachsenen Mann - ich habe nur Gewichtsprobleme." Ein Gutmensch sei ihr Ex, der Eberhard, gewesen. Er war jedoch zu knausrig, um zum Italiener zu gehen: "Von dem Geld können Flüchtlingsfamilien eine Woche leben." Wie ein roter Faden zog sich ein erwarteter Handyanruf ihres Märchenprinzen ("intelligent, geistreich, erotisch - wie ich"), den sie im Fahrstuhl kurz gesehen hatte, durch das Programm. Er könnte Galerist in New York oder auch nur ein verheirateter rechtsradikaler Waffenhändler sein, je nach ihrer Stimmungslage. Auf jeden Fall signalisiere seine Botschaft "Bis bald", dass es sich lohne, auf ihn zu warten.

Rasant wechselte die Kabarettistin vom einfachen Mädel aus dem niederbayrischen Geiselhöring zur vergrämten Helga Frese im Lodenmantel, deren Mann an Alzheimer leidet. "Sein Geist ist nicht mit ihm mitgewachsen, in der Küche hat er auf den Bus gewartet", ertönte es im feinsten Hochdeutsch. Früher sei alles besser gewesen, die Zeit verging langsamer. Der Mixer sei nur dazu erfunden worden, um die Zeit fürs Kauen zu sparen. Selbst die Kirche biete mittlerweile eine App zur schnellen Buße an unter dem Motto: "Wer schneller büßt, hat mehr Zeit zum sündigen." Allerdings sei das menschliche Gehirn nicht so schnell wie das Internet. Die Finanzkrise sei deshalb entstanden, weil Banker viel Geld um die Welt geschickt haben, aber evolutionsmäßig noch nicht so weit waren, um es zu verstehen.

Physik im Morgenmantel


Als alkoholisierte Maria im bunten Morgenmantel, die mit schwerer Zunge versucht, die Quantenphysik zu erklären, hatte sie die Lacher auf ihrer Seite. Ihre Stärke sind die Schlagfertigkeit, die lockere Unterhaltung mit dem Publikum und ihr schauspielerisches Talent. Zum Schießen, wie sie sich verkrampfte, um die Yoga-Figur des "herabschauenden dreibeinigen Hundes" darzustellen. "Das ist wie Gnadenhof-Gymnastik auf Gut Aiderbichl", lautete ihr Kommentar dazu. Vegetarier und Facebook-Freunde drehte sie ebenso durch die Mangel wie Politiker. Wieso lächelt Ilse Aigner immer und warum hält Ludwig Spaenle die Bildungsmisere aus? Logische Konsequenz: "Die nehmen alle etwas ein."

Aus ihren Träumereien riss sie schließlich der ersehnte Anruf auf dem Smartphone. Das Publikum spendete viel Applaus für die Kabarettistin, die neben Auftritten in "Ottis Schlachthof" und Rollen im "Café Meineid" und bei "München 7" besonders als Bavaria am Nockherberg bekannt wurde.
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