Auf der Suche nach der Zukunft

Es ist wichtig, dass wir sensibilisieren für das Fremde, für das, was andere Kulturen mitbringen
Lokales
Neunburg vorm Wald
05.06.2015
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Rima kommt aus Armenien. Sie mixt Niederländisch mit Englisch und ein paar deutschen Brocken. Doch die Gründe, warum sie mit Mann und Kind in Deutschland Asyl gesucht hat, will sie in keiner Sprache für die Zeitung offen legen.

"Mein Ehemann hat politische Probleme bekommen." Das ist alles, was die 35-Jährige verrät, als sie an die Tür klopft, um mit Asyl-Sozialberaterin Andreea Bercea zu sprechen. "Ich will mich nicht daran erinnern", fügt sie auf Englisch hinzu, und über das offene Gesicht mit den hellen Haaren legt sich ein Schatten.

"Vielen Dank"

"Gut, sehr gut" sei es, jetzt hier zu leben, in der Asylbewerber-Unterkunft mit einem Zimmer für die ganze Familie. "Danke, vielen, vielen Dank, echt wahr. Alle sind sehr gut zu mir", fügt sie auf Deutsch mit niederländischem Akzent hinzu. Die Erklärung für dieses Detail lässt nicht lange auf sich warten: Sie hat vor Jahren in Belgien studiert. "Ich spreche Russisch, Englisch, Niederländisch und ein bisschen Spanisch", berichtet die junge Frau. Jetzt will sie Deutsch lernen und am liebsten studieren. In ihrer Heimat hat sie als Lehrerin gearbeitet und Armenisch unterrichtet. Doch vorerst ist das Lernen ihrem achtjährigen Sohn Cror vorbehalten, der in Neunburg die Schule besucht und gerade mit seinen dunklen Augen schüchtern auf die Cola-Flasche vor ihm schielt. Der Mutter ist es wichtig, dass er selbst auf die Frage antwortet, ob er gern einen Schluck trinken möchte: "So lernt er die Sprache schneller." Prompt kommt ein deutliches "Danke" von dem Achtjährigen, nachdem er den Plastik-Becher in einem Zug geleert hat.

Keine Arbeit

Inzwischen warten draußen vor der Tür auch Ledio und sein Landsmann Gazment aus Albanien, um mit der Beraterin etwas zu besprechen. Der 18-jährige Ledio kann Englisch und verschweigt auch nicht, was ihn nach Deutschland geführt hat. Daheim in Albanien, wo er die Eltern zurückgelassen hat, um mit seinem Bruder das Glück in der Fremde zu suchen, gebe es "nichts, nichts, nichts, keine Arbeit". Er übersetzt die Frage auch für den 30-Jährigen Gazment an seiner Seite. Die Antwort ist die gleiche.

Alle drei bis vier Tage telefoniert Ledio mit den Eltern in Albanien, die darauf hoffen, dass ihre Söhne hier eine Zukunft haben. Wie soll die aussehen? "Ich wünsche mir ein besseres Leben", sagt der 18-Jährige, "das ist alles".
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