Der Rotor schwebt nur bei Flaute

Zwei stählerne Ungetüme ruhen im Wald bei Penting: In der Nacht zum Donnerstag haben die beiden 30 Meter langen Turmteile die Baustelle der Windenergieanlage Penting erreicht. Ab Mittwoch der kommenden Woche soll der Windrad-Bau auf die Zielgerade einbiegen. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
13.08.2015
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Die Energiewende rollt auf vielen Achsen an: Mit dem Antransport der beiden 30 Meter hohen Turmteile aus Stahl ist am Mittwochabend die Endphase für den Bau der Windkraftanlage Penting eingeläutet worden. In der nächsten Woche wird der Rotor montiert.

Die zwei 48 Meter langen Schwertransporter waren zunächst die Autobahn A 93 herauf gerollt. Geleitet von einer Polizeieskorte, wechselte der Konvoi an der Anschlussstelle Fronberg zunächst auf die B 85, danach auf die Kreisstraße SAD 22, ehe er auf die Staatsstraße 2151 in Richtung Neunburg einschwenkte. Um den überlangen Trucks den Weg zu bahnen, mussten die Mitarbeiter der Transportfirma auf Verkehrsinseln immer wieder einmal Schilder umlegen.

Anstieg über Poggersdorf

Über das Industriegebiet wurde schließlich Poggersdorf erreicht, letzte Zwischenetappe für den Schwertransport. Dort war bereits im Vorfeld eine Art Wendehammer frei geschoben worden. Gegenüber des Kollerhofs setzten die beiden überdimensionalen Gespanne zunächst zurück, um danach den Anstieg in Richtung Penting in Angriff zu nehmen. Damit die Fahrzeuge nicht aufsaßen, war sogar eine kleine Rampe gebaut worden, teils war die Fahrbahn mit Stahlplatten ausgelegt.

Maschinenhaus erwartet

"Die Anfahrt verlief reibungslos", berichtete Christian Anwander am Donnerstag gegenüber dem NT. Beim Projektbüro Voltgrün aus Regensburg ist er zuständig für das Projektmanagement und koordiniert, dass alle Gewerke beim Windradbau ineinandergreifen. Die beiden 30 Meter langen Stahlrohr-Turmteile sind damit nun vor Ort. In der Nacht zum Freitag wurden laut Zeitplan das Maschinenhaus und der Triebstrang, das Herz der Windkraftanlage, an der Baustelle erwartet.

Um mit der Endmontage beginnen zu können, steht am Montag der Antransport des rund 150 Meter hohen Krans im Kalender. Allein für den überlangen Ausleger ist an der Baustelle eine über 100 Meter lange Fläche planiert worden. Am Mittwoch oder Donnerstag sollen die beiden Stahlrohre auf den bereits seit Wochen stehenden Betonturm aufgesetzt werden. Danach wird das Maschinenhaus empor gehoben.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag werden die drei Rotorblätter antransportiert. Laut Voltgrün-Geschäftsführer Stefan Trummer wird der Rotorstern am Freitag mit der Nabe montiert, jedes Blatt mit insgesamt 64 Bolzen befestigt. Vorgesehen ist, dass der Großkran den Rotor zunächst waagrecht hochhebt. Später wird das Windrad langsam gekippt, bis es senkrecht steht. Die Witterung muss dabei ebenfalls mitspielen, wie Christian Anwander beschreibt: "Wenn der Rotor hochgezogen wird, muss es ziemlich windstill sein", sagt er. Schließlich ist der Anbau an die Nabe Millimeterarbeit. Gerade weil der Rotor sehr windanfällig gebaut ist und mit seinen 117 Metern Durchmessern eine große Angriffsfläche bietet, ist dabei Flaute an der Baustelle gewünscht.

Läuft alles nach Plan, steht das Windrad dann am Freitagabend fertig aufgerichtet da und streckt sich 199 Meter in den Oberpfälzer Himmel. Die nächsten Schritte sind dann Feintuning: Der Anlagenhersteller Nordex sorgt für die Inneninstallation, außerdem muss die Elektrik angeschlossen, müssen die Rotorblätter im richtigen Winkel ausgerichtet werden. Auch der Anschluss ans Stromnetz soll in den nächsten zwei, drei Wochen passieren.

Test auf Herz und Nieren

Ehe das Pentinger Windrad in den Probebetrieb gehen kann, gilt es noch einen Testlauf zu absolvieren. "Die Anlage wird dabei auf Herz und Nieren geprüft", erläuterte Christian Anwander. Unter anderem muss sich das Getriebe "einlaufen", steht ein Drehzahltest an. Erst dann kann der etwa zehntägige Probebetrieb beginnen, während dieser Zeit muss die Anlage fehlerfrei laufen. Wird diese Hürde genommen, geht das Windrad Mitte September in Betrieb.
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