Neujahrskonzert begeistert Zuhörer - Tosender Applaus für die Smetana-Philharmoniker aus Prag
Silvesterlaune mit Knallbonbons

Kultur
Neunburg vorm Wald
05.01.2015
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Es gibt Abende, an denen einfach alles nahtlos ineinandergreift. Das geht freilich nur, wenn die Abläufe perfekt sind, sich die Musik, großartige Solisten und die Stimmung des Publikums wie eine Perlenkette aufreihen. Silvesterlaune also, wie sie ein Neujahrskonzert erzeugt, das nach seiner nunmehr zweiten Auflage in der Stadthalle von Neunburg vorm Wald bereits Tradition hat.

Da waren sie also wieder. Dirigent Hans Richter und seine Smetana-Philharmoniker aus Prag. Draußen rieselte der Schnee, drinnen wurden Melodien zelebriert, zu denen man eigentlich einen Champagnerkelch mit perlendem Inhalt von der Witwe Clicquot in der Hand hätte halten müssen. Beschwingt, kurzweilig und auf Augenhöhe mit denen, die sie einst komponierten. Was Hans Richter und seine Musiker in Szene setzten, hätte auch Johann Strauss, Emmerich Kálmán und Jacques Offenbach Freude bereitet.

Nein, die "Tritsch-Tratsch-Polka" muss nicht immer sein. Dafür dürfen im Prater die Bäume blühen und Donauwellen anbranden. So fulminant und makellos von den Smetana-Philharmonikern gemacht, dass man sich gewünscht hätte, das Kommando "Alles Walzer!" würde ertönen. Ein Genuss. Er hielt zwei Stunden lang an.

Auch seltene Werke

Hans Richter, der in Neunburg vorm Wald gebürtige Maestro, hatte heuer neben gängigen Melodien auch eher selten gehörte Werke ins Programm genommen. Zum Beispiel das Trompetenkonzert von Tomaso Albinoni. Dazu trat, als Ersatz für den erkrankten Matthias Eckert, der Tscheche Pavel Janacek auf die Bühne - erst in letzter Minute ins Ensemble berufen, gleichwohl glänzend disponiert. Ein erster Höhepunkt.

Es folgten etliche weitere. Hans Richter hatte die Sopranistin Leigh Hamilton und die Mezzosopranistin Denisa Neubarthová mitgebracht. Zwei attraktive Damen mit nicht minder grandiosen Stimmen. Gemeinsam sangen sie die "Barcarole" aus "Hoffmanns Erzählungen" von Offenbach und damit ein Lied, das in immer neuen Fassungen um den Globus ging. Zum Beispiel, man mag es nicht glauben, von Elvis Presley, der daraus "Tonight's all right for Love" machte. Langer Beifall für Protagonistinnen, Bravo-Rufe und die Frage: Wie schafft es Richter, solche Kräfte zu engagieren? Der Applaus hielt an, und er wurde tosend für den Glanzpunkt dieses wirklich unterhaltsamen Abends. Hans Richter gab zusammen mit seinem Orchester die Ouvertüre zu "Orpheus in der Unterwelt". Erst sachte und sanft, sich immer mehr zu einem furiosen Finale steigernd. Der Can-Can zum Schluss - und man sah förmlich die Röcke fliegen.

Einfühlsam, mit Humor

Natürlich bekam der Dirigent ein Geschenk des Bürgermeisters Martin Birner. Doch er verteilte auch Präsente. An die Damen, die so glänzend stimmlich harmonierten. An den Neunburger Kulturbeauftragten Karl Stumpfi und an Ex-Bürgermeister Wolfgang Bayerl. Warum an ihn? Bayerl hatte durch den Abend geführt und die Ursprünge der Melodien erklärt. Einfühlsam, nicht ohne den ihm eigenen Humor und völlig jenseits des Eindrucks, da sei ein Musikantenstadel im Gang.

Was sich in Wien gehört, musste auch in Neunburg sein. Der "Radetzky-Marsch" setzte den Schlussakkord und schickte das Publikum hinaus in eine schneereiche Nacht. Am 2. Januar 2016 wird dieses Konzert eine Neuauflage erleben. Ganz gewiss wieder mit Walzer, Operette, musikalischen Knallbonbons und dann, es ist zu hoffen, ohne Flocken.
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