Auf die feine englische Art

"One, two, three": Carolin Golla (rechts) übt mit ihren Schülerinnnen die Grundlagen des Hip-Hops und erklärt dabei auf englisch die einzelnen Schritte. Bild: adi
Lokales
Neunburg vorm Wald
03.11.2015
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"Well done! That looks nice", lobt Carolin Golla ihre Schülerinnen. Wer jetzt an eine Szene im klassischen Englisch-Unterricht denkt, der täuscht sich. Die Gregor-von-Scherr-Realschule bietet seit fünf Jahren einen Sportunterricht auf Englisch an und der bietet so einige Überraschungen.

Golla, Englisch- und Sportlehrerin, trainiert mit knapp 60 Mädchen der siebten, achten und neunten Jahrgangsstufe unter anderem Hip-Hop, Basketball und Leichtathletik. Alle Sprechaktivitäten erfolgen hierbei nur auf Englisch. Schülerinnen können dieses besondere Angebot als Wahlfach in ihren Stundenplan integrieren. Dabei findet dann neben der zusätzlichen Stunde am Nachmittag auch der reguläre Sportunterricht auf Englisch statt. "Die Mädchen haben somit drei Englisch-Stunden mehr als ihre Klassenkameraden. Das macht sich natürlich bemerkbar", erläutert Golla.

Inhalt trifft Sprache

"Bilu", wie es hier in Neunburg genannt wird, ist ein Programm des bayerischen Kultusministeriums: Mit "Content Meets Language" soll die Sprechkompetenz und die Kommunikationsfähigkeit der Schüler verbessert und eine Verbindung zwischen den einzelnen Schulfächern hergestellt werden. In der Regel werden die Fächer Geschichte und Erdkunde mit Englisch kombiniert. Die Neunburger Realschule war eine der ersten Bildungseinrichtungen, die dieses Programm auf den Sportunterricht übertrug.

Und das mit gutem Grund: "In der Turnhalle herrscht keine Klassenzimmeratmosphäre. Die Mädchen können ohne Druck sprechen und verlieren so die Hemmnis etwas falsches zu sagen", erklärt die Lehrerin. Sie würden in schnellem Tempo Fortschritte machen, was vor allem hinsichtlich der "Speaking-Tests", der mündlichen Prüfungen, in der neunten und zehnten Klasse einen großen Vorteil bringe.

Am Ende der neunten Jahrgangsstufe erhält jede "Bilu"-Teilnehmerin ein Zertifikat, das sich auch im späteren Berufseinstieg bei Bewerbung bezahlt machen kann. "Englisch ist in den meisten Berufen essenziell, daher sollte das Sprechen so viel wie möglich geübt werden", betont Golla.

Außerschulische Aktivitäten

Neben dem Englisch-Lernen kommt der Spaß natürlich nicht zu kurz. Zweimal im Jahr unternimmt der Kurs Ausflüge, bei denen die englische bzw. amerikanische Freizeitkultur eine Rolle spielt, so zum Beispiel zu einem Spiel der Regensburger Baseball-"Legionäre", oder ein Kino-Besuch mit englischen Filmen.

Um nicht nur körperlich fit zu werden, sondern auch im Sprechen, versucht die Sportlehrerin den Sprechanteil ihrer Schülerinnen möglichst hoch zu halten. So wiederholen die jungen Sportlerinnen die Aufgabenstellungen, erklären Stationen von Zirkeltrainings oder werden gleich selbst zum Lehrer: "Ich überlasse ihnen regelmäßig beim Warm-up das Sagen, und so erklärt dann eine Schülerin auf englisch ihren Kameradinnen die Übungen", beschreibt Golla den "Turn-Alltag". Da derzeit keine männliche Lehrkraft die Fächer Englisch und Sport unterrichtet, bleibt das "Bilu"-Angebot den Mädchen vorbehalten, und so heißt es nächste Woche wieder : "Are you ready, girls?"
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