Den Charme herauskitzeln

Malerische Plätze mit Potenzial warten in Neunburg auf Entdecker. Einzelhändler waren da jedoch in den vergangenen Jahren dünn gesät. Jetzt setzt die Stadt auf neue Pioniere. Bilder: Bugl (2)
Lokales
Neunburg vorm Wald
07.11.2015
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Eine Traumstraße ist es für viele Stadträte nicht, auf die Neunburg nun im Städtebau abbiegt. Weil es mit der Belebung der Altstadt durch Einzelhändler nicht klappt, will sich die Mehrheit einem Fachmarktzentrum nicht verschließen. Ein neuer Fokus ist gefragt.

Mit der Fortschreibung des Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) stand der Stadtrat am Donnerstagabend auch vor einer neuen Weichenstellung. Konkret ging es um eine Abwägung der Stellungnahmen bei der Öffentlichkeitsbeteiligung. Doch dabei flammte auch eine Grundsatzdebatte darüber wieder auf, wie viel Schutz der Altstadt zu gewähren ist.

Für Stadtrat Martin Scharf (Freie Wähler) stand das Konzept im Widerspruch zum Einzelhandelsgutachten. Es gebe ein "hohes Gefährdungspotenzial" der Altstadt-Händler bei Kleidung und Schuhen, merkte er in Hinblick auf das aus städtebaulicher Sicht akzepteptierte Fachmarktzentrum an der Amberger Straße an. "Das verschärft den Überlebenskampf der Einzelhändler" kritisierte auch CSU-Stadtrat Dr. Christoph von Wenz. Und Parteikollege Dr. Richard Wagner sprach von einem "misslungenen Spagat", wenn hier das Fachmarktzentrum integriert werde, verschlechtere es doch die Aussichten für die Innenstadt.

Stadtplanerin Barbara Hummel sah hingegen das Zentrum weniger als Konkurrenz für die Altstadt, sondern allenfalls für die "nicht besonders attraktive Vorstadt". "Dort muss etwas passieren", machte sie den Stadträten klar und fügte hinzu. "Wir sagen, das Ganze hat ein Chance, was aber bedeutet, dass Sie in die Gänge kommen müssen."

Atmosphäre anpreisen

"Die Altstadt muss sich auf viele Beine stellen", mahnte Hummel. Klar sei da der Einzelhandel die nahe liegendste Version. "Aber wenn man das über Jahre vergeblich versucht, dann muss man sich überlegen, was man anderes reinbringen kann." Von einer historischen Kulisse und einer gewachsenen Struktur, dem Charme der historischen Umgebung könnten auch Dienstleistung und Kultur profitieren. "Sie müssen diese Atmosphäre anpreisen", so ihr Tipp. Und was das barrierefreie Wohnen in der Altstadt betraf, stellte Hummel fest: "Es wäre schön wenn mal ein Beispiel für ,Schöner Wohnen' durchexerziert würde, dann könnten andere nachziehen."

Noch mehr Leerstand

Es gebe schon einige hervorragende Beispiele mit Einzelhändlern, das seien aber zu wenige, bedauerte CSU-Stadtrat Klaus Zeiser: "Wir wollten das Glück von Neunburg erzwingen, aber es sollte nicht sein." Jetzt versuche man eben, neue Impulse zu setzen, meinte Zeiser und signalisierte seine Zustimmung zur ISEK-Fortschreibung. Drastischer formulierte es Margot Weber (SPD): "Nur verbal für die Altstadt votieren und der ganzen Stadtentwicklung einen Stillstand verordnen zu wollen, bis einem eventuell gebratene Tauben in den Mund fliegen, bringt Neunburg nicht einen Schritt voran" . Die Leerstände in der Altstadt hätten sich trotz städtischer Bemühungen in erschreckender Weise vermehrt, ein Aufweichen bisheriger Positionen sei da richtig. "Investieren statt lamentieren", so ihre Devise.

"Oberviechtach läuft uns langsam den Rang ab", gab Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU) zu bedenken und verteidigte ebenfalls das angepeilte Fachmarktzentrum. Neunburg müsse seiner Rolle als Mittelzentrum gerecht werden, etwas anderes würden die Bürger nicht verstehen.

Mit einer deutlichen Mehrheit von 16:4 Stimmen billigte der Stadtrat schließlich die ISEK-Fortschreibung. Dagegen stimmten Dr. Richard Wagner, Dr. Christoph von Wenz (beide CSU) sowie Martin Scharf und Georg Bottenhofer (beide FWG). Mit der gleichen Stimmenmehrheit wurden die Einwände des Vereins der Selbstständigen in Neunburg zur Kenntnis genommen. Einstimmig erfolgte die Kenntnisnahme bei den Anmerkungen von Unterer Naturschutzbehörde, Staatlichem Bauamt, IHK , Handwerkskammer Landesamt für Denkmalpflege und Telekom.

Zu dem neuen Fokus für die Altstadt auf Dienstleistung, Gastronomie, Wohnen, Kultur und Tourismus sollte für die Neunburger nach Ansicht von Stadtplanerin Hummel aber noch ein Konzentrieren auf die "Marke Neunburg" kommen. Die Bewohner sollten zu ihrem Ort stehen und die berechtigte Hoffnung haben, dass es weitergeht, meinte sie. "Irgendwie liegt eine Schwere auf diesem Ort, so lange das da ist, werden sie sich auch schwer tun." Ihr Wunsch für die Neunburger: "Nach außen strahlen, stolz sein: Das hat Wirkung."
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