Freie Fahrt fürs Bahn-Denkmal

Der Lokführer (links) schaut vom Führerstand herab, ein Liebespaar verabschiedet sich voneinander (rechts): Ein genauerer Blick auf den Modell-Aufbau macht deutlich, wie viele Details auf dem künftigen Neunburger Eisenbahn-Denkmal zu entdecken sind. Bilder: Mardanow (2)
Lokales
Neunburg vorm Wald
19.06.2015
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Der Neunburger Eisenbahn-Geschichte wird ein Denkmal gesetzt - und das zum Nulltarif. Johannes Wiemann aus Nürnberg lässt die Erinnerung an die Lokalbahn-Tradition in Bronze gießen. Der Bauausschuss hat das Geschenk mit Applaus angenommen.

In der Sitzung am Donnerstag stellte Johannes Wiemann das Denkmal vor. Bürgermeister Martin Birner hatte ihn als "großen Sponsor und Fan der Stadt" im Rathaussaal willkommen geheißen. Wie Birner informierte, wolle dieser zum 100. Jahrestag der Eröffnung der Bahnstrecke Neunburg-Rötz ein Denkmal stiften. Platziert werden soll es bei der Schwarzachtalhalle in der Nähe des ehemaligen Ostbahnhof-Gebäudes.

Historie kaum gewürdigt

Laut Birner wird Johannes Wiemann, früher Lehrer an der Gregor-von-Scherr-Realschule, für das Denkmal alle Kosten übernehmen und dafür einen fünfstelligen Betrag spenden. Danach erläuterte Wiemann seinen Plan und schilderte dem Ausschuss zunächst, wie er 1984 nach Neunburg gekommen war. Damals sei er enttäuscht gewesen, dass ein "Edelbrunzhäusl" - der frühere Ostbahnhof ist seit Jahrzehnten eine öffentliche WC-Anlage - die einzige Erinnerung an die Bahnstrecke war.

1989 wurde der leidenschaftliche "Hobby-Eisenbahner" Wiemann an eine andere Schule versetzt - "doch die Zuneigung für Neunburg ist geblieben", räumte er ein. 1996 setzte er der früheren Bahntrasse von Bodenwöhr über Neunburg nach Rötz mit einem Buch ein literarisches Denkmal, 2013 erschien eine Zweitauflage. Im Jahr 2012 hatte Johannes Wiemann dem Schwarzachtaler Heimatmuseum ein Diorama des Ostbahnhofs spendiert.

Beim Standort des künftigen Eisenbahn-Denkmals macht Wiemann klar: "Es sollte am besten dort aufgestellt werden, wo früher auch die Eisenbahn verlaufen ist." Deswegen sei auch die Wahl auf das Torweiherareal als historischer Ort gefallen. "Ich könnte mir vorstellen, dass dieses Denkmal vielen Leuten gefällt", glaubt der Stifter. In gleicher Größe wie der Denkmal-Zug wird ein weiteres Bahn-Modell mit Lok und drei Waggons gefertigt - dieses erhält das Schwarzachtaler Heimatmuseum als Geschenk. Gegenüber dem Ausschuss stellte Wiemann klar, dass er mit seinem Engagement keinerlei Erwartungen verknüpfe oder gar Gegenleistungen erwarte - "ich mach' das rein aus Zuneigung zu Neunburg und aus Liebe zur Eisenbahn".

"Die Stadt kann sich glücklich preisen, so einen Sponsor zu haben", freute sich Heimatpfleger Theo Männer über diese Gabe. Wie er berichtete, sei das Eisenbahn-Denkmal mittlerweile bei der Gießerei Anton Gugg (Straubing) im Hohlgußverfahren schon fertiggestellt worden. Die Vorlage hatte Robert Weber aus Fischbach bei Nittenau entworfen - "ein anerkannter und im Landkreis geschätzter Künstler". Der Granitsockel wird von der Firma Seebauer (Girnitz) geliefert, Steinmetz Franz Birner obliegt die Bearbeitung.

Denkmal schafft Impulse

Mit Beifall quittierte der Bauausschuss das Vorhaben von Johannes Wiemann. Für die CSU-Fraktion freute sich Verena Binder darauf, "das Denkmal endlich live zu sehen". Es werde Groß und Klein ansprechen und mache die Lokalbahn-Geschichte anfassbar. FW-Sprecher Martin Scharf gab zu, begeisterter Leser des Wiemann-Buches zu sein, das Denkmal schaffe einen weiteren Impuls zur Belebung des Torweiherareals.

Über ein "wundervolles Werk" freute sich SPD-Stadtrat Herbert Wartha. Er wollte noch wissen, ob ein Schutz vor Vandalismus vorgesehen sei. Johannes Wiemann verneinte: "Ein Glassturz oder Ähnliches würde zu viel Distanz schaffen." Man hoffe einfach darauf, von Schäden verschont zu bleiben. Der Ausschuss begrüßte einstimmig die Stiftung des Eisenbahn-Denkmals und erklärte sich mit der Darstellung und dem geplanten Standort einverstanden. Die Einweihung wird am Sonntag, 27. September, um 11.30 Uhr am Torweihergelände stattfinden.
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