Ein Schatz auf der Theaterbühne

Am kommenden Wochenende steht das 140-köpfige Ensemble des Festspiels "Vom Hussenkrieg" noch zwei Mal auf der Bühne. Nach den Aufführungen am Freitag und Samstag verlöschen im Burghof die Scheinwerfer. Bilder: Götz
Lokales
Neunburg vorm Wald
04.08.2015
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"Das Festspiel sollte gehegt, gepflegt und weitergeführt werden." "Hussenkrieg"-Regisseur Nikol Putz

Seit 1983 ist Neunburg Festspielstadt. Jeden Sommer bringen 140 Darsteller das Stück "Vom Hussenkrieg" mit einer bunten Mischung aus Ehrenamt und Enthusiasmus auf die Bühne. "Seien Sie stolz auf diesen Theaterbetrieb", legte Regisseur Nikol Putz den Stadträten ans Herz.

Der aus Hamburg stammende Berufsregisseur - einziger Theaterprofi im "Hussenkrieg"-Ensemble - gab im Stadtrat einen Bericht über seine Arbeit ab. Die Stadt Neunburg ist Veranstalter des Festspiels, als Produzent fungiert der Festspielverein. Nikol Putz, der mittlerweile im 19. Jahr die Inszenierung leitet, bedankte sich bei den Stadträten für das langjährige Vertrauen. Die Arbeit in Neunburg mache ihm nach wie vor großen Spaß, betonte er.

Professionelles Theater

"Ich möchte Sie dazu verführen, den Blick von außen auf das Festspiel zu richten", erklärte Putz. Die Stadtväter sollten es sich wieder neu ins Bewusstsein rufen, was für ein Reichtum damit verbunden ist. "Vieles, was als Selbstverständlichkeit hingenommen wird, sieht man häufig nicht mehr so klar." Aus der Warte des Profis betonte Putz, dass sich in Neunburg unter der Ägide des Festspielvereins ein professioneller Theaterbetrieb entwickelt habe.

Exemplarisch nannte Putz den "großen Theaterverstand" des Vorsitzenden und "Intendanten" Helmut Mardanow sowie die "hochprofessionellen Probenpläne", die der örtliche Spielleiter Hans-Werner Habel erarbeitet - "das hätte ich mir auch an anderen Theatern gewünscht". Auch in der Technik, bei der Maske, in der Kostüm- und Requisitenabteilung hätten die ehrenamtlichen Mitarbeiter ein hohes Bewusstsein für Theaterarbeit entwickelt.

Als "Herz des Festspiels" bezeichnete der Regisseur das Ensemble. Wenn Groß und Klein, Jung und Alt aus allen Gesellschaftsschichten miteinander auf der Bühne stehen, erfülle der "Hussenkrieg" einen großen sozialen Aspekt. Nikol Putz charakterisierte das Festspiel als Gemeinschaftsproduktion - "bei uns gibt es keine Star-Allüren". Und die schauspielerischen Leistungen der rund 140 Köpfe zählenden Theatergruppe würden von Zuschauern aber auch von überregionalen Theaterleuten gewürdigt und anerkannt. Der Stadtrat könne stolz auf diesen Theaterbetrieb sein. Putz unterstrich, wie wichtig die Hilfe und Unterstützung durch die Fraktionen für das Gelingen des Spiels seien.

Die lebendige und vielseitige Inszenierung stellte CSU-Stadtrat Christoph von Wenz heraus - "ich sehe immer wieder etwas Neues auf der Bühne". Er bat den Regisseur, das Zukunftspotenzial des Festspiels über das Jubiläumsjahr 2017 (1000 Jahre Stadt, 35 Jahre Festspiel) hinaus einzuschätzen. Nikol Putz sah das Festspiel als "festen Bestandteil der Stadt", es sollte gehegt, gepflegt und weitergeführt werden. Zwar laufe sein Vertrag 2017 aus, doch er würde darüber hinaus für eine weitere Inszenierung zur Verfügung stehen, aber auch eine andere Lösung unterstützen. Ein Aufgeben der Festspiel-Tradition "wäre schade, ja sogar eine Schande". Es sei "unendlich wichtig", sich bewusst zu werden, welchen Schatz und Reichtum das Festspiel für Neunburg bedeute. Der Wert der hier geleisteten Arbeit lasse sich in Geld kaum zum Ausdruck bringen.

Bescheidenheit ablegen

Nach einer Anfrage von Stadtrat Erich Schmid (SPD) ging Putz auf den heuer schleppend laufenden Kartenvorverkauf ein. Einer der großen Gründe dafür sei für ihn das fehlende Tribünendach - "es fehlt uns als Akustiksegel und als Regenschutz". Die Zuschauer hätten sich früher darauf verlassen, dass ihre Karten in Neunburg bei schlechtem Wetter nicht verfallen, weil das Ensemble trotzdem spielt - "aber dieses Image ist nun weg". Abschließend machte sich der Regisseur dafür stark, die Festspiel-Werbung zu intensivieren: Neunburg könne mit dem "Hussenkrieg" ruhig noch deutlich selbstbewusster auftreten - "wir sind häufig zu bescheiden".

"Wir haben ein sehr gutes Festspiel von hoher Qualität", war sich Bürgermeister Martin Birner bewusst. Die Stadt Neunburg wisse die Arbeit von Regisseur Nikol Putz zu schätzen. Sein Dank galt allen Ehrenamtlichen, die sich für das Festspiel einsetzen.
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