Ein Lausbub des Humors

Beim Heinz-Erhardt-Abend des Landestheaters Oberpfalz glänzte Ruppert Grünbauer als der urkomische Entertainer. Julia Gruber (links) und Sonja Hammer-Kölbl brachten Abwechslung ins Bühnengeschehen. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
19.10.2015
21
0

Mit Mondgesicht, Hornbrille und witzigen Pointen hat sich der Schauspieler, Humorist und Dichter Heinz Erhardt in die Herzen der Zuschauer gespielt. Seine locker-flockige Art schelmischer Komik ließ das Landestheater Oberpfalz bei einer Revue in der Schwarzachtalhalle aufleben.

Ein Fernsehstudio als Kulisse, die Zuschauer als Publikum, so ließ das Landestheater Oberpfalz (LTO) in einer bunten Szenenfolge die Gedichte und das Künstlerleben Heinz Erhardts Revue passieren. Den Komiker spielte in unnachahmlicher Weise Ruppert Grünbauer, Holger Popp stellte den jungen Erhardt dar.

Das Zwerchfell im Visier

Die szenische Revue, gestrickt aus bekannten Gedichten, Liedern und Pointen des Jahrhundertkomikers, war ein Angriff auf das Zwerchfell der Zuschauer. Mit "nervtötender" Wortklauberei begann der Auftritt, als der Hauptdarsteller in die Ansage der Moderatorin (souverän gespielt von Julia Gruber) platzte und erklärte, er hätte "von da, aber auch von dort" auf die Bühne kommen können.

"Frauen sind wie Juwelen, man muss sie mit Fassung tragen" war die Quintessenz aus dem Lied "Mein Mädchen". Seine Lebensgeschichte erzählte der junge Erhardt (Holger Popp). Er habe fünfzehn Mal die Schule gewechselt nach dem Motto: "In der Schule war kein Fortkommen, also machte ich, dass ich fortkam." Mit dem Namenskatastrophensong "Ich heiße Agamemnon" hatte Erhardt das Publikum im Griff und so lief er zur Höchstform auf. "Ist Goethe ein größeres Wunder als die Fliege", fragte Grünbauer als Erhardt und gab die Antwort: "Konnte Goethe durch den Raum schwirren und auf der Nase landen?"

Eine "Spitze" auf den jüngsten Skandal in der Wirtschaft durfte auch nicht fehlen: "Trotz der vielen spitzen Kiesel fuhr Archimedes niemals Diesel." Schillers "Tauchenichts" stand genauso auf dem breitgefächerten Programm wie der "König Erl". Die ureigene Veränderung, die Erhardt an klassischen Gedichten vornahm, die von Grünbauer vorzüglich vorgetragen wurden, brachte das Publikum immer wieder zum Lachen und zeigte die Wortgewandtheit und den spitzfindigen Humor des großartigen Künstlers.

Für die musikalische Begleitung am Piano sorgte Holger Popp, Reinhard Kausler begleitete ihn am Schlagzeug. Sonja Hammer-Kölbl sowie Julia Gruber brachten bei den Liedern und Sketchen mit kurzen, aber überzeugenden Auftritten Farbe und Abwechslung ins Bühnengeschehen. Auch als Sänger überzeugte Grünbauer alias Erhardt und bewies dies bei Liedern wie "Luisenstraße 13" oder "Linkes Auge blau".

Hommage an Kinofilme

Nach der Pause ging es mit Erhardt wohl bekanntestem Lied "Wenn ich einmal traurig bin" weiter. Natürlich durfte der beliebte G-Sketch nicht fehlen, den Grünbauer im Zusammenspiel mit Julia Gruber, Sonja Hammer-Kölbl und Reinhard Kausler glänzend inszenierte. Als Hommage an die erfolgreichen Kinofilme Heinz Erhardts sangen die Künstler abschließend Lieder aus den beliebten Streifen. "Drei Mann in einem Boot", "Die Radfahrer" und "Für die Liebe ist es nie zu spät" sind unvergessene Melodien aus der Wirtschaftswunderzeit.

Mit dieser Revue ist dem LTO ein besonderer Ehrenabend für einen der größten Unterhaltungskünstler im Nachkriegsdeutschland gelungen. "Solange ich sprechen kann, werde ich es schaffen, das Publikum zum Lachen zu bringen", war stets Erhardts Motto. Dies ist ihm in der Schwarzachtalhalle 35 Jahre nach seinem Tod gelungen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.