Energie und Extreme

Lokales
Neunburg vorm Wald
17.06.2015
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Die Energiewende bereitet vielen Kopfzerbrechen, für das Bayernwerk bedeutet sie vor allem eine Menge Arbeit. In der Oberpfalz fühlen sich die Verantwortlichen gut gerüstet - auch vor möglichen Überraschungen.

Die emotional geführte Debatte um "Monstertrassen" berührt das Bayernwerk weniger. Das Unternehmen schafft für sein rund 50 000 Kilometer langes Mittelspannungsnetz ganz andere Fakten. Immer mehr Strommasten werden abgebaut, immer längere Erdkabel-Strecken entstehen. Das machten Vertreter des Bayernwerkes am Dienstag in der Netzleitstelle in Neunburg vorm Wald (Kreis Schwandorf) deutlich.

Egon Westphal, Mitglied des Bayernwerk-Vorstands und verantwortlich für das Ressort Technik, berichtete über die "stürmische Entwicklung" im Freistaat. Die Energiewende habe das Netz "oft an den Rand unserer Möglichkeiten gebracht". Ohne die Leitstelle in Neunburg sei dies nicht zu bewältigen gewesen. Rund 60 Prozent regenerative Energie würden schon heute transportiert. Die Dominanz der in der Erzeugung stark schwankenden Photovoltaik habe "natürlich Folgen". Es werde örtlich viel mehr Strom erzeugt als benötigt. Es sei dann die Aufgabe der Netzsteuerung, die Versorgung stabil zu halten, machte Westphal klar.

Zwei "Extremsituationen"

Westphal nannte zwei "Extremsituationen" der vergangenen Wochen: die Sonnenfinsternis am 20. März. Für 15 bis 30 Minuten sank die Einspeisung um 2100 Megawatt, stieg danach wieder um 3300 Megawatt Die Schwankung entsprach der Leistung von bis zu vier Großkraftwerken. Westphal: "Mit intelligenter Netzsteuerung haben wir das gemeistert." Dann die Rekordeinspeisung von 4400 Megawatt am 19. April. Die Erzeugung lag deutlich über dem Bedarf. Der nicht benötigte Strom wurde dabei in die Höchstspannungsnetze der Tennet weitergeleitet.

"Fast überrannt"

Jede Menge Herausforderungen also, die vor allem durch moderne Leitstellentechnik gemeistert werden können. Westphal gibt zu: "Phase eins hat uns fast überrannt." 520 Millionen Euro gibt das Bayernwerk für die Infrastruktur in diesem Jahr aus. In der Oberpfalz werden 2015 rund 94 Millionen Euro investiert: 34,5 Millionen im Gebiet des Netzcenters Weiden, 31,5 Millionen in Schwandorf, 28 Millionen in Parsberg (Kreis Neumarkt). Alexander Radlbeck, verantwortlich für den Netzbau in der Oberpfalz, präsentierte einige Beispiele für Kabelneubau.

Schalthaus Bärnau: Wegen der Windkraftanlagen in der Umgebung wurden 28 Masten abgebaut und vier Kilometer Freileitung unter die Erde gebracht. Kosten: 570 000 Euro.

Schalthaus Pressath: Dort gibt es viele Photovoltaikanlagen. 53 Masten sind weg, 7,5 Kilometer Freileitung ebenso. Investition: 1,0 Million Euro.

Umspannwerk Rosenberg: Hier erfolgt ein kompletter Kabelneubau. Kosten: 2,5 Millionen Euro.

Schalthaus Amberg: 27 Masten abgebaut, 4,8 Kilometer Freileitung weg. Investition: 1,15 Millionen Euro.

Gaserschließung Wackersdorf: Mit dem Breitbandausbau wurden laut Radlbeck "optimale Synergien" erzielt. Strom, Gas, Internet in einem Aufwasch. Kosten: 350 000 Euro.

Das Bayernwerk sieht sich durch die Maßnahmen für die Zukunft gerüstet. Die politische Diskussion um die Energiewende wie zum Beispiel um die Abstandsregelung für Windkraftwerke sieht Westphal ziemlich gelassen: "Wir werden auch Überraschungen aushalten."
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