Pfarrkirche Neunburg wird mit neuer Orgel ausgestattet
Luft holen für neue Kirchenorgel

Kultur
Neunburg vorm Wald
31.05.2015
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Die Pfeifen sind verbogen, den Registern fehlt die Harmonie, der Klang verliert sich in der Weite des Kirchenschiffs. Die Orgel in der Pfarrkirche pfeift zwar nicht aus dem letzten Loch, "aber eine Reparatur lohnt sich nicht", sagt Pfarrer Stefan Wagner. Jetzt soll ein neues Instrument her.

Als "Kind seiner Zeit" klassifiziert der Geistliche die aktuelle Kirchenorgel. 1967 durch die Firma Weise aus Plattling im Zuge der Kirchenerweiterung errichtet, wurden darin viele Teile des Vorgänger-Instruments von 1921 verbaut - "vor allem aus Kostengründen", weiß Stefan Wagner. "Das Wertvolle stand dabei weniger im Vordergrund." Teilweise sei recht rigoros vorgegangen worden: "Die Register wurden abgeschnitten, um sie auf die neuen Tonhöhen anzupassen.

Klang geht verloren

Damals zeitgemäß, doch jetzt überholt, ist die elektronische Steuerung der Orgel. "Störanfällig vom Spieltisch bis zur Windversorgung", bringt es Wagner zum Ausdruck. Die künftige Kirchenorgel solle wieder rein mechanisch betrieben werden. Ausgedient hat auch das Gehäuse: Ohne Rückwand erbaut, "geht hier viel Klang verloren, und auch optisch ist die Holzkonstruktion nicht der große Wurf", verdeutlicht Wagner. Auf dem Zahnfleisch kommt das 16 Register umfassende Pfeifenwerk daher: Viele Pfeifen seien verstimmt oder beschädigt, "einige Töne funktionieren überhaupt nicht mehr", beschreibt Pfarrer Wagner. Die alte Orgel sei mehr oder weniger "zusammengeschustert" worden, so dass einige Register klanglich gar nicht zusammenpassen.

Reparatur der alten Orgel lohnt sich nicht

Als ausgebildeter Organist merkt das der Geistliche: "Recht schreiend und blechern", charakterisiert er den jetzigen Klang. "Es ist oft der Kunstfertigkeit unserer Organisten zu verdanken, dass man sich das anhören kann." Doch das Orgelspiel dringt nicht in jeden Winkel des Gotteshauses: "Am jetzigen Standort ist die Klangabstrahlung zu gering", beschreibt der Geistliche. Für die Größe der Neunburger Kirche sei das Instrument schlicht zu klein. Gerhard Siegl, der Orgelsachverständige der Diözese, kommt in einem Gutachten über die Neunburger Orgel zu einer klaren Empfehlung: "Der Zustand rechtfertigt keine großen Reparaturen." Pfarrer Wagner verweist darauf, dass bei der geplanten Kirchenrenovierung für die Orgel eine neue Empore an der Ostseite vorgesehen ist: "Ab- und Wiederaufbau alleine würden schon teuerer als die alte Orgel überhaupt wert ist."

Erst nach Kirchenumbau

Einzig sinnvolle Lösung sei der Bau einer neuen Orgel. "Das ist kein Luxus und auch kein Schmankerl-Projekt", betont Stefan Wagner. Zusätzlich zur Vorbereitung auf die Kirchenrenovierung bedeute der Orgelbau eine große Herausforderung für die Gemeinde. Realisiert werden könne das Projekt ohnehin erst nach dem Kirchenumbau. Für die Größe der Kirche sei ein Instrument mit etwa 30 Registern nötig, Wagner rechnet mit Kosten um die 650 000 Euro. Einige Bausteine hat bereits der 2012 gegründete Orgelbauverein gesetzt. Pfarrer Wagner ist dankbar für dessen vielfältige Unterstützung, für den Herbst ist die nächste Spenden-Aktion geplant. Aktuell liege das Spenden-Barometer bei knapp 60 000 Euro - "das ist schon beeindruckend", sagt Stefan Wagner. Im nächsten Schritt möchte die Pfarrei vielleicht noch heuer erste Angebote und Entwürfe von Orgelbau-Firmen einholen. Orgeldozent Gerhard Siegl wird das Projekt begleiten und die Pfarrei beraten. Zusammen mit dem Förderverein soll in der Bevölkerung das Bewusstsein für eine neue Orgel geweckt werden. "Sie soll allen Neunburgern zugute kommen", sagt der Pfarrer. So könnte mit Konzerten künftig ein Beitrag zum Kulturleben geleistet werden.

Spenden
Orgelbauverein Sankt Josef; Kontonummer 31 253 321, Sparkasse Schwandorf, BLZ 750 510 40; IBAN DE51 7505 1040 0031 2533 21.
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