Ein Dauerfeuer bissigen Humors

Burgi, Bärbi und Moni (von links), die "Wellküren", unterhielten die Gäste in der Schwarzachtalhalle mit Musik und Witz. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
13.11.2015
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Mit der unvergleichlichen Mischung aus bodenständiger Volksmusik, deftigem Kabarett und charmantem, aber hintergründigem Witz katapultierten sich die "Wellküren" in die Herzen des Publikums. In der Schwarzachtalhalle zeigten sie sich als unverzichtbare Größe der bayerischen Kabarettszene.

"Applaus - ein wunderbares Geräusch" vernahmen die drei Schwestern Moni, Bärbi und Burgi, als sie die Bühne betraten und mit dem Lied "Griaß eich God" alle Facebook-Liker, Elektrobiker, Verwandten und auch Laktose-Intoleranten begrüßten. In ihrer "Aufwärm-Phase" durfte eine Portion Lokalkolorit nicht fehlen: "Die Oberviechtacher meinen, sie sind was Besseres, weil sie einen Baumarkt, ein Krankenhaus, die Bundeswehr und einen Drogeriemarkt haben", während in Neunburg "da Fuchs die Henna bei Tag holt".

Posten für alle Geschwister

Die drei "Wellküren" räumten ein, dass sie als einzige Schwesterpartei versuchten hätten, Bayern zu retten - aber es habe nicht geklappt. Dabei wäre die Verwandtenaffäre bei ihnen kein Problem gewesen. Schließlich hätte bei zwölf Geschwistern jeder einen Posten bekommen. Durch die vielen Wahlkampfauftritte seien allerdings die Kinder und die Männer weg. Da helfe nur die Stubenmusi, denn sie gehe ins Herz.

Ob in Liedern wie "Ich bin ein guter Verlierer" oder dem Titelsong "Herz sticht", die Aussagen übers Älterwerden, von Irrtümern, Missgeschicken und Schicksalsschlägen wurden in bairischer Mundart und mit bissigem Humor musikalisch verpackt. Wenn Männer hinter jedem Rock her sind, unterliegen sie der "hormonellen Demenz" und brauchen eine spezielle Behandlung. Burgi, die "total gerne" mit ihrem Gasherd kocht, entwickelte sich als Lästerziel, während Bärbi ständig spottete. Moni schoss mit ihrem waffenscheinpflichtigen Schnellfeuer-Mundwerk wild um sich. Dies wurde deutlich, als sie sich von ihrem Mann getrennt hat, weil er als Vegetarier eine Leberkässemmel gegessen, die Globuli nicht mehr eingenommen und einen "hohen Magen" bekommen hat, weil er immer mehr "nass gfuadert" hat.

Der Sepp aus Furth im Wald, ein Gast aus dem Publikum, wurde auf die Bühne geholt, um sich seine Brille mit dem Wundertuch "Wisching Well" putzen zu lassen. Zum Schießen war das Gespräch mit Hillary Clinton. Moni lief zur Höchstform auf, als sie erklärte, dass Seehofer nur noch eine Kronprinzessin habe. Wenn sich "die Aigner" schminkt, sei das Bauernmalerei. "Die Haderthauer" habe nicht nur Haare auf den Zähnen, sondern ganze Frisuren. Lifestyle-Mamis ("Geh aus dem Weg, ich bin Mutter!") mit Thermomix und Laktose-Fructose-Intoleranz wurden ebenso durch den Kakao gezogen wie das "leere Gehirn" bei Facebook.

Satire mit Frauenpower

Die Nonnentrompete, eine Mischung aus Geige und Trompete, kam zum Einsatz, genauso wie ein ganzer Kanon Instrumente wie Saxofon, Tuba, Posaune, Harmonika, Gitarre und Trompete. In der schaurig-schönen Ballade "Ich tat es nur aus Liebe" berichteten die Lästerschwestern, wie sie ihre Gatten mit Arsen im Weißbier, Schürhaken und Gashahn aus dem Weg geräumt haben, um im nächsten Augenblick bei der Persiflage von "Highway to Hell" in "Der Deifl soll nan holn" sogar das Hackbrett zum Rauchen zu bringen.

Satirisches Dauerfeuer gepaart mit geballter Frauenpower - so zeigten die Schwestern ein höchst gelungenes Bühnenprogramm, das mit einem "Stuben-Musical" als Zugabe und tosendem Applaus endete.
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