Gemeinschaftsunterkunft gut ausgelastet - Hürden bei der Busanbindung
14 Nationen unter einem Dach

Lokales
Neunburg vorm Wald
30.05.2015
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Die Neunburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber ist rund sechs Wochen nach der Öffnung fast voll belegt. 130 Menschen aus 14 Nationen haben hier eine vorübergehende Bleibe gefunden. Die maximale Auslastung liegt bei 150 Personen.

"Wir haben nur noch Platz für eine Familie und ein paar Einzelpersonen", schildert Unterkunftsleiter Max Schmid den Andrang. Er geht davon aus, dass auch die 63 Plätze, die ab der zweite Juniwoche in Pfreimd zur Verfügung stehen, innerhalb von 14 Tagen zu 90 Prozent belegt sind.

Fremde Technik

Abgesehen von vereinzelten Rangeleien und kleineren "Hygiene-Problemen" in der Küche läuft es gut in den insgesamt drei Häusern auf dem Gelände der ehemaligen Pfalzgrafen-Kaserne. "Das ist hier nicht anders als in einem Mietshaus, und das Anspruchsdenken ist nicht so hoch." Der Unterkunftsleiter hat Verständnis, wenn manches nicht so gut klappt: "Einige haben vielleicht noch nie auf einem Herd gekocht, andere haben in ihrem Leben noch keine Waschmaschine benutzt." Für ihn sei es wichtig, "bei der Verantwortung für das Haus eine Balance zu finden", stellt er klar: "Wenn notwendig Kritik üben, aber den Bewohnern immer mit Menschlichkeit begegnen."

Zentrales Problem dabei ist die Sprache: Die meisten Flüchtlinge kommen aus der Ukraine, gefolgt von Irak, Albanien und Serbien. Aber auch aus Bosnien, Mazedonien, Äthiopien, Aserbaidschan, Kosovo, Weißrussland, Iran, Georgien, Armenien und Vietnam leben derzeit Asylbewerber in der Neunburger Gemeinschaftsunterkunft, die mit Andreea Bercea über eine eigene Asyl-Sozialberaterin verfügt.

Nicht einfach ist es allerdings für die Neunburger Asylbewerber, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln klarzukommen. Heimleiter Schmid schildert ein Beispiel: Bei Turnübungen hatte sich ein Bewohner den Arm gebrochen. Seine Frau begleitete ihn ins Krankenhaus, die Kinder blieben daheim. "Doch dann fuhr am Abend kein Bus mehr zurück von Schwandorf, die Frau hat auf einem Stuhl im Krankhaus übernachtet", erzählt Schmid. Dazu komme, dass die Asylbewerber, wenn sie zu den Behörden nach Schwandorf fahren müssen, auf die ohnehin mit Schülern überfüllten Busse treffen.

Erste Abschiebung

Diese Stoßzeiten zu meiden sei aber nicht einfach, "schließlich dauert es ja auch noch, bis sie vom Bahnhof in Schwandorf zu Fuß zum Landratsamt kommen". Hierin liegt für den Unterkunftsleiter auch der Grund für so manchen Umverteilungsantrag. Die Chancen, dass der Wunsch nach einem anderen Aufenthaltsort erfüllt wird, stehen aber schlecht, falls es nicht um Familienzusammenführung geht. Für manche ist der Traum vom sicheren oder besseren Leben ohnehin bald zu Ende. Eine Familie weiß bereits, das ihr eine Abschiebung bevorsteht. (Seite 33)
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