Befall nimmt in den Wäldern rasant zu - Besonders starke Ausbreitung im Südosten des Landkreises
Förster schlagen Borkenkäfer-Alarm

Lokales
Neunburg vorm Wald
12.09.2015
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"Wir haben angesichts des trockenen Sommers mit verstärktem Borkenkäferbefall gerechnet", stellt Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht klar. Der Chef des für den Landkreis zuständigen Forstamtes in Neunburg fügt jedoch an: "Aber von der Geschwindigkeit, mit der sich die Befallssymptome seit einigen Tagen ausbreiten, sind wir doch überrascht".

Die lange anhaltende Trockenheit hat vor allem bei den flachwurzelnden Fichten zu Wasserstress geführt. Damit sank auch die Widerstandskraft gegen Borkenkäferbefall. Das Ergebnis zeigt sich seit einigen Tagen immer deutlicher. In den fichten-reicheren Waldbeständen nehmen die rotbraunen Kronenverfärbungen rasant zu. Auch sieht man immer mehr Bäume, an denen die Rinde abfällt, und jeden Tag kommen neue Schadflächen hinzu. "Man kann an die Waldbesitzer nur appellieren, in kurzen Abständen ihren Wald auf Befallsmerkmale zu kontrollieren", sagt der Neunburger Förster Fritz Reichert. Gefährdet sind vor allem Bestände in Südhanglagen und auf wasserdurchlässigen Sandböden. Besonders prekär ist die Situation jetzt schon im Südosten des Landkreises.

Ein Blick unter die Rinde zeigt, dass sich derzeit die dritte Käfergeneration in diesem Jahr entwickelt. Meist findet man Larven- oder Puppenstadien. "Diese dürfen sich nicht mehr zu Käfern fertig entwickeln", warnt Forstdirektor Wicht. Denn Borkenkäfer sind relativ kälte-unempfindlich und können so unter der Rinde oder in der Bodenstreu überwintern. Damit kann für das kommende Jahr eine durchaus kritische Ausgangspopulation entstehen. Denn man muss wissen, dass ein Weibchen im Laufe eines Jahres bis zu 100 000 Nachkommen zeugen kann. "Nur einige Hundert reichen schon aus, um eine Fichte absterben zu lassen", ergänzt Förster Reichert.

Frischer Borkenkäferbefall ist sichtbar. Typisches Merkmal ist braunes Bohrmehl, das sich an den Rindenschuppen anheftet oder sich am Stammfuß oder in Spinnweben sammelt. "Man muss also sehr genau hinsehen, denn wenn die Rinde erst mal abfällt oder die Baumkronen sich rot färben, ist es meistens zu spät. Die neue Borkenkäfergeneration ist dann bereits ausgeflogen", macht Wicht klar.

Um eine Vermehrung der Käfer zu verhindern, müssen die frisch befallenen Fichten umgehend gefällt werden. Anschließend sind die aufgearbeiteten Stämme schnellstmöglich aus dem Wald abzufahren; ist dies nicht rechtzeitig möglich, hilft Entrinden und als allerletzte Lösung auch Begiften. Wenn der Kupferstecher beteiligt ist, müssen auch Äste und Kronenteile beseitigt, also zu Hackschnitzel verarbeitet oder verbrannt werden. Für die Bekämpfung der Borkenkäfer besteht im übrigen auch eine gesetzliche Verpflichtung. Bei Unterlassung kann das Landratsamt die Käferbäume auf Kosten des Waldbesitzers aufarbeiten lassen.
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