Neunburg: Neonazi-Aussteiger schildert seine Erfahrungen in einer Mittelschule
"Bin froh, dass ich da weg bin"

Felix Benneckenstein legte den Mittelschülern eindringlich dar, wie er den Absprung aus der rechten Szene geschafft hat. Bild: pko
Kultur
Neunburg vorm Wald
15.01.2015
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Seit einiger Zeit trägt die Mittelschule das Prädikat "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage". Dazu passte der Vortrag von Felix Benneckenstein über seinen Ausstieg aus der rechtsextremen Szene sehr gut.

"Ich hab jetzt keine Nazi-Gruppe unter den Schülern in diesem Raum ausmachen können", lautete das Urteil des 28-Jährigen auf die Frage, wie die Neunburger Mittelschüler vor Mitgliedschaften in Neonazigruppen geschützt werden könnten. Sein Ratschlag lautete: "mit offenen Augen weitermachen, keine Angst bekommen, nicht ignorant werden", damit die ersten Anzeichen von Rechtsradikalismus sofort im Keim erstickt werden können.

Im Physiksaal begrüßte Rektorin Irene Träxler den Referenten und die zehnten Klassen mit ihren Lehrern zu dem aufschlussreichen und sehr interessanten Vormittag. Felix Bennekenstein ist inzwischen Vorsitzender des Vereines "Aussteigerhilfe Bayern" und fand es "blöd" von sich selbst sagen zu müssen, "ich hab auch dazugehört".

Mit 13 rutschte er in die Szene in seinem kleinen Heimatort hinein. Zuerst war er geschockt, als die Nazianhänger dort ein Haus, in dem Ausländer wohnten, angezündet haben. Dann begann er, gegen Lehrer und Eltern zu rebellieren. "In Erding gab es damals nur ein Jugendzentrum. Wir hatten keine Möglichkeit, irgendwo rumzuhängen", nannte er als weiteren Grund, warum er sich für rechte Musik interessierte und auch auf die Masche hereinfiel, dass in den Texten die Welt neu erklärt wird. Schnell hat er seine Freunde aussortiert, seine Familie nicht mehr gebraucht und sich nur noch bei Leuten mit gleicher Gesinnung aufgehalten. 2006 gründete er selbst eine Kameradschaft in Erding und war als Liedermacher und Musiker in der rechtsradikalen Szene bekannt. Erst mit seiner späteren Frau Heidrun Redeker setzte er sich mit den Aussagen der vermeintlichen Freunde auseinander und fing an, deren Ideologie infrage zu stellen. Der Ausstieg des Paares gelang erst nach gefährlichen Situationen und einem schweren Angriff auf des Leben Benneckensteins.

"Ich bin froh, dass ich da weg bin", so der ehemalige Neonazi zum Abschluss. Heute macht er sein Abitur nach, später möchte er als Journalist arbeiten. Mit öffentlichen Auftritten macht er auf seinen Verein aufmerksam und hilft immer, wenn er darum gebeten wird, einen Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene zu vollziehen.
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