Festspiel entwickelt sich weiter

Die Mitwirkenden des Festspiels "Vom Hussenkrieg" sind am vergangenen Wochenende in die Probenphase für die 33. Theatersaison eingestiegen. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
11.05.2015
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"Kräftig sprechen und hoffen, dass der Wind nicht falsch steht", ist der Appell vom Hussenkrieg-Regisseur Nikol Putz angesichts des fehlenden Tribünendachs.

Das "Hussenkrieg"-Ensemble ist wieder im Proben-Modus. Für den 33. Festspielsommer will Regisseur Nikol Putz im "Räderwerk der Inszenierung" neue dramaturgische Impulse setzen. Dabei rücken unter anderem jugendliche Darsteller stärker ins Rampenlicht.

Keinerlei Anlaufschwierigkeiten hatte Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins, beim Probenauftakt beobachtet: "Bereits am Freitag waren die Mitwirkenden bereit, bis 23 Uhr zu proben." Er hoffte, dass die Sanierung der "Alten Fronfeste" die Proben nicht beeinträchtigt, und das Gerüst vor dem Burghof bis zur Premiere abgebaut ist.

"Wichtige Textelemente"

Wie bereits berichtet, soll die Bühnenhandlung um zwei weitere historische Personen erweitert werden: Die beiden Margaretes - die ältere (Agnes Jonas) ist die Schwester des Pfalzgrafen Johann, die jüngere ist die Stieftochter der Herzogin Beatrix aus ihrer ersten Ehe - hat Regisseur Putz als "Nebenrollen mit wichtigen Textelementen" konzipiert. So sollen sie in der "Kapellenszene", wenn das Pfalzgrafenpaar um den Sieg betet, ergänzend auftreten. Ein neues "jugendliches Element" (Putz) soll beim Auftritt der jüngeren Margarete (Teresa Wurmstein, 19) spürbar werden. Sie trifft zunächst auf das Liebespaar Michl und Lisbeth, auch Pfalzgrafensohn Christoph (neu: Fabian Schmid, 15) kommt in der Szene hinzu. Der Regisseur möchte dabei die Unbekümmertheit der Jugend herausstellen - "dass die Hussiten nahen, ist den jungen Leuten zwar bekannt, doch die Gefahr eines Krieges schätzen sie noch nicht so real ein".

Überarbeitet wird die Exekution eines Hussiten im vierten Bild. Regisseur Nikol Putz erinnert sie zu sehr an die Hinrichtungen der IS-Terrormilizen - "wir wollen keine Annäherung schaffen, die missverständlich werden könnte". Nun soll die Szene mit einem akustischen Signal unterbrochen und durch den Erzähler erklärt werden, dass sich das Neunburger Ensemble deutlich gegen jede Form extremistischen Terrors positioniert.

Wandel verarbeiten

"Wir machen damit die Brisanz kenntlich und den Zuschauern die Zusammenhänge bewusst", meint der Regisseur. Er sei Stadt und Festspielverein dankbar, dass ihm diese Möglichkeit zu "offenem Theater" von Anfang an in die Hand gegeben worden sei. Die Alternative, diese Szene einfach weg zu lassen, wäre feige gewesen. "Wir haben uns entschlossen, den Wandel durch die Realität künstlerisch zu verarbeiten."

Diese Herangehensweise nötigte Klaus Zeiser "allen Respekt" ab. Der CSU-Stadtrat vertrat die Stadt als Veranstalter des Festspiels und fand es "absolut richtig, auf die Ereignisse künstlerisch zu reagieren". Die weiteren vom Regisseur servierten "Appetithappen" machten Lust auf die Premiere und die Aufführungen. Er dankte dem Festspielverein, dem Ensemble und dem Regisseur für ihr Engagement.

Zeiser kam auf die Problematik "Tribünendach" zu sprechen. Er hofft, dass die Schadensersatzfrage bald bei Gericht geklärt werden könne. Regisseur Putz brachte zum Ausdruck, dass das Dach zwar als Akustiksegel vermisst werde, versicherte aber gleichzeitig: "Wir werden das Beste bringen, was wir haben." Das Ensemble werde sich von den Realitäten nicht deprimieren lassen. "Kräftig sprechen und hoffen, dass der Wind nicht falsch steht", gab er als Marschroute aus. Putz würdigte die Einstellung des Ensembles: Alle seien konzentriert an die Proben herangegangen und bereit gewesen, die neuen Szenen einzustudieren.

Als örtlicher Spielleiter konnte Hans-Werner Habel die Besetzung aller Rollen vermelden, "wir können vollständig beginnen". Wie Vorsitzender Helmut Mardanow ergänzte, hätten 95 Prozent der Darsteller schon vergangenen Herbst erklärt, dass sie wieder dabei sein werden. Spielleiter Habel freute vor allem ein sozialer Aspekt: Man verfüge über viele junge Darsteller, die mittlerweile in andere Rollen "hineingewachsen" seien. Stadtvertreter Zeiser würdigte diese "Jugendarbeit im besten Sinne".
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