Mundart-Projekt der Scherr-Realschule erreicht das Zielband
Dialekt ist ein Stück Heimat

Eine lebendige und abwechslungsreiche Veranstaltung rund um das Thema Dialekt: Schülerin Maria Kalb (Mitte) begeisterte zusammen mit dem Schulchor und der Lehrerband mit selbstgetexteten Liedern in Mundart. Bild: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
18.07.2016
76
0
 
Der Oberpfälzer Liedermacher Dr. Hubert Treml ergänzte die Veranstaltung mit Mundartliedern und unterstützte die Schüler im Vorfeld bei der musikalischen Bearbeitung von Mundartliedern. Bild: weu

Sprechen "wäi da Schnowl gwachsn is'" - das steht an der Gregor-von-Scherr-Realschule ganz groß im Lehrplan. Die Präsentation des Projekts "Lebendige Mundart" zeigte, mit welcher Begeisterung sich Jugendliche mit Dialekt beschäftigen und welche Vielfalt an Ausdrucksformen dadurch entsteht.

"D'Schöll is weja Ameisnhaffa" sangen die Mitglieder des Schulchors mit Gitarrenbegleitung durch Dr. Hubert Treml. Das "offizielle Schullied" mit dem Titel "Wejderawöll" haben Schüler unter Mitwirkung des Oberpfälzer Liedermachers bereits in einem früheren Projekt komponiert.

Rektorin Diana Schmidberger begrüßte zur Abschlussveranstaltung der Arbeitsgruppe Dialekt, die sich das gesamte Schuljahr unter der Leitung von Fachoberlehrerin Maria Schießl mit den Varietäten der bairischen Mundart auseinandergesetzt und daraus ein illustriertes Sachgruppenwörterbuch erarbeitet hat, besonders Landrat Thomas Ebeling und Bürgermeister Martin Birner. Ihr Dank galt der Stiftung "Wertebündnis Bayern", die mit Ingrid Ritt (Straubing) vertreten war, und vor allem der Sparte "Mundart wertvoll", in der das Schulprojekt angesiedelt ist.

Sechs Bereiche erforscht


Die vielen Besucher erlebten in der Turnhalle einen kurzweiligen Abend, bei dem Projektergebnisse aus sechs Bereichen (Sprachgeographie, Hausnamen, Personencharakterisierung, Ernährung, Pflanzen und Tiere, Brauchtum) präsentiert wurden, die Stefan Dirscherl anmoderierte.

Nach der bairischen Version von Eric Claptons "Tears in heaven", die von Maria Kalb und der Schulband unter dem Titel "Wenne de im Himml seech" dargeboten wurde, folgte mit der "Gschicht vom bäisn Fritzl" aus dem "Struwlbäider" ein Vergleich der verschiedenen Prägungen des Dialekts von Nittenau und Schneeberg. Während im südlichen Teil des Landkreises "ua"-Laute vorherrschen, etwa in "Kuacha", klingen weiter östlich eher "ou"-Laute, also "Koucha". Ganz extreme Ausprägungen findet man in Muschenried, was Schüler mit dem legendären Spruch "um drävirdl Drä greijkt's Käwal a Hä" demonstrierten.

Zum Bereich "Hausnamen" zeigten die Schüler drei Personen, die Hans Roßmann heißen, die aber erst durch die Hausnamen eindeutig zu identifizieren sind: Der "Büldhauer Hans", der "Gürtlwewa Hans" und der "Weißgawa Hans". Mit dem Lied von der "Annamirl hinterm Stodldaouadirl" leitete Hubert Treml zu den Personencharakterisierungen über, für die der Dialekt sehr ausdrucksstarke und bildhafte Formulierungen bietet. "Da Suppmkaschper" und "Lehrer Lämpl" aus "Max und Moritz" boten dazu viele Beispiele.

Die Schüler zeigten anhand des "Dialektseppls", dass es gerade für Körperteile viele verschiedene Wörter im Dialekt gibt: Goschn, Schedl, Zodl, Luser, Bugl, Griffl, Zaicha, Maal, Biemois, Hoa, Lusawaschl oder Finga. Kirchliche und weltliche Bräuche rundeten die Präsentation ab. Zum Abschluss sang der Schulchor "I ho an Dram" nach der bekannten Rede "I have a dream" von Martin Luther King.

"Die Schüler sind dem Titel des Projekts mehr als gerecht geworden", betonte Koordinatorin Maria Schießl in ihrem Schlusswort. Sie hätten Mundart sehr lebendig präsentiert und aufgezeigt, wie aktuell und lebendig der Dialekt ist. Er trage zum Heimatbewusstsein bei und sei Mittel zur Identitätsstiftung. Diese regionale Vertrautheit sei gerade in Zeiten der Globalisierung sehr wichtig.

Das Buch gibt's im Herbst


Am 28. Oktober wird das Dialektprojekt in München im Maximilianeum vorgestellt, das Buch im Herbst erscheinen. Bei einem Imbiss mit Köichl, Schoitnkejchl und Schmierkoucha wurde der Dialekt unter den Gästen noch eifrig gepflegt.

Dialektpflege bedeutet nicht das Anbeten der Asche, sondern das Weitertragen der Glut.Aufschrift auf dem Programmheft


Von Küche bis NaturZum Bereich Ernährung "servierten" die Schüler auf der Leinwand Begriffe wie Braoudsuppm, Schobberler, Bräislboad, Erpfldodsch und Schoidnkejchl, Hubert Treml sang dazu vom "Kirwakoucha". Beispiele aus dem Bereich "Tiere und Pflanzen" waren Mülchschäck (Löwenzahn), Buzlkou (Tannenzapfen) und Berndatscher (Bärenklau). (weu)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.