Blick für Geheimnis geöffnet

Ein stattlicher Druide (Gerhard Würl) mischte sich beim Pressetermin am Druidenstein unter die Gäste. Neunburgs Bürgermeister Martin Birner und stellvertretender Landrat Jakob Scharf (von links) schmunzeln über den imposanten Auftritt des im Stil der Asterix-Hefte gekleideten Kelten.
Lokales
Neunburg vorm Wald
25.10.2014
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Rund um die massigen Granitsteine knattern die Motorsägen. Ein Geräusch, das vor 2800 Jahren auch die Kelten in die Flucht geschlagen hätte. Ein Druide hat sich trotzdem an die Kultstätte gewagt, wo angehende Forstleute Landschaftspflege betreiben.

Dichtes Buschwerk und stattliche Bäume haben seit Jahren den Druidenstein bei Kröblitz in einen grünen Mantel eingehüllt. Jetzt ist das imposante Naturdenkmal schon von weitem auf dem Hügel zu erkennen: riesige Granitbrocken, wie hingeworfen oder aufgeschichtet von einem Riesen und dazu noch sagenumwoben. Theoretisch könnte das Gestein nun wieder als Wegweiser dienen und damit eine mutmaßliche Funktion aus der Ära der Kelten erfüllen.

"Nur Gewinner"

Doch bevor der kleine Eichenhain den Blick auf diese Felsformation freigab, rückten Motorsäge und Freischneider an. Am Donnerstag war Endspurt für die Landschaftpflegemaßnahme unter Regie der Neunburger Außenstelle der Berufsschule. Die angehenden Forstwirte aus der zwölften Klasse legten Säge und Rechen beiseite und erläuterten, was sie sich mit dem Projekt vorgenommen hatten. "Ein Projekt, bei dem es nur Gewinner gibt", begeisterte sich stellvertretender Landrat Jakob Scharf für die Aktion "Druidenstein".

Als Kreisheimatpfleger und "Asterix-Leser" wusste Scharf es zu schätzen, dass nicht nur das von der Natur überwucherte Gestein, sondern auch die Sage freigelegt wurde. "Es gibt solche Orte mit besonderer Ausstrahlung, die allen Respekt einflößen, die dafür eine Antenne haben", stellte er fest, und wünschte sich, dass die angehenden Forstwirte hier auch ein Gespür für die Geschichte bekommen haben.

Für die jungen Landschaftspfleger lag der Fokus allerdings zunächst auf der praktischen Seite. Zu ihrem Job gehörte es, tote Äste zu entfernen, die Besuchern gefährlich werden könnten. Im Eichenhain rund um die Gesteinsformation sollte Nebenbewuchs bis auf vereinzelte Kirschen und Robinien entfernt werden. Auch Stock-Ausschläge galt es zu beseitigen, und Müll konnten die Auszubildenden aus ganz Bayern auch nicht einfach liegen lassen. "Es ist Euer Verdienst, dass der Druidenstein jetzt öffentlich wahrgenommen wird", zog der Außenstellenleiter der Berufsschule, Günter Dirnberger, Bilanz

Für Birgit Höcherl hat diese Pflegemaßnahme in Kooperation von Berufsschule und Naturparkverein Oberpfälzer Wald gleich mehrere Vorteile: Sie diene der Umweltbildung und sensibilisiere für den Naturschutz, auch der Naturparkverein und nicht zuletzt die Natur würden von dem vorbildlichen Einsatz profitieren, meinte die stellvertretende Vorsitzende des Naturparkvereins. "Es hat sich gezeigt, dass durch den praktischen Bezug das im Unterricht Gelernte ganz anders haften bleibt", betonte Höcherl, bevor Gerhard Würl im Kostüm eines Druiden von seinem Volk erzählte.

Kraft investiert

Neunburgs Bürgermeister Martin Birner war sich sicher, dass die künftigen Forstwirte an diesem Kraftort auf jeden Fall auch spürten, wie viel Kraft nötig ist, um den Blick auf das Naturdenkmal wieder herzustellen. Als kleine Anerkennung versprach er eine Brotzeit, während Landratsstellvertreter Scharf an die Auszubildenden noch eine Bitte hatte: "Erzählen Sie weiter, was Sie hier Sagenhaftes erlebt haben." (Hintergrund)
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