Harmonie mit kleinen Tücken

Harmonisch oder nicht hübsch genug? So sehen die Pläne für den Neubau der Raiffeisenbank anstelle des früheren Kinos in der Hauptstraße 77 aus: links oben die Fassade mit dem Eingang, unten die Ansicht mit dem Steg über den Stadtgraben. Repro: hfz
Lokales
Neunburg vorm Wald
27.03.2015
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Als Dienstleister und Frequenzbringer ist die Raiffeisenbank in der Neunburger Altstadt höchst willkommen. Doch der Neubau in der Hauptstraße ist Geschmackssache. Für den Sanierungsbeauftragten Theo Männer ist er eine "saftige Verbeugung vor den Interessen der Bank".

Die Raiffeisenbank Schwandorf-Nittenau eG verlagert ihren Geschäftssitz in Neunburg vom bisherigen Standort Jobplatz 15 in die Hauptstraße 77. Für einige Stadträte landet sie damit direkt auf dem Präsentierteller mitten in der Altstadt. Das ehemalige Kino auf dem Grundstück wird abgerissen, ein Neubau soll an seine Stelle treten. "Ein ganz wesentlicher Baustein zu einer aktiven Belebung der Altstadt" sei das, meinte Bürgermeister Martin Birner am Donnerstagabend bei der Stadtratssitzung, "und ein Beweis dafür, dass der eingeschlagene Schwerpunkt Dienstleistung erfolgversprechend sein kann".

Stadtgraben bleibt offen

Birner berichtete bei der Sitzung von mehreren Terminen mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Landratsamt. Ein ursprünglicher Plan mit größerem Bauvolumen und einer Überbauung des Stadtgrabens sei zwischenzeitlich aufgegeben worden. Der vorliegende Antrag sehe nun eine zweigeschossige Bebauung mit Dachgeschoss vor, der Stadtgraben werde nicht überbaut. "Städtebaulich fügt sich das geplante Vorhaben harmonisch in die Eingangssituation der oberen Hauptstraße ein", stellte der Bürgermeister fest und berichtete von zehn geplanten Stellplätzen und einem Zugang, der vom Kreisverkehr aus mit einem Steg den Stadtgraben überbrücken soll.

"Wir sind alle froh, dass dort die Eingangssituation in die Altstadt verbessert wird", kommentierte Martin Scharf für die Freien Wähler die Pläne und würdige die Raiffeisenbank als Frequenzbringer. Sein Fazit: grundsätzliche Zustimmung. Erfreut über das Vorhaben zeigte sich auch Margot Weber für die SPD-Fraktion. Nicht ganz verständlich fand sie den exponierten Zugang über einen Steg. "Ein Eingang vom Parkplatz her wäre sinnvoller", stellte sie fest und konnte dem Modell dann doch noch etwas Positives abgewinnen: "10 000 Schritte am Tag sollen ja sinnvoll sein." Bürgermeister Birner warb um Verständnis für dieses Element der Planung: Die Höhenverhältnisse seinen nicht einfach, immerhin komme man so barrierefrei in die Bank.

Fast eine Zugbrücke

"Die Raiffeisenbank passt hervorragend in die Altstadt", urteilte Klaus Zeiser (CSU) und fand den Zugang mit Steg "gut gelöst", da dies den Charakter des Stadtgrabens betone. "Eventuell wird da eine Zugbrücke daraus, mit entsprechend mehr Sicherheit", scherzte er. Anders sah das Kreisheimatpfleger und Sanierungsbeauftragter Theo Männer, der seine Kritik mit einem Exkurs in die Stadtgeschichte einleitete. Seit dem 30-jährigen Krieg habe die Befestigung der Stadt an Bedeutung verloren. Ein "Kardinalfehler" sei es gewesen, dass die Stadt das Areal mit Stadtgraben an Privat verkauft habe. Den Wert des mit Behelfsbauten verunstalteten Geländes habe man dann erst in den 70er Jahren erkannt. Zwar sei der Einzug der Bank hier zu begrüßen und die Überbauung des Stadtgrabens mittlerweile vom Tisch, aber auch "Plan 3" habe seine Tücken. Der Grundriss sei quadratisch statt rechteckig, von der klassischen Oberpfälzer Lochfassade sei wenig zu spüren. Gar nicht begeistert war er von dem Eingriff in den Stadtgraben durch einen Steg nur wenige Meter neben der Brücke, laut Männer "eine saftige Verbeugung vor den Interessen der Bank".

Rückendeckung erhielt er von CSU-Stadtrat Christoph von Wenz: "Unglaublich wie viele Fenster hier verbraten sind, einige davon funktionslos", kritisierte er und fügte hinzu: "Ein bisschen hübscher könnte es schon sein." Trotz dieser Einwände hob am Ende kein einziger Stadtrat die Hand, um gegen das Projekt zu stimmen, das gemeindliche Einvernehmen ist damit einstimmig erteilt.
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