50 Jahre Freizeit-Olympiade

Blick ins Archiv der Interessengemeinschaft Sportabzeichen: 1991 gab Oberstleutnant Willi Waldvogel (links), Kommandeur des Panzerbataillons 114, als Schirmherr den Startschuss. Damals wie auch heute noch dabei ist Sportabzeichen-Leiter Franz Seidl (Dritter von links). Repro: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
24.06.2015
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Ein Schnappschuss aus dem Jahr 2000: Beim Prominenten-Training für das Sportabzeichen legte sich der damalige Landrat Volker Liedtke beim Kugelstoßen tüchtig ins Zeug. Bild: Mardanow

Was mit einer Handvoll Sportbegeisterter begann, brachte später Hunderte auf Trab - über 7500 Abzeichen sind bisher im "Medaillenspiegel" registriert. Ab Mittwoch, 1. Juli, schnürt Neunburg die Turnschuhe für die 50. Sportabzeichen-Saison. Leiter Franz Seidl hat noch Kondition für weitere Jahre.

Erst im Vorjahr hat der Finanzbeamte zum 30. Mal das Sportabzeichen in Gold abgelegt. Der mittlerweile 63-Jährige hält seit 1987 die Sportabzeichen-Familie zusammen. Diese sportliche Bürgerinitiative ist eine feste Säule im Breitensport-Angebot der Region - und kann mit einer eindrucksvollen Bilanz aufwarten: In fünf Jahrzehnten sind über 7500 dieser persönlichen Fitness-Medaillen vergeben worden.

Den Funken für die Sportabzeichen-Begeisterung hatte ab 1966 Oberstabsfeldwebel Karl Sailer gelegt: Auf dem Sportgelände der früheren Pfalzgraf-Johann-Kaserne bot er Zivilpersonen die Möglichkeit, ihre Fitness zu beweisen: 15 Sportabzeichen wurden im ersten Jahr vergeben. Bis zu Sailers Tod 1987 wurden 989 Medaillen geholt.

Sportvereine mit im Boot

Franz Seidl übernahm das sportliche Erbe und gründete 1988 die Interessengemeinschaft Sportabzeichen. Die Erfolgsgeschichte begann: Seidl holte die Sportvereine aus Neunburg, Seebarn und Schwarzhofen mit ins Boot, ein neues Konzept steigerte die Zahl der Abnahmen erheblich. Unter anderem bietet seither der wöchentliche Sportabzeichen-Treff Gelegenheit zum Training. Bis einschließlich 2005 wurden unter Regie der IG rund 6000 Sportabzeichen abgelegt.

Unter der Ägide von Franz Seidl und seiner Mitstreiter hat sich die Aktion zu einer Veranstaltung für die ganze Familie entwickelt. Mit Familien- und Bambini-Wettbewerb, dem Senioren-Training und einer Ferienolympiade in der schulfreien Zeit stieg Neunburg zur Sportabzeichen-Hochburg im Landkreis Schwandorf auf. Bis 2009 war der 1. FC Neunburg beim Wettbewerb auf Landkreis-Ebene unschlagbar, in den vergangenen Jahren jedoch musste der SpVgg Pfreimd der Spitzenplatz überlassen werden. Im Jubiläumsjahr aber möchte Seidl wieder angreifen - "wir wollen zurück an die Spitze".

Im Rückblick ist Franz Seidl stolz, dass es über die Jahre hinweg gelungen ist, so viele Leute für das Sportabzeichen zu begeistern. Auch wenn Rückschläge nicht ausblieben: So hat sich die Zahl der Sportabzeichen zuletzt kräftig reduziert. Seit dem Rekordjahr 2005, als 458 Medaillen nach Neunburg gingen, schrumpfte die Zahl auf 103 (zuzüglich 29 österreichische Sportabzeichen) im Vorjahr zusammen.

Das hängt zum einen mit dem Abzug der Bundeswehr 2007 zusammen - die Soldaten hatten beim Sportabzeichen immer fleißig mit gemacht. Aber auch die Reform des Deutschen Sportabzeichens vor zwei Jahren spielte eine Rolle. Damals wurde das Bayerische Sportleistungsabzeichen abgeschafft - "das war schon ein Einschnitt", steht für Seidl fest. Denn jährlich hatten sich rund 30 Neunburger dessen Anforderungen gestellt - zusätzlich zum normalen Abzeichen - und damit eine doppelte Leistung erbracht: "Diese Zahl fehlt uns jetzt." Außerdem sei das neue Abzeichen deutlich schwieriger, das habe viele Teilnehmer abgeschreckt. Auch für die Prüfer sei es teils äußerst mühevoll gewesen, die neuen Richtlinien umzusetzen.

Vereine begeistern

Doch Franz Seidl ist weit davon entfernt, pessimistisch in die Zukunft zu blicken. "Nach wie vor sind bei uns sehr viele junge Familien am Start, deswegen bin ich auch der Meinung, dass es wieder aufwärts gehen wird." Er plant, verstärkt an Vereine wie beispielsweise Feuerwehren heranzutreten, um sie für die Aktion zu begeistern. Bei Bedarf könnten auch Sondertermine zum Training vereinbart werden.

An der Motivation fehlt es dem Neunburger "Mister Sportabzeichen" nicht. Auch wenn für die ehrenamtliche Leidenschaft viel Freizeit und Arbeit investiert wird - "wenn ich gesund bleibe, mache ich gerne weiter". Vor allem die Arbeit mit den jüngsten Sportlern gibt ihm stets neue Energie: "Für mich ist es immer toll, wenn Kinder beim Sportabzeichen mit Begeisterung dabei sind. Das hält auch mich jung."
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