Scherr-Realschule ist beim Projekt "Mundart Wertvoll" dabei
Dialekt-Lexikon als Lernziel

Schüler der Arbeitsgemeinschaft "Dialekt" bei der Erstellung von Fragebögen für die Wortschatzumfrage. In regelmäßigen Treffen setzen sich insgesamt 21 Jugendliche mit dem Dialektwortschatz der Region auseinander. Bilder: slu (2)
Kultur
Neunburg vorm Wald
14.01.2016
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Der Vorsitzende der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft, Christian Ferstl, bei seinem Vortrag an der Gregor-von-Scherr-Schule.

Die Gregor-von-Scherr-Realschule punktet mit Mundart: Als einzige Realschule in Bayern hat sie den Zuschlag für ein Dialektprojekt erhalten. Im Entstehen ist ein Wörterbuch, das spezifische Ausdrücke der Schulregion erfasst.

Fünf Bildungseinrichtungen gibt es in Bayern, die im Schuljahr 2015/16 ein gefördertes Dialektprojekt auf die Beine stellen können. Die einzige Realschule in diesem exklusiven Kreis ist die Gregor-von-Scherr-Realschule: Sie ist beim Projekt "Mundart Wertvoll" der Stiftung Wertebündnis Bayern mit im Boot.

Über 20 Schüler dabei


Ziel der Maßnahme ist die Erstellung eines Dialektwörterbuchs nach Sachgruppen für das Einzugsgebiet der Schule. Betreuerin und Koordinatorin des Projekts ist Fachoberlehrerin Maria Schießl. Unterstützt wird sie von Studienreferendarin Barbara Neuber, die als Dialektologin auch für den Sprachatlas von Nordostbayern an der Universität Regensburg tätig ist. Für diesen Zweck wurde eine Arbeitsgemeinschaft mit 21 Schülern eingerichtet, die sich in regelmäßigen Treffen mit dem spezifischen Dialektwortschatz der Region beschäftigt. Dafür werden Fragebögen erstellt, Personen befragt und das gesammelte Material unter bestimmten Gesichtspunkten ausgewertet. Außerdem werden Unterlagen zur praktischen Anwendung, wie etwa für ein Kochbuch, erstellt.

Darüber hinaus werden in einzelnen Klassen Mundarttexte verfasst sowie traditionelle Hausnamen behandelt. Zu diesem Zweck stattete die Schülergruppe bereits der Abteilung "Handwerk und Hausnamen" im Oberviechtacher Doktor-Eisenbarth- und Stadtmuseum einen Besuch ab. Dabei gab Dr. Ludwig Schießl als externer Partner eine Einführung in die Thematik der Hausnamen. Die erste Arbeit der Schüler bestand danach darin, die Hausnamen ihrer Wohnorte zu eruieren. Die Fülle des Materials gab eindrucksvoll Zeugnis über das Engagement der Beteiligten.

Um das Vorhaben auf eine breite wissenschaftliche Grundlage zu stellen, was eine der grundsätzlichen Anforderungen darstellt, stehen weitere externe Partner mit Rat und Tat zur Seite. So war vor einigen Wochen der Vorsitzende der renommierten Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft, Christian Ferstl aus Regensburg, an der Schule zu Gast, um anhand verschiedener Beispiele in die Thematik der Dialektwörterbücher sowie in das Werk von Johann Andreas Schmeller, den "Vater" der Dialektlexikographie, einzuführen.

Vorstellung im Juli


Das fertige Produkt mit den erhobenen Wörtern, illustriert durch Karten und Zeichnungen aus dem Kunstunterricht, wird am 14. Juli bei einer Abschlusspräsentation mit einem abwechslungsreichen Programm einem breiten Publikum vorgestellt. Die Präsentation ist Bestandteil einer Evaluation durch Prof. Dr. Klaus Wolf von der Universität Augsburg, die, ebenso wie die Teilnahme der Betreuer an acht Arbeitssitzungen in München, zu den Voraussetzungen gehört. Das Ziel von "Mundart Wertvoll" besteht nämlich darin, nachhaltige Projektformate zu schaffen, die sich auch an anderen Schulen umsetzen lassen.

Mundart bewahren, für Dialekt begeisternViele Kinder und Jugendliche sprechen Dialekt als Ausdruck der Verbundenheit zu ihrer Heimat und ihrer Identität. Das Projekt "Mundart Wertvoll" der Stiftung Wertebündnis Bayern will diese Verbundenheit aufgreifen, neu wecken und fördern. Ziel ist es, die Wertschätzung der bayerischen Dialekte als Ausdruck von Lebensgefühl, von Identität und Vielfalt zu fördern. Die Beherrschung von Dialekten im Sprachgebrauch soll als Stärke und Bereicherung für den Sprechenden erkannt und gefördert werden.

Neben der Liebe zur bayerischen Heimat und zu ihren Traditionen will das Projekt auch die Wertschätzung anderer (Regional-)Kulturen fördern und den Wert kultureller Vielfalt unterstreichen. Dialektsprecher sollen mit der Wahrnehmung ihrer sprachlichen und künstlerischen Ausdrucksfähigkeit Selbstbewusstsein und Kreativität in innovativen Formen entfalten. Als Kernelement von Heimat und Brauchtum und gleichzeitig als Teil eines frischen und populären bayerischen Lebensgefühls soll Mundart in ihrer Bedeutung für Zusammenhalt und Gemeinschaft in einer sich wandelnden Gesellschaft erlebt werden. (hfz)

Weitere Informationen unter www.wertebuendnis-bayern.de
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