Musikalisch-satirische Zugabe beim Kunstverein
Poesie, Gstanzl und derbe Erotik

Die "4 Unverdorbenen" (von links: Jürgen Zach, Franz Schöberl, Karl Stumpfi und Klaus Götze) bereiteten dem Publikum einen musikalisch-satirischen Abend der Extraklasse. Bild: Mardanow
Kultur
Neunburg vorm Wald
27.01.2016
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Die Kombination aus Musik und Literatur kam hervorragend an: Volle Hütte herrschte in der Alten Seilerei, als der Kunstverein Unverdorben eine Zugabe der Satire-Lesung "Von komischen Käuzen" präsentierte.

Bereits während des Kunstherbstes hatte sich dieser bayerisch-österreichische Satiregipfel als Publikumsrenner entpuppt. Und auch bei der Wiederholung am Dienstagabend waren die Plätze im Lokal bereits eine halbe Stunde vor Beginn nahezu komplett besetzt. Und der Appetit des Publikums auf hintergründige Texte und handgemachte Musik sollte schnell gestillt werden.

Die "4 Unverdorbenen" nahmen ihre Zuhörer auf eine literarische Zeitreise mit - "wir gehen rund 100 Jahre zurück", stimmte Rezitator Karl Stumpfi die Zuhörer zu Beginn ein. Wegbegleiter waren bekannte Autoren wie Karl Kraus, Ludwig Thoma oder Friedrich Torberg. Durch Mimik, Gestik und einen Vortragsstil, der vom bayerischen und österreichischen Dialekt bis zur Berliner Schnauze reichte, setzte Stumpfi die einzelnen Texte geschickt in Szene.

Da wechselte bissige Gesellschaftskritik mit humorvoller Lyrik, die Zuhörer schmunzelten über die experimentelle Poesie von Ernst Jandl ("Ottos Mops"), grinsten über provokante Couplets und amüsierten sich über die "deftige Bauern-Erotik" (Stumpfi) eines Oskar Maria Graf und Fritz Grünbaums Loblied auf den Liebhaber seiner Frau. Die Musiker Klaus Götze (Gitarre), Jürgen Zach (Gitarre, Gesang, Bass) und Franz Schöberl (Akkordeon) untermalten die Lesung. Musikalisch gaben sie zu "Nüchtern bin i allaweil so schüchtern", in frechen Neunburg-Gstanzln nahmen sie das fehlende Festspiel-Dach, die Drogeriemarkt-Ruine in der Hauptstraße und fehlende Parkplätze aufs Korn und besangen die "Blume aus dem Gemeindebau".

Mit begeistertem Applaus und Bravo-Rufen bedankte sich das Publikum für zwei "erlesene" Stunden - zum Finale hatte Karl Stumpfi noch Kabarett-Altmeister Gerhard Polt zu Wort kommen lassen. Mit dieser literarisch-musikalischen Zugabe hat der Kunstverein Unverdorben bereits Appetit auf seine nächsten Veranstaltungen geweckt.
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