Feuertod löst Hussitenkriege aus

Vor der Präsentation des Dokumentarfilms "Alles für die Wahrheit" gab Heimatpfleger Theo Männer (rechts) eine Einführung in Jan Hus" Leben. Zum Gedenken an den Feuertod des tschechischen Reformators, Predigers und Kirchenkritikers vor 600 Jahren hatten der Festspielverein und das Schwarzachtaler Heimatmuseum eine gemeinsame Veranstaltung initiiert. Bild: Mardanow
Lokales
Neunburg vorm Wald
08.07.2015
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600 Jahre ist es her, dass der böhmische Reformator Jan Hus am 6. Juli 1415 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Zu diesem Jahrestag waren das Schwarzachtaler Heimatmuseum und der "Hussitenkeller" im alten Landratsamt Schauplatz für eine Gedenkveranstaltung.

Knapp 50 Interessierte, teils sogar aus Regensburg angereist, hatten sich im Gewölbekeller versammelt, um zunächst die filmische Hus-Dokumentation "Alles für die Wahrheit" anzusehen. Helmut Mardanow, Vorsitzender des Festspielvereins, erachtete es bei seiner Begrüßung als wichtig, diesen Tag in Erinnerung zu rufen. In einer kurzen Einführung wies Heimatpfleger Theo Männer darauf hin, dass Hus' Todestag bereits im alten Böhmen ein Gedenktag war. Seit 1925 ist der 6. Juli auch tschechischer Staatsfeiertag.

Im Visier des Klerus

Männer schilderte den Werdegang des Priesters und Predigers, der es bis zum Rektor der Prager Universität brachte. Er verbreitete das Wort Gottes in der tschechischen Landessprache - "für die damalige Zeit war das revolutionär". Bis dahin war in den Gottesdiensten nur Latein gesprochen worden. Weil er zusätzlich kirchliche Missstände wie Korruption und Sittenlosigkeit anprangerte, geriet er ins Visier des höheren Klerus. Als Ketzer gebrandmarkt, endete sein Leben beim Konzil in Konstanz in den Flammen.

Die Nachwelt urteile unterschiedlich über Jan Hus: "Die Brillen waren sehr verschieden gefärbt", erläutert Männer. Er sei als Märtyrer ebenso gesehen worden wie als Vorläufer Luthers, später galt er sogar als kommunistischer Sozialrevolutionär. Mittlerweile scheine sogar eine Rehabilitierung Hussens durch die katholische Kirche ein greifbare Nähe gerückt. Laut Männer sind viele seiner Ideen mittlerweile akzeptiert, erst jüngst habe Papst Franziskus "tiefes Bedauern über den grausamen Tod des Jan Hus" ausgedrückt.

Im anschließenden Film gaben die Historiker Peter Hilsch, Volker Leppin und Jan Kalivoda Einblick in Hus' Wirken und Leben. Als wortgewaltiger Prediger in der Prager Bethlehemskapelle habe er unter anderem gefordert, dass die Geistlichkeit in Armut leben müsse wie Jesus und seine Jünger. Dies sei in Zeiten reicher Bischöfe natürlich eine unglaubliche Provokation gewesen. Über Hus wurde der Kirchenbann verhängt, 1412 musste er aus Prag fliehen. Ein religiöser Hetzer jedoch sei Hus nicht gewesen: "Er war ein Uni-Professor, der wissen wollte, wie alles zusammenhängt", so das Urteil von Volker Leppin. Als Hus beim Konzil gefangen genommen wurde, vertrat er weiterhin vehement seine Thesen. Hätte er widerrufen, wäre er wohl höchstwahrscheinlich mit dem Leben davongekommen, glauben die Experten. Doch Hus ließ sich nicht verbiegen und blieb seinem Motto "Die Wahrheit siegt" treu. Sein Tod in den Flammen entfachte später ein noch größeres Feuer - für 20 Jahre hielten ab 1419 die Hussitenkriege das Reich in Atem.

Neue Heimat für Ausstellung

Im Anschluss eröffnete im Schwarzachtaler Heimatmuseum die Ausstellung "Auf den Spuren der Hussiten". Die von Franz Grundler (Nabburg) konzipierte Präsentation haben die Stadt aus ihrem Hussitenstädte-Budget, der Festspielverein und das Museum gemeinsam erworben. "Sie passt zu Neunburg", urteilte Bürgermeister Martin Birner, gerade jetzt zur Festspielzeit. Franz Grundler war froh, dass seine Ausstellung hier - "in der heimlichen Hauptstadt der Hussiten in Bayern" - eine neue Heimat findet.
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