"Servus King" begeistert in der Schwarzachtalhalle
Schauspiel im Rock-'n'-Roll-Takt

Vom "Jail House Rock" bis "Johnny Be Good": Beim Schlussbild des Schauspiels "Servus King - Elvis in der Oberpfalz" rockten alle Akteure gemeinsam mit den begeisterten Zuschauern in der Schwarzachtalhalle ab. Bilder: weu (2)
Kultur
Neunburg vorm Wald
30.11.2016
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Mit dem Stück "Servus King - Elvis in der Oberpfalz" gastierten das Landestheater Oberpfalz und das Moderne Theater Tirschenreuth in der Schwarzachtalhalle. Das Publikum erlebte einen Trip in die Nachkriegszeit, der mit live gespielten Songs des "King of Rock 'n' Roll" die Aufbruchsstimmung und Rebellion der Jugend spiegelte.

"Der amerikanische Superstar Elvis ist in Grafenwöhr." Diese Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer, besonders unter den Jugendlichen einer kleinen Ortschaft in der Oberpfalz. Er soll in einem Wirtshaus in Hirschau Cola getrunken haben. Auch Autogramme habe er gegeben.

Aus der Enge ausbrechen


Helle Aufregung herrscht beim Kirchweihfest, das traditioneller Weise von bodenständiger Musik mit Akkordeon und Stoßrumpl begleitet wird. Die honorigen, alteingesessenen Bürger sind über die "Negermuse" geschockt und entrüsten sich über den "Rock-'n'-Roll-Zigeuner". Die Jugend ist begeistert, auch Hans, Lugg und Muskel, denen ihr Heimatdorf "Winzingsried" längst zu eng geworden ist. Das Tor zur großen weiten Welt ist für die drei Freunde die Musik von Elvis Presley. Diese präsentieren sie als Band auch mit "Bad Boys" und "Rock around the clock".

Während sie vom Aufbruch träumen und nach Chicago auswandern wollen, was sie mit den Songs "Tutti frutti" und "It's all right, mama" unterstreichen, holt sie die raue Wirklichkeit ein: Hans hadert mit seinem durch den Krieg verbitterten, wortkargen Vater, Muskel trägt das Schicksal, als einzig überlebendes Kind einer schlesischen Flüchtlingsfrau zu den "Außenseitern" im Dorf zu gehören. Frau Seidl, deren Mann im Dorf eine Näherei bauen will, glaubt an die Band und ist begeistert von ihren Elvis-Songs.

Da bietet sich eine einmalige Chance an, mit dem Superstar in der Micky-Bar aufzutreten. "Don't be cruel", "Hound Dog", "Love me tender" und "Devil in disguise" werden von den drei Freunden gespielt und plötzlich interessieren sich auch die "Altvorderen" für den Auftritt der Band. Natürlich dürfen an so einem Abend die Songs "Wooden Heart" und "Jailhouse Rock" nicht fehlen.

Mit Band im Hintergrund


Obwohl Elvis nie zu sehen war in dem Stück, klang seine Musik original. Die 30 Schauspieler, die zum Großteil Rollen im Dialekt hatten, zeigten große Spielfreude. Perfekt auch die Band "Havlicek Brothers", die im Hintergrund den musikalischen Part des von Uli Scherr geschriebenen Stücks übernommen hat. Man hätte sich auch einen perfekt getanzten Rock 'n' Roll auf der Bühne vorstellen können.

Interessant ist die Kulisse, die wie beim Landestheater üblich, multifunktional ist und durch verschiebbare Wände verschiedene Örtlichkeiten darstellen kann. Ein Elvis-Medley als Schluss der Aufführung, bei dem alle Mitwirkenden auf der Bühne standen, riss das Publikum zu langem Beifall und stehenden Ovationen hin und wurde mit Zugaben honoriert.

HintergrundIm Spätherbst 1958 traf der amerikanische Gefreite Elvis Presley auf dem US-Truppenübungsplatz Grafenwöhr ein, um an einem mehrwöchigen Wintermanöver teilzunehmen. Er leistete in Deutschland seinen zweijährigen Militärdienst ab. Die Manager wollten die militärbedingte Auszeit ihres Schützlings nutzen, um dem "Schwiegermutterschreck" ein familientaugliches Image zu verpassen. Vermutlich kam er dabei auch das erste Mal mit Medikamenten in Kontakt, die später mitverantwortlich für seinen frühen Tod waren.

Über die zwei mehrwöchigen Aufenthalte Elvis' in der Oberpfalz gibt es zwar Anekdoten, aber nur wenig Konkretes. Fest steht: im Dezember 1958 gab der Star in der Micky-Bar in Grafenwöhr für Freunde und Weggefährten ein einmaliges Konzert. Wie es dazu gekommen sein könnte, erzählt "Servus King".
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