Farbenspiel hinter Glas

Dr. Reiner Reisinger (rechts) referierte im Schlosssaal über "150 Jahre Hinterglaskunst der Malschule Winklarn". Beim Rundgang durch das Museum erläuterte er die Details der dort ausgestellten Hinterglasbilder. Bild: weu
Lokales
Neunburg vorm Wald
16.10.2014
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Ab dem 18. Jahrhundert war Hinterglaskunst eine Oberpfälzer Domäne. Die Bedeutung der sogenannten "Winklarner Schule" stellte Dr. Reiner Reisinger bei einem Vortragsabend im Schlosssaal heraus.

Auf Einladung der Akademie für Natur und Industriekultur referierte Dr. Reisinger im Jahresthema "Glas" über "150 Jahre Hinterglaskunst der Malschule Winklarn". Dazu hatten sich auch Gäste aus der Marktgemeinde Winklarn, angeführt von Bürgermeisterin Sonja Meier, im Schloss eingefunden.

"In Winklarn wurde von der Mitte des 18. bis ins erste Viertel des 20. Jahrhundert hinter Glas gemalt." Diese Aussage belegte Dr. Reisinger mit der Dissertation von Heinrich Buchner aus dem Jahre 1936. Darin wurden bereits drei Maler der Familie Rott, die beiden Ruff und Johann Wellnhofer sowie Josef Wistner und sein Sohn Johann benannt. Knapp 40 Jahre später wurde die "Winklarner Schule" in Raimund Schusters Büchlein "Auf Glas gemalt. Hinterglasmalerei aus Winklarn" wiederentdeckt und in die Reihe der bedeutenden Schulen im Grenzgebiet von Bayern, Böhmen und Österreich eingereiht.

Zunächst erläuterte Dr. Reisinger die Herstellung von mundgeblasenem Flachglas. Von der als Zylinder geblasenen Form werden die "Deckel" abgeschnitten, der Glaszylinder aufgeschnitten. Nach dem Erhitzen wird der Zylinder geöffnet und mit einem Holz geplättet. Die frühen Winklarner Maler verwendeten öfter unbehandelte Flachglasplatten als Malgrund, die eine unebene, leicht wellige Oberfläche hatten. Später dienten geschliffene und polierte ebene Glasplatten als Malgrund, die hauptsächlich von der Hütte Charlottenthal im Schönseer Land stammten.

Eine Rechnung vom 14. März 1901 einer Münchner Farben- und Lackfabrik für "Carl Ruff Maler Winklarn" gab Aufschluss über die verwendeten Farbpigmente und Malmittel wie Terpentinöl und Leinölfirnis. Geliefert wurden die Waren mit der Eisenbahn an die Bahnstation Neunburg vorm Wald. Im zweiten Teil seines Vortrags beleuchtete Reisinger das Schaffen der Winklarner Maler an ausgewählten Bildbeispielen. Dabei beschränkte er sich auf 3 der insgesamt 13 in Winklarn tätigen Künstler, wobei Thomas Aquinus Rott als zentrale Figur galt (1766 bis 1841). Er war Lehrmeister von Joseph Wistner (oder Wüstner) und seines Verwandten Karl Josef Ruff senior. Von ihm ist eine Vielzahl von Hinterglasbildern erhalten, sowohl Andachts- und Votivbilder als auch profane Motive wie Erdteil-Allegorien. Dr. Reisinger stellte auch Werke von Karl Josef Ruff (1815 bis 1896) und Josef Wi(e)stner (1807 bis 1875) vor und erläuterte beim Rundgang durch das Museum noch Details der dort ausgestellten Hinterglasbilder.
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