Zeugen aus bitteren Zeiten

Museumsleiter Theo Männer ist begeistert von den 25 Andenken an die Kriegsgefangenschaft, die Theresia Rampf (Mitte), dem Museum übergeben hat. Gertrud Stadlbauer (rechts) kümmert sich um die Inventarisierung der Neuzugänge. Bild: Bugl
Kultur
Neunburg vorm Wald
07.08.2015
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Koffer aus Holz, grobe Unterhosen und Sandalen aus Förderbändern: Diese Ausstellungsstücke, die Kriegsheimkehrer aufbewahrt haben, sprechen Bände. Bild: hfz

Wenn Hunger und Heimweh quälen, kann ein kleines Ding wie eine Pfeife oder Tabakdose die Verzweiflung auf Abstand halten. Eduard Rampf hat diese Zeugen aus der Kriegsgefangenschaft aufbewahrt. Jetzt haben sie in Neunburg einen würdigen Platz gefunden.

Hohlwangig, abgemagert und nur noch 48 Kilogramm schwer: In diesem Zustand war der 17-jährige Eduard Rampf, als er 1945 in russischer Kriegsgefangenschaft Weihnachten feierte. Er hat überlebt, kam 1947 zurück nach Deutschland und engagierte sich später im Verband der Heimkehrer. Es dauerte aber noch einige Jahrzehnte, bevor seine Zeit als Kriegsgefangener ein Thema für die Nachwelt wurde: 1985 organisierte Rampf eine Ausstellung über "Arbeiten in den Kriegsgefangenenlagern". Diese Andenken hat nun seine Witwe, Theresia Rampf, dem Schwarzachtaler Heimatmuseum übergeben.

"Ich habe den Eindruck, er hat erst im Alter begonnen, das alles zu verarbeiten", erzählt Theresia Rampf, "in der Jugend hat er wenig von der Gefangenschaft erzählt, höchstens wenn er mit anderen Kameraden zusammen war, die auch Schlimmes erlebt hatten". "Das deckt sich mit den Erkenntnissen aus der Literatur", bestätigt Museumsleiter Theo Männer: "Die Gefangenschaft war häufig tabu, die Erinnerung daran kam erst Jahre später wieder hoch." Mit der Erinnerung tauchten auch Relikte aus der Vergangenheit auf: In aus Brettern zusammengezimmerten Koffern hatten die Kriegsgefangenen Habseligkeiten mit nach Hause gebracht, die sich heute ärmlich ausnehmen - und damals den wertvollsten Besitz darstellten: Eine mühselig geschnitzte Pfeife, eine mit primitiven Werkzeugen verzierte Tabakdose oder die aus Förderband-Teilen gefertigten Sandalen.

Hufeisen als Bilderrahmen

Ein Hufeisen wurde zum Bilderrahmen für ein kostbares Foto, ein Schachbrett half einsame Stunden zu überstehen. Nicht einmal die Unterhosen landeten nach treuen Diensten in bitterer Kälte im Müll. Die Exponate, die nun im Museum ausgestellt werden, hat Eduard Rampf als Vorsitzender des Neunburger Heimkehrerverbandes gesammelt. "Der Verband hat ihm sehr viel bedeutet", sagt seine Witwe und erzählt von der Heimkehr des 20-Jährigen, der - von jeder Information abgeschnitten - nicht einmal wusste, ob er besser in der russischen oder in der amerikanischen Besatzungszone aus dem Zug steigen sollte. "Fahren Sie lieber weiter", habe ihm im Osten auf dem Bahnsteig einer geraten, berichtete Theresia Rampf.

In Wutzmühle bei Furth im Wald kam der junge Mann nach seiner Heimkehr zunächst unter, 20 Jahre war er da alt. Zehn Jahre später hat er geheiratet, doch Details aus seinen verlorenen Jugendjahren erfuhr auch die Ehefrau erst viel später. "Er hat dann Dinge erzählt, die mich sehr berührt haben", berichtet die 85-Jährige: Da war die Flakhelferin, die ihr Mann als Helfer im Sanitätsbereich wieder aufpäppeln sollte. Man konnte nicht mal mehr erkennen, ob ein Mann oder eine Frau vor einem lag, hat Eduard Rampf erzählt. Überhaupt galt die Gefangenschaft bei den Russen als die härteste. "Die Zivilbevölkerung hatte ja selbst nichts", weiß Theresia Rampf. Aufgeschrieben hat der Heimkehrer diese Geschichten aus dem Krieg nicht. "Er hatte doch nie Zeit", meint die Frau des 2004 Verstorbenen.

Expansion im Blick

Immerhin gibt es den Nachlass des Heimkehrerverbandes, er schlummert längst im Stadtarchiv. Doch mehr als diese Dokumente erzählen die 25 Alltagsgegenstände, die nun zum Teil bereits in die Abteilung "Militaria" im Museum integriert wurden. Museumsleiter Männer hofft allerdings auf weitere Räume im Zuge der Sanierung des ehemaligen Landratsamtes. Dann könne man noch ausführlicher auf dieses Kapitel der Geschichte eingehen, meint Männer: "Das Thema Kriegsgefangenschaft findet man schließlich nicht überall."

Geöffnet ist das Museum am Sonntag von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr, Mittwoch von 14 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung.
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