Wolfgang Krebs begeistert in der Schwarzachtalhalle
Weißblauer Überlebenskampf

Als Schlagerstar Meggy Montana, dem schon mal Rosen und Büstenhalter zugeworfen werden, zeigte sich Krebs einmal von einer anderen Seite. Bilder: weu
Kultur
Neunburg vorm Wald
18.04.2016
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In seiner Paraderolle Edmund Stoiber begeisterte der Kabarettist Wolfgang Krebs sein Publikum in "stoibernder Weise".

Als "Edmund Stoiber" ist Wolfgang Krebs landesweit bekannt. Dass er noch weitere Persönlichkeiten meisterlich darstellen kann, bewies er in der Schwarzachtalhalle und gönnte damit den Lachmuskeln der Gäste keine Entspannung.

Mit dem Programm "Können Sie Bayern" bekam das Publikum Tipps für den weißblauen Überlebenskampf und Informationen für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens im Freistaat. Eine Bayern-Prüfung sollte zeigen, wer es verdient, als Bayer bezeichnet zu werden und bei wem der TÜV schon abgelaufen ist. Als Schirmherr fungierten Horst Seehofer und Edmund Stoiber, die der Politkabarettist Krebs grandios darstellte: geradlinig, kompetent und lösungsorientiert - und auch das Gegenteil davon.

Hinter einer Wand aus der bayrischen Fahne spotteten Seehofer, Stoiber und Günther Beckstein über den "Krebs, der ja gar nicht da ist", und schon riss Edmund Stoiber das Heft an sich, trat aus der Schattenwand heraus und begrüßte das Publikum mit einer Rede, die mit unzähligen, witzigen Wortverdrehungen, banalen Versprechern und Stottersätzen gespickt war.

"Nachstoibern"


Das Publikum bog sich vor Lachen, als er über seinen Abgang aus der "Schnapskanzlei" sinnierte oder betonte, dass in Bayern "nachgestoibert" werden muss. Beeindruckend auch, wie Krebs den amtierenden Ministerpräsidenten Horst "Seevogel" auf die Bühne zauberte. Von der Figur über die Frisur und die Stimme bis zum Lachen stimmte einfach alles, auch Seehofers Motto: "Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dauernd hin und her!" Auch "Kronprinz Söder" stand in der Schusslinie.

Krebs spielte auf seine Faschingsverkleidung als "Kini" an und drohte: "Bevor der unser schönes Bayernland ruiniert, mach ich mit ihm einen Spaziergang am Starnberger See." Die Zuschauer johlten, haben sie doch Ahnung von der bayrischen Geschichte und damit den Bayerntest de facto schon bestanden. Als "special guest" trat Angela Merkel in ihrer typischen Haltung auf, die aktuell mit zwei notwendigen Übeln zu kämpfen habe: Satire und Erdogan. Die Frage, was sie mit ihren alten Kleidern mache, wurde mit "anziehen" beantwortet. Während Krebs in seiner Paraderolle "Stoiber" eher konservativ daherkam, ging er bei Schlagerstar Meggy Montana voll aus sich heraus.

Zum Schießen, wie er die "Goldkehle aus Nesselwang" performte und das Publikum mit der Schnulze "Wenn die Bouzouki weint in Montepulcano" mitriss. Die Frauen in der ersten Reihe überreichten ihm Rosen und warfen sogar einen Büstenhalter auf die Bühne (die er zu Beginn ausgeteilt hatte). Die "Leichenred" des angesäuselten Gschaftlhubers Schorsch Scheberl aus Untergramsgruabn-Dingsda, der Vorsitzender aller 30 Vereine seines Heimatdorfes ist, dürfte zukünftig zu den Höhepunkten des Auftritts zählen. Mit "liebe Hintergangene" eröffnete er seine Rede, in der ländliches Leben und Bauernweisheiten krachend und hintergründig aufgedeckt wurden. Beim "Nachstoibern", der Zugabe, schoss Krebs ein Kanonenfeuer auf Politiker aller Couleur ab.

Fans sind begeistert


Ob Aiwanger ("Wenn du beim G 8 ein Jahr sitzen bleibst, hast du auch das G 9"), Hofreiter von den Grünen, der "Bayern-Ötzi", die FDP, die "Personaldings" hat, oder die CSU, bei denen der Veggi-Day Gründonnerstag heißt, alle bekamen nochmals ihr Fett weg, bevor Krebs nach gut zwei Stunden motivierter Spiellaune und witzigen, komischen Aussagen mit seinem siebenköpfigen Typenkabarett unter dem Applaus seiner frenetisch jubelnden Anhänger die Bühne verließ.
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