Eon Bayern: Nur dann ist die Energie-Wende technisch machbar
Netzkapazität entscheidet

Von Neunburg vor Wald aus steuert die Eon 44 000 Kilometer Mittelspannungsleitungen und 284 Umspannwerke. Die Netz-Leitstelle ermöglichte dem Wirtschaftsbeirat der Union interessante Einblicke. Bild: Götz
Lokales
Neunburg vorm Wald
17.04.2012
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"Die Netzkapazität ist entscheidend, nicht die eingespeiste Energiemenge." Wolfgang Tauber, Chef für das Eon-Stromnetz in Bayern, redete beim Wirtschaftsbeirat der Union am Montagabend Klartext: "Ohne einen Ausbau der Netze und ohne Speicherung ist die Energie-Wende nicht zu schaffen." Sie sei nicht nur eine gesellschaftliche, sondern eine technische Herausforderung.

Für die Versorgungssicherheit investiert die Eon Bayern im Jahr 2012 kräftig: 260 Millionen Euro in den Ausbau der Netze (davon 90 Millionen Euro durch Erneuerbare Energien bedingt) und 170 Millionen Euro in die Instandhaltung. Eon-Regionalleiter Christoph Henzel kündigte den Bau von 15 neuen Umspannwerken an (u. a. 2013 in Eslarn, Waldmünchen und Falkenstein) und den Austausch von mehr als 2500 Transformatoren an, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Bei der Veranstaltung in der bayerischen Eon-Netzleitstelle Neunburg vor Wald erfuhren die zahlreichen Gäste - darunter Regierungspräsidentin Brigitta Brunner und MdL Tanja Schwaiger - vom ständig erforderlichen, äußerst sensiblen Gleichgewicht zwischen Stromerzeugung und -verbrauch. So ist an Sonnentagen in Bayern ein Ausgleich von 2700 Megawatt zu bewerkstelligen - der Leistung von zwei Kernkraftwerken. Netz-Chef Tauber: "Ohne Speichermöglichkeit gibt es keine Versorgungssicherheit."

Eon-Regionalleiter Henzel bezeichnete neue Gaskraftwerke als unverzichtbar: für eine (stabile) Grundlast-Energie als Ersatz der Kernenergie und Ergänzung zur volatilen Wind- und Sonnenenergie . "Die Politik muss Investitionsanreize für den Bau von Gaskraftwerken schaffen." 2011 musste die Eon an 308 Tagen eingreifen, um das Stromnetz stabil zu halten, früher war dies nur an wenigen Tagen im Jahr erforderlich. Henzel schließt zwar eine akute Gefährdung aus, "doch die Netz-Sicherheit wird immer aufwendiger und schwieriger". Er sieht Effizienz-Potenziale besonders in der energetischen Gebäudesanierung und bei der Straßenbeleuchtung. Erheblich zur Entlastung der Netze und zur Optimierung der Eigennutzung könnte die Speicherung von Photovoltaik-Energie in Batterien mit einer Kapazität von 4 bis 6 Kilowatt bewirken. Hier laufen Pilotprojekte im Raum Schwandorf, noch kostet eine derartige Batterie 15 000 Euro.

Eine Kappung der Leistungsspitzen bei den volatilen Energien um 3 bis 5 Prozent würde Netz-Ausbaukosten von 30 Prozent ersparen. Henzel: "Das Bezahlen des nicht eingespeisten Stroms wäre deutlich günstiger als ein Ausbau." Der Eon-Regionalleiter geht davon aus, dass 2012 erstmals beim Einspeise-Management für Photovoltaik-Strom die Notbremse gezogen werden muss.
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