Neunburger Jahrtausendkonzert soll bleibende Spuren hinterlassen
Riesenorchester sprengt Etikett

Kulturbeauftragter Karl Stumpfi, Kunstvereinsvorsitzende Beate Seifert, Chefdirigent Mark Mast und Peter Wunder legen sich für ein Jahrtausend-Konzert ins Zeug, das über ein singuläres Ereignis hinausgeht. Bilder: Bugl (2)
Kultur
Neunburg vorm Wald
11.11.2016
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"Wir wollen einen Austausch und im Sinne von Bildung Spuren hinterlassen." Zitat: Chefdirigent Mark Mast

Das Bläserensemble "Lippentriller" vermittelt nur einen Vorgeschmack. Klanggewaltig gipfelt das Jubiläum der Stadt Neunburg am 2. Oktober 2017 in einem Jahrtausend-Konzert, das in der Schwarzachtalhalle nicht mit Superlativen geizen soll. Chefdirigent Mark Mast will hier nämlich bleibende Spuren hinterlassen.

"So ein Jahrtausendkonzert darf nicht nur ein Etikett sein, da muss auch was dahinter stehen", betont der Karl Stumpfi, Klassik-Beauftragter der Stadt, beim Treffen mit Akteuren und den Veranstaltern vom Kunstverein "Unverdorben" in der Schwarzachtalhalle. Chefdirigent Mark Mast von der Bayerischen Philharmonie macht es spannend: "Das Wesentliche findet vorher statt."

Doch zunächst geht er auf das Programm ein, mit dem die Musiker aus München in Neunburg Eindruck machen wollen. Noch nie habe ein Orchester in der mittleren Oberpfalz Anton Bruckners vierte Sinfonie "Die Romantische" aufgeführt. Naturstimmung, Jagd-Thema und nicht zuletzt die Blechbläser würden eine Schnittstelle zur Oberpfalz herstellen. Als "Krönung der klassischen Sinfonik" verspricht Mast außerdem Mozarts Jupiter-Sinfonie, das "freudvollste Werk" des Komponisten.

Verstärkung erwünscht


Als Zugabe kündigt Mast die "Fanfare für die Wiener Philharmoniker" von Richard Strauss an. Sie werde wegen der großen Besetzung nur sehr selten gespielt: 6 Trompeten, 8 Hörner, 6 Posaunen, 2 Tuben und 2 Pauken. Mast hofft dabei auf Verstärkung aus der Region. Damit das Orchester mit 90 Profi-Musikern aus 30 Nationen in der Halle Platz hat, werde man die Bühne wohl "anstückeln" müssen, überlegt Stumpfi. Und das ist noch nicht alles.

"Wir kommen nicht, um ein Konzert zu spielen und wieder heimzufahren", verdeutlicht Mast. "Wir wollen einen Austausch und im Sinne von Bildung Spuren hinterlassen." Zwei Tage vor dem Konzert sollen nämlich auch junge Musiker aus der Region (siehe Info-Kasten) neben den Profis den Bogen schwingen oder ins Horn blasen. Vor allem Schüler der fünf Gymnasien im Landkreis haben die Veranstalter dabei im Blick. "Es funktioniert erst ab einem gewissen Alter", hat Peter Wunder, Schatzmeister bei "Unverdorben" nach Erfahrungen mit früheren Workshops festgestellt.

Damit die Talente aus der Region für den großen Tag fit sind, stellt der Chefdirigent jetzt schon die Partituren zur Verfügung, der Countdown fürs Üben läuft. 40 bis 50 Musiker könne man so rekrutieren, meinen die Veranstalter. Bereits am 21. September gibt es als Einstimmung auf das Jahrtausend-Konzert außerdem noch einen interaktiven Impulsvortrag mit Intendant und Chefdirigent Mast, musikalisch umrahmt vom Bläserensemble "Lippentriller"; Beginn 19 Uhr. Von allen drei Programm-Komponenten erhofft sich Klassik-Beauftragter Stumpfi nun "Schubkraft", die über ein singuläres Konzertereignis hinausgeht.

Fünf Jahre Aufbauarbeit


Entgegen vieler Kassandra-Rufe habe sich die Klassik in Neunburg nach fünf Jahren Aufbauarbeit etabliert, der Publikumskreis sei aber noch ausbaufähig, meint Stumpfi. Für Chefdirigent Mast ist dabei das Live-Erlebnis entscheidend: "Wenn hier die ersten Fanfaren-Töne erklingen, sollten allen im Publikum die Haare zu Berge stehen."

"Wir sind eigentlich auch eine minnesingende Institution" nahm Chefdirigent Markus Mast von der Bayerischen Philharmonie Bezug auf einen Neunburger Musiker aus dem Mittelalter: Minnesänger Peter Unverdorben. "Wir möchten die Herzen der Menschen erreichen, aber wir machen das zeitgemäß." So enden wie der Neunburger Minnesänger will der Chefdirigent aber nicht: Peter Unverdorben, Namensgeber des Kunstvereins, starb nämlich im Kerker.

Musizieren mit ProfisFür Samstag, 30. September, ist in der Schwarzachtalhalle ein Jugend-Orchesterworkshop geplant. Die angemeldeten und im Musikunterricht entsprechend vorbereiteten Schüler proben und spielen gemeinsam mit den Profis der Bayerischen Philharmonie Teile des Jahrtausendkonzert-Programms. Chefdirigent Mark Mast rechnet mit einem "Riesenorchester" von etwa 130 bis 140 Mitwirkenden. Für diese pädagogische Aufgabe sei das Orchester als Träger der freien Jugendhilfe und Mitglied im Wertebündnis Bayern prädestiniert. Um 17 Uhr gibt es eine öffentliche "Jahrtausend-Probe", bei der die Musiker den Zuhörern die Bühne überlassen. (bl)


Wir wollen einen Austausch und im Sinne von Bildung Spuren hinterlassen.Chefdirigent Mark Mast
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