Friede ist eine Daueraufgabe

Während der Gedenkfeier auf dem Plattenberg zeigten Schüler Bilder von Überlebenden der Todesmärsche. Bilder: pko (2)
Lokales
Neunburg vorm Wald
25.04.2015
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Vor 70 Jahren kam das Grauen des Zweiten Weltkriegs auch in Neunburg an. In einer eindrucksvollen Gedenkveranstaltung am KZ-Friedhof erinnerten Schüler an die Todesmärsche und die unzähligen ermordeten Häftlinge. Sie alle einte der Appell: Solche Gräueltaten dürfen sich nie mehr wiederholen.

Am Donnerstag waren Schüler und Lehrer der Gregor-von-Scherr-Realschule und der Mittelschule mit den Schulleiterin Diana Schmidberger und Manfred Bösl auf den Plattenberg gezogen. In der Gedenkstätte, in der 615 Opfer des Nazi-Regimes beerdigt wurden, rief Bürgermeister Martin Birner dazu auf, dieses dunkle Kapitel der Heimatgeschichte nicht zu verschweigen. Es sei wichtig, dass sich die Schulen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzten, damit solcher Terror keinen Nährboden mehr finde. "Wir schätzen unsere Freiheit, unsere Demokratie, wir achten die Menschenrechte und wir setzen uns für Frieden ein", betonte der Bürgermeister. Diese Werte müssten Tag für Tag bewahrt und gesichert werden - "denn sie sind verletzlich und brauchen Menschen, die für sie einstehen".

"Die Welt verändern"

"Danke, dass sie der Menschen gedenken, die auf diesem Friedhof begraben sind", sagte stellvertretender Landrat Joachim Hanisch. Erst wenn sich ihrer niemand mehr erinnere, seien sie wirklich tot. Er richtete den Fokus auf die einzelnen Individuen - jedes Opfer auf dem KZ-Friedhof habe einen Namen, Familie, Träume und Wünsche gehabt. Hanisch war überzeugt: "Diese Gedenkfeier verändert Menschen, und dann können wir gemeinsam die Welt verändern."

Die Jugendlichen der beiden Schulen hatten sich intensiv mit dem Thema "Todesmarsch durch Neunburg" auseinandergesetzt. Sie gestalteten die Gedenkfeier mit Berichten von Augenzeugen. So hatte Johann Deml aus Egelsried als Kind miterlebt, wie KZ-Häftlinge auf dem Hof seiner Eltern in der Scheune übernachtet haben und sie ihnen nichts zu essen geben durften. In Erinnerung gerufen wurden auch die vielen Toten in den Wäldern rund um Neunburg, und das Grauen wurde noch einmal lebendig bei der Schilderung der offenen Särge auf dem Neunburger Friedhof.

Anita Gebhard sang das Lied von den "Moorsoldaten", und für die wenigen bekannten Opfer wurden Steine mit deren Namen niedergelegt. Ein größerer Stein stand für alle getöteten KZ-Häftlinge. Das Orchester der Realschule trug zum feierlichen Rahmen der Gedenkfeier bei. Die Schüler der Mittelschule lasen Texte aus Sicht der Opfer vor und berichteten, wie das Leben Einzelner weiter verlaufen war. Dazu hielten sie deren Fotos hoch.

Die Beiträge von Pfarrer Stefan Wagner, seinem evangelischen Amtskollegen Gerhard Beck und Diakon Uli Wabra waren mit "Gott schenkt Glück" überschrieben. "Glücklich sind die, die die Herzen der Bekümmerten mit Freude erfüllen", hieß es da. Die Geistlichen ermahnten, "Menschen, die das Schicksal wieder in unsere Stadt spült, freundlich aufzunehmen".

Zeichen gesetzt

Birner bedankte sich abschließend bei den Stadträten, Bürgern und Zeitzeugen, die mit ihrer Teilnahme ein Zeichen gegen Krieg und Rassismus gesetzt haben. Er dankte den Jugendlichen für die würdevolle Gestaltung des Gedenkakts. Birner erwähnte auch den Gartenbauverein Neunburg, der seit 40 Jahren für die Pflege der KZ-Gedenkstätte verantwortlich zeichnet und diese Arbeit sehr gewissenhaft ausführt.
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