Erste Asylbewerber in der Kaserne

Einen Koffer hatten nur die wenigsten der 27 Neuankömmlinge in der Neunburger Gemeinschaftsunterkunft dabei, viele reisten mit Plastiktüten aus Zirndorf an. Bereits für nächste Woche werden weitere Flüchtlinge auf dem ehemaligen Kasernengelände erwartet. Bild: hfz
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.04.2015
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Was sie aus der alten Welt gerettet haben, passt in wenige Plastiktüten. Mit diesem Gepäck sind die ersten 27 Asylbewerber am Donnerstag in der Neunburger Gemeinschaftsunterkunft angekommen. Zum Erholen aber bleibt wenig Zeit.

Ein braunes Kuscheltier schaut ganz oben aus der Plastiktüte, die im Zimmer einer Familie aus Serbien steht. Hari, Rebekka und Tomi sind mit Eltern und Großeltern erst am Donnerstag in die Asylbewerber-Unterkunft auf dem Gelände der ehemaligen Pfalzgrafen-Kaserne eingezogen. Sie gehören zu den ersten 27 Flüchtlingen, die nach der Erstaufnahme in Zirndorf hier untergebracht wurden.

Vorwiegend Familien hat der Bus hier am Donnerstag für das erste von drei Gebäuden in der Pfalzgrafenstraße ausgespuckt: Drei Familien aus Serbien, jeweils eine aus der Ukraine, Mazedonien und dem Irak sowie ein Ehepaar aus Albanien. Durch Haus 4 hallen helle Kinderstimmen. Denn unter den Flüchtlingen sind auch 14 Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren. "Gut die Hälfte davon werden die Schule in Neunburg besuchen", meint Unterkunftsleiter Max Schmid. Größere Familien haben meist zwei Räume für sich. In einer karierten Tasche stapelt sich die Grundausrüstung: Bettwäsche mit Bettdecke und Kopfkissen, ein Topf, Pfanne, Teller, Tasse, Besteck und Klopapier.

Die ersten Hinweise

"Den Zimmerschlüssel immer mitnehmen", mahnt Schmid. Doch die Verständigung ist schwierig. Denn keineswegs alle sprechen Englisch. So dauert es seine Zeit, bis die Mitarbeiter in der Unterkunft verstanden haben, warum einige der Neuankömmlinge plötzlich ganz aufgeregt mit Papieren wedeln und dazu immer wieder das Wort "Bus" rufen: Einer von ihnen hat dort wohl in der Aufregung seine Dokumente vergessen. Mit der Lösung solcher Probleme und der Zimmerverteilung ist die Ankunft aber noch längst nicht abgehakt. Anmeldeformalitäten in der Verwaltung, Aushändigung eines Stadtplans und ein Info-Blatt "Notfall" stehen ganz oben auf der Liste.

Außerdem sollen die Neuankömmlinge lernen, wie man Elektroherd, Waschmaschine und Kühlschränke benutzt und wie im Notfall der Feuerlöscher oder das Notruftelefon zu bedienen sind. Nicht zuletzt galt es auch, die Reinigung der Gemeinschaftsräume und die Mülltrennung abzusprechen. Für heute werden Mitarbeiter des Sozialamts in Neunburg erwartet, die schon mal einen "Handvorschuss" mitbringen. "Alle haben jetzt eine Menge zu tun", weiß Unterkunftsleiter Schmid und bittet die deshalb die Bevölkerung, derzeit noch von Kleider- oder Sachspenden abzusehen. "Die Flüchtlinge brauchen erst einmal einige Tage zum Eingewöhnen und zum Erledigen der Anmeldeformalitäten." Auch die Koordinierung soll erst noch mit ehrenamtlichen Helfern und Caritas abgesprochen werden. Für nächste Woche werden weitere Asylbewerber aus Albanien, Armenien, Aserbaidschan, Äthiopien, Mazedonien und Iran erwartet. Die Unterkunft bietet Platz für maximal 148 Personen.
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