Dem See auf den Grund gehen

Vor allem in den heißen Sommermonaten färbt sich das Wasser des Eixendorfer Stausees regelmäßig grün. Ein neues Gutachten soll bis Ende des nächsten Jahres die Erfolgsaussichten für eine See-Restaurierung unter die Lupe nehmen. Bild: Götz
Lokales
Neunburg vorm Wald
01.12.2015
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Sie wollen wissen, wie der Eixendorfer See tickt. Was lebt und wächst darin? Wie entwickelt sich die Wassertemperatur? Wie hoch ist der Anteil an Nährstoffen? Das neue See-Verständnis soll in ein Gutachten münden, dass die Weichen für ein Gewässer ohne Blaualgen stellt.

Den Auftrag für die Untersuchung hatte das Wasserwirtschaftsamt Weiden im Oktober an das Büro "Ökon" - Gesellschaft für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung - aus Kallmünz übergeben. Ende des nächsten Jahres soll das Gutachten zur Restaurierung des Hochwasserspeichers vorliegen. Zum Auftakt der Bearbeitungsphase trafen Vertreter von Wasserwirtschaft, Fischerei und Landwirtschaft sowie der Gemeinden Neunburg und Rötz im Rathaussaal zusammen. Dabei informierten "Ökon"-Vertreter über die geplanten Untersuchungen.

Gemeinschaftsaufgabe

Bürgermeister Martin Birner (Neunburg) erläuterte, dass die neue Analyse die Erfolgsaussichten einer See-Restaurierung ausloten soll. Er begrüßte es, dass dabei die Ergebnisse früherer Untersuchungen berücksichtigt werden. Sein Amtskollege Ludwig Reger aus Rötz nahm es positiv auf, dass die Fachstellen an einem Tisch sitzen - "wir müssen alle an einem Strang ziehen, um die Wasserqualität zu verbessern". Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Weiden, trat der Frage "Warum denn schon wieder ein Gutachten?" entgegen. Seit der letzten Untersuchung im Jahr 1999 habe sich unter anderem der Stand von Technik und Wissenschaft weiterentwickelt. Er verwies darauf, dass trotz einer Reduzierung der Phosphat-Fracht, der See weiterhin mit Blaualgen belastet ist.

"Im Großen und Ganzen geht es um die Nutzbarkeit des Sees als Badegewässer", fasste Dr. Francis Foeckler, Diplom-Biologe und Geschäftsführer bei "Ökon", zusammen. Er verdeutlichte, dass Blaualgen eigentlich keine Algen, sondern Bakterien seien, die im See optimale Fortpflanzungsbedingungen vorfänden - "es gibt Phosphate, Nährstoffe und viel Licht im Sommer". Für das neue Gutachten würden die älteren Untersuchungen analysiert und bisherige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität auf ihre Wirksamkeit ausgelotet. Aus der Schnittmenge der Daten sollen jene Zusammenhänge erforscht werden, die verantwortlich für die Blaualgenblüte sind. Eine große Rolle spiele unter anderem die Temperatur im See: Bereits seit November nehmen Sonden an sechs Probestellen stündliche Messungen vor, die Tiefen variieren zwischen 2 und 13 Metern. "Damit können wir genau feststellen, wann sich das kalte Wasser im See ,einschichtet' und nur mehr das warme Wasser oben bleibt", so Foeckler.

Das Gutachten hat das Ziel, konkrete und sowohl technisch wie finanziell umsetzbare Maßnahmen für einen "sauberen" See aufzuzeigen. Denkbar sei, dass erfolgversprechende Vorgehensweisen innerhalb eines Pilotprojektes über die Bühne gehen. Als Beispiel nannte Dr. Foeckler den Hammersee bei Bodenwöhr, wo untersucht wird, den Blaualgen mit Ultraschall zu Leibe zu rücken.

Abschluss im Dezember '16

Über den Stand des Gutachtens wird das Büro im Zeitraum April/Mai und Juli/August bei Zwischenberichten informieren, der Abschlussbericht soll im Dezember 2016 vorliegen. WWA-Leiter Rosenmüller versicherte, dass bei allen Maßnahmen mögliche Auswirkungen auf das Umfeld des Sees nicht außer acht gelassen werden: "Wir machen nichts, was die Schwarzach unterhalb des Sees kaputt machen würde."

Das Gutachten:

Geplanter Umfang

Sichtung und Auswertung der bisherigen Studien und Maßnahmen zu Wasserqualität und Algenblüte am Eixendorfer See.

Recherche, ob in den vergangenen Jahren (ab ca. Jahr 2000) Maßnahmen an vergleichbaren europäischen Gewässern mit ähnlicher Problematik erfolgreich umgesetzt wurden.

Darstellung von etablierten Maßnahmen aus dem Bereich der Seen-Therapie im Hinblick auf Einsatzmöglichkeiten im Eixendorfer See. Darstellung weiterer, innovativer Maßnahmen mit Vor- und Nachteilen, Aufwand und Erfolgsaussichten (und Risikoabschätzung).

Geprüft werden drei Vorschläge aus den betroffenen Gemeinden Neunburg und Rötz: Vorschlag 1 - Entnahmeturm/Schwimmwassertrichter unmittelbar oberhalb der Hauptsperre zum Absaugen/Ausschwemmen der Algen. Vorschlag 2 - zeitlich (Sommermonate) und räumlich (Badestellen) begrenzte Reduktion der Algenblüten. Vorschlag 3 - Bau einer weiteren Vorsperre.

Auch eine Änderung der Speicherbewirtschaftung ist auf dem Prüfstand.

Daten als Basis

Für die Erstellung des Gutachtens ist eine Analyse langjähriger Datenreihen zur Gewässerchemie und -biologie vorgesehen. Dabei sollen auch Aussagen zum Einfluss des Speichers (z.B. Frachten, Temperatur, etc.) auf die Schwarzach unterhalb des Speichers abgeleitet werden.

Mit der Aufnahme von Temperatur-Tiefenprofilen sollen die Schitungsverhältnisse im Stausee ermittelt werden. Untersucht wird auch die Auswirkung eines beweglichen Kraftwerks an der Vorsperre.
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