Feuer unterm Tribünendach

Eine Zuschauer-Tribüne ohne Dach - an dieser Ansicht wird sich auch im Festspielsommer 2015 wohl nichts ändern. Die Stadtverwaltung liegt im Clinch mit der beauftragten Zeltbau-Firma, nachdem die Kosten erneut gestiegen waren. Nun könnte es sogar zu einem Rechtstreit kommen. Bild: hfz/Agnes Jonas
Lokales
Neunburg vorm Wald
09.04.2015
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Die Festspiel-Besucher sitzen wohl auch heuer unter freiem Himmel. Nachdem sich der Stadtrat geweigert hat, eine erneute Kostenerhöhung der beauftragten Firma zu akzeptieren, rückt das neue Tribünendach in weite Ferne. Das letzte Wort könnte nun sogar die Justiz sprechen.

"Nächstes Jahr haben wir wieder eine Überdachung", hatte Bürgermeister Martin Birner den Darstellern des Festspiels "Vom Hussenkrieg" noch im vergangenen August versichert. Doch nun scheint der Neubau des Zeltdachs zu einer unendlichen Geschichte zu werden, deren jüngstes Kapitel jetzt im Stadtrat geschrieben wurde.

Auftrag über 69 000 Euro

Im Herbst 2013 hatte die Landesgewerbeanstalt der bisherigen Konstruktion die Standsicherheit abgesprochen. Für die Erneuerung schloss die Stadt am 7. Februar 2014 einen Vertrag mit der Passauer Firma Ludwig Ortmeier GmbH über eine Auftragssumme von 69 000 Euro. Laut Pressemitteilung der Stadtverwaltung umfasste der Auftrag die Planung und Konzeption der Überdachung, die Firma habe das fertige Werk liefern wollen. Insgesamt wurde mit Gesamtkosten von etwa 100 000 Euro gerechnet, darin flossen auch Leistungen für Fundamente und Statik ein.

Doch im Jahresverlauf wurde das Projekt immer teurer. Die Firma Ortmeier habe mitgeteilt, dass die ursprüngliche Planung wegen einer geänderten Din-Norm nicht mehr realisierbar sei. Nötige Umplanungen würden Mehrkosten von rund 30 000 Euro gegenüber dem ursprünglichen Auftrag verursachen. Wie Bürgermeister Martin Birner bei einem Pressegespräch informierte, lasse die neue Din-Norm Abspannungen der Dachkonstruktion an Mauern nicht mehr zu. Bisher war das Neunburger Festspieldach auch in der Außenmauer des Schlosses und des Alten Landratsamtes verankert - "nun muss das Dach von sich aus stehen und sich selbst tragen".

Mit der neuen Norm wurden auch die "bauseitigen Mehrkosten" für die Stadt teurer. Es brauchte deutlich mehr Fundamente, die nun 60 000 Euro statt 30 000 Euro ausmachten. Diesen Aufschlag hatten die Stadträte schon im November 2014 nicht übernehmen wollen.

Doch die Preisschraube drehte sich weiter: Nach Darstellung der Stadtverwaltung habe die Firma Ortmeier am 16. Februar mitgeteilt, dass die Ausschreibung der Stahlbauleistungen weitere Mehrkosten von nochmals rund 22 000 Euro ergeben habe. Die Gesamtkosten für das Dach wären damit auf rund 182 000 Euro gestiegen. Das Unternehmen sah sich nicht mehr im Stande, den Auftrag in der angebotenen Form zu erfüllen. Darauf beharrte Ortmeier auch bei einem Gesprächstermin Anfang März, dazu hatte das Rathaus bereits eine Anwaltskanzlei ins Boot geholt.

"Planung mit Fehlern"

In nichtöffentlicher Sitzung am 26. März pochte der Stadtrat nun auf den geschlossenen Vertrag. Den Schwarzen Peter sah das Gremium bei Ortmeier: Die Firma habe der Stadt eine Planung vorgelegt, die offensichtlich auf Fehlern beruhe. "Die neue Din-Norm gab es schon, als der Vertrag geschlossen wurde", führte beispielsweise Verwaltungsleiter Peter Hartl ins Feld. Die Stadt sei jedenfalls nicht bereit, die Mehrkosten zu übernehmen. Die Firma wurde aufgefordert, den Vertrag zu erfüllen. Die Stadtverwaltung erklärte, notfalls den Rechtsweg beschreiten zu wollen und gegebenenfalls auch auf Schadenersatz zu klagen.

Für die Mitwirkenden und Besucher des Festspiels bedeutet das nun, auf Wetterglück zu hoffen. Denn selbst wenn die Firma noch einlenken würde, erscheint es laut Stadtverwaltung "kaum mehr möglich, die Konstruktion bis zum Festspielbeginn Anfang Juli fertigzustellen". Sollte sich der Rechtsstreit hinziehen und beispielsweise Gutachten zur Klärung der Sachlage nötig werden, könne es durchaus sein, dass es auch 2016 noch kein neues Dach gibt.
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