Neue Sonderausstellung im Schwarzachtaler Heimatmuseum eröffnet
Relikte mit "Wirtshausgschmoch"

Einen umfangreichen Spaziergang durch die Neunburger Brauerei- und Wirtshaus-Landschaft ermöglicht die neue Sonderausstellung des Schwarzachtaler Heimatmuseums. Zahlreiche Exponate und Fotos rücken ein Stück Oberpfälzer Wirtshaus-Kultur in den Blickpunkt. Bilder: Mardanow (3)
Kultur
Neunburg vorm Wald
24.05.2016
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Verzierte Porzellan-Medaillons zierten einst die Deckel der Bierkrüge.

Der "Kondit am Schlagzeug" bediente seine Gäste, im Spital wurde Bier gebraut und auf dem Adlwirtskeller spielten Musikanten zünftig auf: In einem besonderen Kapitel Heimatgeschichte blättert das Schwarzachtaler Heimatmuseum mit seiner neuen Ausstellung.

Die Sonderausstellung "Brauereien, Wirtshäuser & Sommerkeller" macht aus Neunburger Wirtshausgschichtn einen Teil der Ortsgeschichte. Zur Eröffnung am Sonntag, passend zum Internationalen Museumstag, lockte die Thematik rund um Hopfen, Malz und Gastro-Historie fast 150 Gäste in den Schlosssaal.

In seinem Einführungsvortrag nahm Museumsleiter Theo Männer die Zuhörer auf eine Wirtshaustour zu den Brauereien, Wirtschaften und Sommerkellern in Stadt und Umland mit. Es ging bis ins Jahr 1354 zurück, in dem Pfalzgraf Rupprecht II. der Stadt Neunburg das Braurecht verliehen hatte. Braurecht sei in früheren Zeiten mit dem Bürgerrecht verbunden gewesen, führte Männer aus: Um 1800 waren 84 Neunburger verzeichnet, die selbst Bier herstellen durften.

Doch von der jahrhundertelangen Bier-Tradition sind nur mehr Relikte vorhanden - die Schließung des Weißen Brauhauses im Vorjahr bildete das Schlusskapitel. Insgesamt rief der Museumsleiter 23 Brauereien in Stadt und Umland in die Erinnerung zurück, darunter den Frankbräu und die Jakobsbrauerei in der Vorstadt, den Spitalbräu und die Bergbrauerei Jehl in der Hauptstraße. Sogar ein Kurfürstliches Brauhaus gab es, und ein Kommunbrauhaus, in dem neun Wirte ihren Gerstensaft herstellten. Die einzig verbliebene "Bier-Fabrik" im Altlandkreis ist die Familienbrauerei Jacob in Bodenwöhr, deren Chef Marcus Jacob die Schirmherrschaft über die Sonderausstellung übernommen hatte.

Sogar den König bewirtet


Mit der nächsten Etappe erreichte der Streifzug in die Vergangenheit die Gasthäuser und Wirtschaften in Neunburg. Da gab's ein Wiedersehen mit der 1896 begründeten Bahnhofsrestauration Bottenhofer (heute "La Mamma"), mit dem "Cafe Rheingold" in der Vorstadt, das von Hans Roßkopf, dem legendären "Kondit am Schlagzeug" bewirtschaftet wurde und dem früheren Gasthof Zur Post. "Das war damals das erste Haus am Platz", berichtete der Museumsleiter. Sogar Bayerns König Max II. habe 1849 dort genächtigt.

Außerdem erinnerte Männer unter anderem an das Café Schmid, in dem einst die Jugend tanzte, das Café "Zur schönen Aussicht" der drei Sauerer-Schwestern, an die Gastwirtschaften Blom, "Hösl-Schnaps" und "Zum goldenen Löwen" sowie an den früheren Weißbierkeller, der einst den Ruf eines Kult- und Szenelokals hatte. Insgesamt umfasste die Aufzählung 61 einstige und jetzige Wirtshäuser.

Die Geselligkeit spielte auf den Sommerkellern eine große Rolle. Diese eigentlich zur Bierlagerung vorgesehenen Gewölbe, waren häufig mit einem Häuschen für den Ausschank und einer Kegelbahn ausgestattet. Eine Besonderheit war der "Adlwirtskeller", der über einen Hopfengarten verfügte. Die Zeit dieser Sommerkeller ist längst vorbei, baulich existieren sie teilweise noch, der Zugang ist häufig verschüttet.

"Bloß koi Wasser niad"


Zur musikalischen Einstimmung ließen Günter Schmid (Akkordeon) und Johannes Bauer (Kontrabass) zünftige "Wirtshausgsangl" hören. Da war vom Himmel die Rede, in dem es kein Bier gibt, und es wurde eindringlich gebeten "Ois, bloß koi Wasser niad".

Rund um die SonderausstellungInhalt der Ausstellung

Exponate der einzelnen Brauereien und Wirtshäuser; Vitrinen über die größeren Brauhäuser; Fotos, Krüge, Gläser, Bierdeckel und Zubehör aus den Gastwirtschaften; Fotos der Sommerkeller; Stadtplan mit Brauereien, Wirtshäusern und Sommerkellern, illustriert durch alte Fotos; Email-Schilder von Oberpfälzer Brauereien; verschiedene Bierzoigl; Porzellan-Deckeleinsätze von Glaskrügen; verschiedene Brau-Gerätschaften und Holz-Fässer in verschiedenen Größen.

Leihgeber

Klaus Baumgärtner, Reinhold Dirnberger, Berta Fenk, Genossenschaftsbrauerei Rötz, Angelika Grimm, Hans Hofweber, Marcus Jacob, Herbert Männer, Theo Männer, Albert Maier, Barbara Mayer, Anna und Wolfgang Mehringer, Otto Reimer, Helmut Rieder, Reinhold Röckl, Familie Schießl-Paterok, Anneliese und Herbert Seidel, Franz Smolen, Günter Wallner, Erwin Weinfurtner, Gerhard Wünsch, Isabella Zangl.

Öffnungszeiten

Sonntag von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 17 Uhr. Eine Besichtigung ist auch nach Vereinbarung im Museum unter Telefon 09672/4183 oder per E-Mail museum-neunburg@gmx.de möglich. (mp)

Erinnerung an alte Wirtshaus-Kultur

Neunburg vorm Wald. (mp) Bei der Eröffnung der Sonderausstellung würdigte stellvertretender Landrat Jakob Scharf die reichhaltige Sammlung des Schwarzachtaler Heimatmuseums. Diese mache es zu einem besonderen Vertreter seiner Art. Die neue Ausstellung beleuchte den regionalen Aspekt des Bierbrauens und erinnere "an die gute, alte Oberpfälzer Wirtshaus-Kultur". Lobend erwähnte er die Kooperation mit dem Reklamemuseum Thanstein beim Aufbau der Sonderschau. Scharf nutzte die Gelegenheit für einen Appell zur Stärkung der regionalen Brauereien.

Arbeitskreis rührt die Hände

Neunburg vorm Wald. (mp) Zahlreiche Ehrengäste aus dem öffentlichen Leben hieß Bürgermeister Martin Birner zur Ausstellungseröffnung willkommen. Einen Dank sprach er an die Mitglieder des Museumsarbeitskreises aus, die mit viel Fleiß und Engagement die Sonderschau vorbereitet haben - "ohne euch gäbe es diese Sonderausstellung nicht".
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